VW Golf GTE: Fahrbericht des ersten Plug-in-Hybrid von Volkswagen

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geronimo

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Über zwei Jahre nach dem ersten Plug-in-Hybrid des Toyota Prius kontert VW mit einem eigenen Angebot. Der neue Golf GTE vereint dabei die bekannten Qualitäten des Wolfsburger Klassikers mit modernster Energiespar-Technologie. Auf einer längeren Testfahrt haben wir die Vor- und Nachteile des kompakten Autos angesehen, in dem ein Benzin- und ein Elektromotor Hand in Hand arbeiten


Der Vorteil eines Plug-in-Hybrids liegt darin, dass die im Fahrzeug verbauten Akkus vor Fahrtantritt aufgeladen werden können. Das ermöglicht bereits beim Start eine vergleichsweise große elektrische Reichweite, im Fall des seit letztem Freitag erhältlichen Golf GTE sind das theoretisch 50 km. Unser Testfahrzeug war bereits entsprechend vorbereitet, weswegen direkt ab dem Start ohne zusätzliche Unterstützung des ebenfalls vorhandenen 1,4 Liter großen TSI-Motor mit 110 kW/150 PS gefahren werden konnte. Bevor wir starteten, mussten natürlich erst einmal die allgemeinen Qualitäten des Fahrzeugs untersucht werden. Dabei wird eines ganz schnell klar: ein Golf ist ein Golf. Die Verarbeitung ist auf gewohnt hohem Niveau, die Bedienung ist trotz der zusätzlichen Technik größtenteils selbsterklärend und die optimale Sitzposition ist schnell gefunden. Der Innenraum unterscheidet sich optisch ein wenig von den üblichen Modellen, zumindest was die an vielen Stellen wie den Sitzen, dem Lenkrad oder dem Schaltsack vorhandenen blauen Ziernähte angeht.

Der Blick auf den linken Teil des Kombiinstruments hinter dem Lenkrad verdeutlicht schnell, dass sich der GTE von seinen Brüdern unterscheidet. Der Drehzahlmesser für den Benzinmotor fällt sehr klein aus, dafür gibt es eine große analoge Anzeige, die darüber informiert, ob Energie aus dem Akku entnommen oder zurückgeführt wird. Auch der kleine Monitor zwischen dieser Anzeige und dem Tacho unterscheidet sich bezüglich der Anzeigen von denen seiner "gewöhnlichen" Brüder, denn dort ist unter anderem die elektrische Restreichweite erkennbar. Wer über diese Informationen hinaus noch zusätzliche Daten sehen will, wird im großen Display des Radios fündig. Dort wird beispielsweise der Energiefluss grafisch dargestellt, zudem gibt es noch weitere Informationen zu Verbrauch und dem Anteil an der Gesamtstrecke, der elektrisch zurückgelegt wurde.


Jetzt war es aber an der Zeit, endlich auf die Straße zu kommen. Beim Start des Golf GTE herrscht systembedingt absolute Ruhe, lediglich ein kurzes 'Ping' und ein grün aufleuchtendes 'Ready' im Kombiinstrument informiert darüber, dass der Wagen fahrbereit ist. Im serienmäßigen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe wird die Fahrstufe D gewählt und schon geht es los. Und das im elektrischen Betrieb natürlich nahezu lautlos. Dank einer Leistung des Elektromotors von 75 kW/102 PS, die direkt ab der ersten Sekunde verfügbar ist, geht das auch erstaunlich zügig. Über einen Taster neben dem Schalthebel oder über die Steuerung im Radio lässt sich dabei festlegen, ob tatsächlich nur rein elektrisch, im Kombibetrieb oder nur mit dem Benzinmotor gefahren wird. Das haben wir auch genutzt und uns erst einmal für den Elektroantrieb entschieden. Auf der Autobahn ist das bis 130 km/h möglich, doch dann nimmt die Restreichweite natürlich rapide ab. Per Kickdown lässt sich trotz der Voreinstellung aber stets der Benzinmotor hinzuschalten. Dabei wird aber direkt ein Nachteil des Golf GTE deutlich, denn bei vollem Leistungsabruf vergeht eine Gedenksekunde, bis der Befehl des Gaspedals auch wirklich umgesetzt wird.

Dabei ist es egal, ob der Benziner erst gestartet werden muss oder schon läuft, es dauert immer eine gefühlte Ewigkeit, bis wirklich was passiert. Letzteres haben wir natürlich auch getestet, da wir nach wenigen Kilometern auf den Kombibetrieb beider Motoren umgeschaltet haben. Dann entscheidet der GTE je nach Fahrsituation und benötigter Leistung, wie stark welcher Motor zum Einsatz kommt. Das funktioniert auch völlig problemlos, allerdings wirkt der Einsatz des Benzinmotor bereits nach kurzer elektrischer Fahrt ungewohnt laut. Lauter als ein normaler Golf wird es aber nicht, auch wenn es einem wegen der vorherigen Stille so vorkommt. Nach einigen Kilometern auf der Autobahn ging es auf kurvige Straßen, und auch hier ist der Golf GTE gewohnt gut. Allerdings von einer Ausnahme abgesehen, denn das höhere Gewicht fordert seinen Tribut. Der Elektromotor ist im Motorraum eingebaut und erhöht das Gewicht auf der Vorderachse, weswegen der GTE in schnellen Kurven früher über die Vorderräder schiebt als die konventionellen Modelle. Dieses ganz leichte Übersteuern ist aber dank des guten Fahrwerks jederzeit gut beherrschbar.


