Zahnriemen nicht wechseln - Wenn Ignoranz teuer wird

Diskutiere Zahnriemen nicht wechseln - Wenn Ignoranz teuer wird im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; Ignoranz kann teuer enden. Wer das vorgeschriebene Wechselintervall des Zahnriemens nicht für voll nimmt, riskiert schlimmstenfalls den...
M

Martin Hube

Threadstarter
Dabei seit
18.02.2015
Beiträge
39
Ignoranz kann teuer enden. Wer das vorgeschriebene Wechselintervall des Zahnriemens nicht für voll nimmt, riskiert schlimmstenfalls den wirtschaftlichen Totalschaden.


Günstig war der Zahnriemenwechsel noch nie. Mit mindestens 300 Euro muss man wohl heutzutage fast immer rechnen, eher mehr. Das ist wahrscheinlich auch mit der Grund, warum der Wechselintervall gerne mal um zig tausend Kilometer hinausgezöger wird. „Ich mach’s bei der nächsten großen Inspektion mit, die 20.000 Km muss wird er schon noch halten.“ oder „jetzt passt’s mir gerade finanziell gar nicht, der Urlaub geht vor.“ Verschiedenste Gründe redet man sich ein, warum der Zahnriemen ganz unten auf der to-do-Liste steht.

Der reine Zahnriemenwechsel an sich ist gar nicht so teuer. Jedoch wird man in der Regel, wenn man die Arbeitsleistung schon einmal zahlen muss, auch gleich Spannrolle, Spanner, Umlenkrolle und Wasserpumpe vorsorglich mit erneuern, da diese Teile im Rahmen des Zahnriemenwechsels leicht zugänglich sind. Hinzu kommt, dass sich Wasserpumpe und Zahnriemen auf einander einlaufen, die Kombination aus neuem Zahnriemen und alter Wasserpumpe oft zu Problemen führen kann. Das lässt den Preis klettern.

Doch diese Investition lohnt sich, sofern man keinen kapitalen Motorschaden hervorrufen möchte. Immerhin treibt der Zahnriemen (auch Steuerriemen genannt) über die Kurbelwelle nicht nur die Wasserpumpe und manchmal auch die Servolenkung an. Er setzt vor allem auch die Nockenwelle in Bewegung und steuert somit die Ein- und Auslassventile. Daher kann man sich gut vorstellen, welch ein Schaden angerichtet werden kann, wenn der Zahnriemen nicht genug Spannung hat, reißt oder sogar überspringt. Die Ventile würden zum falschen Zeitpunkt öffnen und dann auf die heraufschießenden Kolben schlagen. Mit etwas Glück müssen in diesem Falle nur die Ventile und Zylinderkopf erneuert werden. Wer Pech hat, darf sich einen Austauschmotor gönnen, und damit geht dann der finanziellen Totalschaden einher.

Die Hersteller geben heute immer längere Wechselintervalle vor. Bis über 200.000 Kilometer halten Zahnriemen heutzutage. Damit ein Zahnriemenschaden erst gar nicht auftritt, geben die Hersteller lediglich Empfehlungen in Form von Wechselintervallen, in welchen Intervallen der Zahnriemen getauscht werden sollte. Grundsätzlich ist es sinnvoll, auch zwischen den Intervallen immer mal wieder einen Blick auf den Zahnriemen werfen zu lassen, wenn man sowieso in der Werkstatt ist z.B. bei einem Reifenwechsel oder einer Reparatur. Bei Bedarf kann der Mechaniker dann den Zahnriemen nachspannen und vielleicht entdeckt er auch bereits Risse oder poröse Stellen. Eine Kontrolle des Zahnriemens kann den Tausch nicht hinauszögern. Reißt der Zahnriemen innerhalb der Garantiezeit des Autos und vor dem empfohlenen Wechsel, trifft den Fahrer zwar keine Schuld - auf den Kosten kann er je nach Kulanzregelung der Hersteller aber trotzdem sitzen bleiben.

Die Intervalle zum Wechseln können sich von Modell zu Modell deutlich unterscheiden, liegen in der Regel zwischen 60.000 und bis zu 240.000 Kilometern. Neben solchen Kilometerangaben gibt es immer auch eine zeitliche Vorgabe in Jahren, da der Zahnriemen mit dem Alter spröde wird. In jedem Fall richten sich die Intervalle immer nach dem verbauten Motor . Die genauen Intervalle können Sie entweder bei Ihrer Werkstatt erfragen oder Sie werfen mal einen Blick ins Serviceheft. Die Zahnriemen bei neueren Motoren treiben meist nur noch die Nockenwelle an. Zusatzaggregate wie die Wasserpumpe oder Hydraulikpumpe hängen hier am Keilriemen, so dass der Zahnriemen deutlich geringeren Belastungen ausgesetzt ist, was die längeren Intervalle im Vergleich zu damals erklärt.

