Wey aus China: neue Konkurrenz für Audi, BMW und Mercedes will nach Deutschland

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geronimo

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Die Zeiten, in denen Autos aus China eine eher 'windige' Angelegenheit waren, scheinen vorbei. Neben zahlreichen eigenen Elektrofahrzeugen drängt man jetzt mit eigens eingeführten Premium-Marken in das Revier, in dem sich die vor allem die deutschen Hersteller Audi, BMW und Mercedes wohlfühlen. Mit Wey scheint ein mächtiger Gegner heranzuwachsen, was auch an leitenden Angestellten aus Deutschland liegt



Die im November 2016 vorgestellte Automarke Wey gehört zum Autokonzern Great Wall Motors, der im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge verkauft hat. Der noble Ableger wird geleitet von Jens Steingräber, der zuvor 30 Jahre bei Audi beschäftigt war und dort zuletzt unter anderem das SUV Q3 entwickelt hat. Die Handschrift des 58-jährigen merkt man den ersten beiden Fahrzeugen der Marke, dem seit April erhältlichen SUVs VV7 sowie dessen jetzt vorgestellten kleinen Bruder VV5, deutlich an. Vor allem im Innenraum sind gewisse Parallelen zu den Fahrzeugen aus Ingolstadt nicht zu übersehen. Doch das sind sicher nicht die schlechtesten Gene, derer man sich bedienen kann. Zudem gibt es auch genügend Unterschiede, um nicht als plumpe Kopie abgewertet zu werden.

Auf der IAA hat uns Jens Steingräber im Gespräch mitgeteilt, dass man die Latte an zwei Stellen sehr hoch legt. Gemeint ist zum ersten das Thema Sicherheit, denn die beiden kompakten Geländewagen sollen alle internationalen Crashtests ohne Probleme und mit Bestnoten bestehen. Auch der besonders fordernde "Overlap"-Test soll ohne Beanstandung gemeistert werden. Der zweite Bereich betrifft die Ausstattung, denn anders als deutsche und inzwischen auch internationale Hersteller (wie Jaguar oder Volvo) will man endlos lange Aufpreislisten vermeiden. Daher sind die beiden Fahrzeuge bereits ab Werk mit reichlich Extras vollgestopft, während als Optionen lediglich Farben und Felgen übrigbleiben. Zu den serienmäßigen Details zählen unter anderem Navigationssystem, Klimaautomatik, digitales Cockpit, Voll-LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera mit Monitor im Rückspiegel, Lederausstattung sowie zahlreiche Fahrassistenzsysteme wie adaptiver Tempomat, Kollisionswarner, Notbremssystem, Spurhalteassistent, Spurwechselassistent, Totwinkelwarner und 360°-Kamera - und das oftmals von deutschen Zulieferern wie Conti oder Siemens. Und das alles wirkt bereits jetzt extrem funktionabel und auch hochwertig verarbeitet.



Wer jetzt den spitzen Bleistift rausholt und anfängt zu kalkulieren, wird sich höchstwahrscheinlich gründlich verrechnen. Der kleinere VV5 wird in China ab 150.000 Yuan verkauft, was nach derzeitigem Wechselkurs 19.000 Euro entspricht. Der größere ist mit 167.800 Yuan (rund 21.000 Euro) nur geringfügig teurer. Eine solche Preisgestaltung weckt natürlich Begehrlichkeiten, und ein Messeauftritt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA - also quasi in der Höhle des beziehungsweise der Löwen - steigert das Interesse natürlich. Vor allem dann, wenn man die weitere Kalkulation von Herrn Steingräber vor Augen hat. Nach seiner Meinung würden Anpassungen an den europäischen Markt, Transport sowie Steuern und Zoll die Autos nur um rund 10 Prozent teurer machen als im Heimatland. Für Preise unter 25.000 Euro bekäme man also ein voll ausgestattetes Fahrzeug, das dank 2-Liter-Turbobenziner mit 145 kW beziehungsweise 172 kW und 360 Nm sowie 7-Gang-Direkschaltgetriebe auch beim Antrieb angemessen auftritt.

Doch bis die Autos hierzulande erhältlich sein werden, wird noch einige Zeit vergehen, wie uns Jens Steingräber im Gespräch verraten hat. Das liegt auch daran, dass man sich beim Vertrieb ebenfalls an Audi orientiert. So mussten die bislang 150 Händler allesamt eigene Ausstellungsräume für die Marke aufbauen, um die Autos verkaufen zu dürfen. Und jetzt muss natürlich geliefert werden, damit die Produkte aus dem Showroom auch zu den Kunden kommen. Da das Händlernetz zudem kurzfristig auf 300 Stationen ausgebaut wird, während die Produktion nur langsam hochgefahren werden kann, ist an Expansion ins Ausland erst einmal nicht zu denken. Aktuell wird das Jahr 2021 für den Marktstart angepeilt. Bis dahin werden auch ein Plug-in-Hybrid sowie eines oder sogar mehrere Elektroautos serienreif sein und das Portfolio erweitern.

Meinung des Autors: Derzeit fahren europäische Hersteller in China oftmals glänzende Gewinne ein, vor allem der Premium-Bereich boomt. Doch bald könnte es mit der Herrlichkeit vorbei sein, denn die einheimischen Unternehmen lernen schnell. Und wie jetzt die neue Marke Wey zeigt, bieten sie extrem viel für ziemlich wenig Geld. Beim Thema Arbeitsbedingungen sollte man aber vielleicht nicht so genau hinsehen, denn irgendwoher muss der Preis ja kommen.
 
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