VW Multivan T6: Reise-Transporter im Fahrbericht

Diskutiere VW Multivan T6: Reise-Transporter im Fahrbericht im VW Bus T3 / T4 / T5 / T6 Forum im Bereich Volkswagen; In diesem Jahr hat Volkswagen die 6. Generation seiner T-Klasse auf den Markt gebracht. Der klassische VW Bus ist mittlerweile in den vier...
In diesem Jahr hat Volkswagen die 6. Generation seiner T-Klasse auf den Markt gebracht. Der klassische VW Bus ist mittlerweile in den vier Versionen California, Caravelle, Multivan und Transporter erhältlich. Wir hatten jetzt die Gelegenheit, die stärkste Version des Allrounders bei einer Ausfahrt zu testen


Bei der ersten Annäherung an die jüngste Neuauflage der traditionsreichen Baureihe fällt auf, wie wenig VW im Prinzip am Vorgänger geändert hat. Sämtliche Abmessungen und auch fast die komplette Silhouette wurden vom T5 übernommen, und auch bei der Raumaufteilung im Innenraum gibt es kaum Änderungen zu vermelden. Einerseits ist das gut, weil bewährt und vertraut. Andererseits ist das aber schlecht, denn somit wurden auch die Schwächen des Vorgängers teilweise übernommen. Das merkt man am stärksten beim Armaturenträger und der Gestaltung des Cockpits. Trotz diverser optischer Verfeinerungen der Multivan-Version gegenüber dem nackten Transporter strahlt dieses Cockpit immer noch hauptsächlich eines aus: "Ich bin ein Nutzfahrzeug". Die gesamte Gestaltung ist nach wie vor ausgesprochen nüchtern, da können auch lackierte Oberflächen und ein wenig Leder nichts dran ändern. Und die Sitzposition sowie die Gestaltung der Sitze wirken ebenfalls eher nach Transporter, denn nach Reisemobil. Eine gemütliche Atmosphäre will so nicht wirklich aufkommen. Hier steht der Multivan eindeutig hinter der viel wohnlicher gestalteten V-Klasse von Mercedes zurück, die nicht zwingend das (viel) teurere Auto ist.

Diese Nüchternheit, die man aber auch als "zeitlos" beschreiben kann, gehört aber zu den wenigen Schwächen des T6, der ansonsten ziemlich viel richtig macht. Zumindest in der von uns gefahrenen Top-Motorisierung mit einem 2-Liter-Turbodiesel mit 150 kW/205 PS und dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Diese Kombination sorgt für ordentliche Fahrleistungen, wobei die Automatik in fast jeder Situation den richtigen Gang findet. Wo das mal nicht der Fall ist, kann auch manuell geschaltet werden, was in unserem Testfahrzeug bequem und zuverlässig über Schaltpaddel am Lenkrad möglich gewesen ist. Solche Dinge gehören nämlich mittlerweile zu den Ausstattungsmöglichkeiten eines VW Bus, und das ist eigentlich der größte Unterschied zur vorherigen Version. Gegen Aufpreis lassen sich Extras wie abstandsabhängige Geschwindigkeitsregelanlage ACC (Tempomat), diverse Warnsysteme oder sonstige Helferlein bestellen. Zudem wird auch deutlich mehr Auswahl bei der Gestaltung geboten, sogar eine zweifarbige Retro-Lackierung in rot und weiß beim Sondermodell "Generation Six" ist möglich. Das alles hat aber seinen Preis, denn schon ohne Extras schlägt der von uns gefahrene Multivan mit knapp 54.000 Euro zu Buche.


Für dieses Geld bekommt man aber auch einiges geboten, was den eigentlichen Verwendungszweck angeht: den Transport von Menschen. Dies kann mit dem T6 ziemlich komfortabel erledigt werden. Die Sitzpostion für Fahrer und Beifahrer mag sich zwar nach Nutzfahrzeug anfühlen, ist aber - je nach Perspektive deshalb oder trotzdem - bequem und langstreckentauglich. Das gilt auch für die hinteren Sitzplätze, vor allem wenn dort bequeme Einzelsitze verbaut sind. Aber auch auf einer durchgehenden Rückbank lässt es sich durchaus längere Zeit aufhalten. Das niedrige Geräuschniveau trägt dabei zur Bequemlichkeit bei, denn selbst wenn Leistung abgerufen wird, bleibt der Motor ziemlich leise. Auch das Fahrwerk kann nur als gelungen bezeichnet werden, vor allem dann, wenn die bei einigen Ausstattungsvarianten sogar serienmäßige adaptive Fahrwerksregelung DCC mit an Bord ist. Damit kann das Fahrwerk in drei verschiedene Stufen gesetzt werden, die die Bandbreite zwischen Komfort und Sportlichkeit abdecken. Die Spreizung des Systems könnte aber vielleicht etwas größer sein, jeweils eine Ebene ober- und unterhalb der jetzt möglichen Einstellungen wäre durchaus eine feine Sache. In jedem Fall lässt es sich im Multivan auch auf langen Etappen gut aushalten.

Fazit: Der neue T6 ist besser als sein Vorgänger, aber wer Riesensprünge erwartet, dürfte etwas enttäuscht werden. In vielen Punkten gleichen sich die 6. Generation und ihr Vorgänger wie ein Ei dem anderen. Doch der Fortschritt liegt im Detail, und im Zusammenspiel wurde dafür gesorgt, dass der neue VW Bus einen Schritt nach vorne gemacht hat. Das gilt zumindest bei den Punkten Fahrverhalten und Komfort sowie der möglichen Ausstattung. Was den Wohlfühl-Faktor angeht, gibt es erschreckend wenig positives zu berichten. Hier hat die konkurrierende V-Klasse die Nase deutlich vorne, denn diese bietet einfach das wohnlichere Cockpit, das eher nach PKW als nach Lastwagen aussieht. Dabei spielt VW mit dem T6 preislich durchaus auf Augenhöhe mit Mercedes - oder ist es umgekehrt? In jedem Fall sollten beide Autos vor der Anschaffung genau verglichen werden, denn für so manch einen könnte der Bus mit dem Stern am Ende die bessere (und vielleicht sogar günstigere) Alternative sein.

Meinung des Autors: Einen VW Bus zu fahren, ist schon lange kein preiswertes Vergnügen mehr. Daran hat sich beim T6 nichts geändert, eher im Gegenteil: die vielen neuen Ausstattungsmöglichkeiten treiben die Preise in die Höhe, in der Business-Version sind problemlos sechsstellige Beträge möglich. Aber für das Geld sieht der aktuelle Multivan innen einfach zu sehr nach Transporter aus.
 
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