Die Kosten für einen Zahnriemenwechsel schwanken genau so stark wie die Intervalle. Wie viel man bezahlen muss, hängt zum einen von der Komplexität des Motors ab, zum Zweiten von der Zugänglichkeit des Zahnriemens im Motorraum und zum Dritten von der Wahl der Werkstatt. Hier reichen die Kosten von gut 350 Euro bei einem 2010er Opel Astra 1.6 (115 PS) bei einigen A.T.U.-Filialen, Bosch-Dienste bieten den Wechsel oft für 480 Euro an. Wer zu den gleichen Werkstätten indes mit einem 6er Golf mit dem 2.0 TDI-Motor (140 PS) kommt, muss 675 Euro oder sogar 940 Euro für den gleichen Service einplanen. Besonders pikant wird es bei Modellen, bei denen der Zahnriemenwechsel nur bei ausgebautem Motor durchgeführt werden kann. Diese Aktion kann locker zwei Tage dauern, an die Kosten möchte man gar nicht erst denken.

Hilfreich ist es in jedem Fall, im Vorfeld die Wechsel-Vorgabezeit für das jeweilige Modell zu erfragen. Liegt die vom Hersteller vorgegebene Reparaturzeit beispielsweise bei zwei Stunden, sollte auch eine freie Werkstatt nicht eine deutlich längere Arbeitszeit in Rechnung stellen. Aufgrund der Menge an unterschiedlichen Modellen auf dem Markt, benötigen freie Werkstätten mangels Erfahrung teilweise wesentlich länger als eine Vertragswerkstatt, was einen Kostenvorteil bei den Arbeitsstunden schnell zunichtemachen kann.

Natürlich ist es auch beim Kauf eines Gebrauchtwagens unerlässlich, nach dem letzten Zahnriemenwechsel zu fragen. Wurde das Intervall nicht eingehalten, sollte der Käufer vorschlagen, die Kosten für den Zahnriemenwechsel vom Kaufpreis des Wagens abzuziehen oder den Wechsel vor Besitzerwechsel durchführen zu lassen..

Natürlich sollte nur selbst wechseln, wer etwas von der Materie versteht. Viele werden sich bestimmt auch fragen, ob man solch einen arbeitsintensiven Wechsel nicht auch allein in der heimischen Garage hinbekommt. Doch der eigenhändige Wechsel empfiehlt sich nur für erfahrene Schrauber. Denn das Risiko, dass Kurbelwelle und Nockenwelle nach dem Eingriff nicht vollkommen synchron laufen, ist nicht zu unterschätzen. Und schon die kleinste Abweichung kann genauso zu einem kapitalen Motorschaden führen.


Foto © autobild.de​
 
Thema:

Zahnriemen nicht wechseln - Wenn Ignoranz teuer wird

Sucheingaben

schaltet sich der drucklader aus wenn nockenwelle und kurbelwelle nicht synchron laufen

Zahnriemen nicht wechseln - Wenn Ignoranz teuer wird - Ähnliche Themen

  • Zahnriemenwechsel - In welchem Intervall sollte man Zahnriemen wechseln und was kann es kosten?

    Zahnriemenwechsel - In welchem Intervall sollte man Zahnriemen wechseln und was kann es kosten?: Einen Zahnriemen haben viele in Ihrem Auto verbaut aber nicht wenige kümmern sich zu wenig um das gute Stück. Wenn der Zahnriemen gerissen ist...
  • Wann Zahnriemen wechseln

    Wann Zahnriemen wechseln: Hallo, Mein Hyundai Händler hat mich an den Jahresservice erinnert und darauf hingewiesen, dass der Hersteller diesmal auch den Wechsel des...
  • Zahnriemen wechseln,OT einstellen

    Zahnriemen wechseln,OT einstellen: An meinem Renault Megane Bauj. 05.96,75 PS ist der Zahnriemen verschlissen und muss gewechselt werden.Durch den Zahnabrieb haben sich Kurbel.- und...
  • 1.9 DID Zahnriemen wechseln, wann und was muss getauscht werden?

    1.9 DID Zahnriemen wechseln, wann und was muss getauscht werden?: Hallo zusammen, ich wollte mal fragen, wann wechselt ihr die Zahnriemen für eure Space star 1.9 DID? Und was soll man auch gleichzeitig wechseln...
  • Zahnriemen wechseln beim Mondeo

    Zahnriemen wechseln beim Mondeo: Ich muss demnächst den Zahnriemen wechseln bei meinem mondeo. Welche zusätslichen teile muss ich noch haben ausser dem Zahnriemen????????
  • Ähnliche Themen

    Top