Die Elektrotechnik hat noch einen weiteren Nachteil, denn durch die im Heck verbauten Akkus schrumpft das Kofferraumvolumen gehörig. Die zusätzlichen Batterien nehmen so viel Platz weg, als wäre ein variabler Ladeboden eingebaut. Nur dass darunter, abgesehen von zwei kleinen Ablagefächern für Verbandskasten und Warndreieck sowie das Reifenpannenset kein weiterer Platz vorhanden ist. Das ist, neben dem extrem hohen Grundpreis von 36.900 Euro, der Tribut, den man für die Energiespartechnik zu entrichten hat. Doch zurück zu den Erfahrungen auf der Landstraße, denn hier kann der Golf GTE bei der Bedienung mit einer Besonderheit aufwarten. Wie bereits beim vom uns getesteten VW e-up! mit reinem Elektroantrieb lässt sich über den Schalthebel die Motorbremse durch den Elektromotor aktivieren. Dabei wird der Widerstand des E-Antriebs deutlich erhöht, um stärker abzubremsen und gleichzeitig mehr Energie in den Akku zu leiten. Das ist beispielsweise bei Bergabfahrten praktisch oder beim Zurollen auf Ampeln.


Man gewöhnt sich sehr schnell an diese Form des Bremsens und sollte diese auch nach Möglichkeit nutzen. Andernfalls wird nämlich dann, wenn man den Fuß vom Gas nimmt, quasi ausgekuppelt und ohne Widerstand gefahren und auch kaum Energie zurückgewonnen. Dieses sogenannte Segeln wird inzwischen auch von herkömmlichen Fahrzeugen genutzt und konnte uns unter anderem im ebenfalls getesteten Porsche 911 Targa begeistern. Wer situationsbedingt weniger Motorbremse benötigt, kann auch die Schaltwippen am Lenkrad benutzen, um einen höheren Gang zu wählen. Das funktioniert genauso, wie man es von den herkömmlichen Fahrzeugen her kennt.

Nach rund 65 km durch die Stadt sowie über Landstraßen und Autobahnen stellt sich natürlich die Frage: was bringt der Plug-in-Hybrid für Vorteile beim Verbrauch. Das lässt sich ziemlich klar beantworten, und zwar mit einem einfachen ziemlich viel. Zumindest dann, wenn man die Vorzüge des Systems optimal nutzt. Das haben wir auf der Rückfahrt getan und auf den letzten 15 Kilometern wieder auf reinen Elektrobetrieb umgeschaltet. So konnten wir die vorhandene Restreichweite optimal ausnutzen und ohne zusätzlichen Benzinverbrauch unser Ziel erreichen. Durch diese Taktik konnten wir einen Verbrauch von gerade einmal 4,1 Litern auf 100 km erzielen. Und das, obwohl wir zwischendrin auch mal richtig ordentlich Gas gegeben haben, denn dank einer Systemleistung von 204 PS geht der Golf GTE bei Bedarf nämlich ab wie die sprichwörtliche Katze der Familie Schmidt. Und wer dabei auch noch einen entsprechenden Klang haben will, kann über eine weitere Taste neben dem Schalthebel einen Soundgenerator zuschalten. Über die Sinnhaftigkeit dieser Funktion lässt sich allerdings nicht nur in diesem Auto lange und kontrovers diskutieren.

Aber noch einmal zurück zum Verbrauch: die niedrigen 4,1 Liter sind, wie erwartet, meilenweit vom angegeben Normverbrauch von 1,5 Litern Benzin auf 100 km entfernt. Und zudem darf nicht vergessen werden, dass der Strom für die vorherige Aufladung keinesfalls zum Nulltarif zu bekommen ist. Doch insgesamt liegt der Verbrauch auf dem Niveau eines Diesel-Fahrzeugs und deutlich unter dem, den ein vergleichbar starker Benzinmotor abliefert. In Anbetracht des hohen Einstandspreises wird man aber schon sehr viele Kilometer fahren müssen, damit sich die Anschaffung rechnet. So gelungen der Golf GTE auch sein mag, unter Berücksichtigung des Preis-/Leistungsverhältnisses ist das Fahrzeug eher etwas für Enthusiasten. Oder für gewerbliche Kunden, die mit hohen Rabatten subventioniert werden und die die Kosten zudem steuerlich absetzen können. Diese dürfen sich aber auf jeden Fall über ein ausgereiftes Auto freuen, dass neben einem guten Gewissen auch noch jede Menge Fahrspaß mit sich bringt.

(Wir bedanken uns beim Autohaus Fleischhauer in Bonn für die Bereitstellung des Golf GTE)
 
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