Toyota Mirai: Langstrecken-Test des Wasserstoff-Autos mit Brennstoffzelle - Teil 2

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geronimo

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Derzeit haben wir die Gelegenheit, eines der futuristischsten Autos auf Deutschlands Straßen einem ausführlichen Test zu unterziehen. Aufgrund technischer Probleme am Testfahrzeug läuft dabei leider nicht alles ganz rund. Die für das lange Wochenende geplante lange Fahrt wurde schließlich zum Fiasko - wofür aber nicht nur der Toyota Mirai verantwortlich ist


Das uns zur Verfügung gestellte Wasserstoff-Fahrzeug mit E-Kennzeichen lässt sich nicht vollständig Betanken, weshalb statt der eigentlich möglichen 4kg Wasserstoff oder sogar mehr nur etwas über 3 kg eingefüllt werden. Wie wir in Teil 1 unseres Tests erklärt haben, könnte dadurch auf der Fahrt nach Süden ein Reichweitenproblem entstehen. Die Schlussetappe sollte beziehungsweise musste von der Tankstelle in Offenbach über einen Zwischenstopp nach Nürnberg gehen, was laut Routenplaner eine Fahrstrecke von 305 km bedeutet. Angesichts angezeigter 330 km Reichweite nach dem Tanken eine Herausforderung. Im Spritsparmodus sollte daher geklärt werden, ob die Distanz trotzdem zu schaffen ist.

Und das, was sich nach dem letzten Tanken auf der Strecke von Wuppertal zum ersten Zielort bereits andeutete, setzte sich bei der Fahrt auf der A3 fort. Bei Tempomat auf maximal 110 km/, was realen106 bis 107 km/h entspricht, und der Einhaltung aller darunter liegenden Tempolimits konnte bis Offenbach ein Verbrauch von 0,9 kg pro 100 km gehalten werden. Laut Bordcomputer hatte sich die insgesamt mögliche Fahrstrecke auf 380 km erhöht, was reichlich Reserven ohne Angst für die Tour geboten hätte. Im Gegenteil, das hätte sogar Spaß gemacht, denn der Mirai ist vor allem wegen seiner Ruhe ein angenehmes Auto, denn so leise und gleichzeitig so "zügig" ist man sonst allenfalls in der Verbrenner-Oberklasse oder bei Tesla unterwegs. Hier kann der Elektromotor in vielen Situationen seine Vorteile ausspielen.

Vortrieb ist aus dem Stand und bei jeder Geschwindigkeit gewährleistet, und jeder Tritt aufs Gaspedal wird sofort in Vortrieb umgesetzt. Im Power-Modus geht das etwas direkter als in der Standard-Stellung, und im Eco-Modus ist man mit gebremstem Schaum unterwegs. Letzterer wurde auf dem Weg Richtung Frankfurt aktiviert, weil bei 22° Außentemperatur die Klimaanlage nicht auf Höchsttouren laufen muss, und weil bei einer gewählten Höchstgeschwindigkeit von etwa 105 km/h die Dynamik beim Zwischenspurt nach einer Baustelle o.ä. ohnehin zu vernachlässigen ist. Doch egal welche Geschwindigkeit, der Mirai ist immer extrem leise. Lediglich ein ganz feines elektrisches Sirren ist manchmal zu vernehmen, das aber zumeist vom Abrollgeräusch der Reifen oder natürlich Musik und ähnlichem übertönt wird. Hinzukommt dass die vorderen Sitze ziemlich bequem sind, und trotzdem auf langen Strecken nicht den Rücken malträtieren.

Getrübt wird das alles aber durch ein sehr schwammiges Fahrverhalten. In mittelschnellen Kurven, etwa an manchem Autobahndreieck oder -kreuz, fällt das durch Aufschaukeln und mangelnde Spurtreue auf. Auch auf längeren, teilweise zügigen "Geradeausfahrten" auf der Autobahn zeigte sich das Fahrwerk des Mirai eher etwas zu nachgiebig. Das ist einerseits natürlich komfortabel, führt andererseits aber auch zu gelegentlichem Aufschaukeln, das weder die Bequemlichkeit noch die Fahrbarkeit fördert. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die Lenkung im Prinzip keine Rückmeldung über den aktuellen Fahrzustand liefert. Insgesamt kann der Mirai die US-amerikanischen Gene des Basisfahrzeugs Camry nicht verbergen. Und auf Landstraßen tut das hohe Gewicht von 1.850 kg - ein vergleichbar großer VW Passat kann über 400 kg weniger wiegen - sein übriges zur verbesserungswürdigen Straßenlage dazu. Und leider bleibt das Fahrwerk dabei auch nicht immer ganz stumm, denn gelegentlich trübt gut hörbares Poltern, das vor allem auf kurzen Unebenheiten wie Schwellen zu vernehmen ist, die ansonsten angenehme Stille.

Anmerkung, 12.06.2017: Toyota hat uns mitgeteilt, dass der Mirai lediglich die Batterie vom Camry übernommen hat. Das restliche Fahrzeug ist eine komplette Neuentwicklung, bei der keine vorhandene Plattform eines bereits verfügbaren Modell verwendet wurde.










Doch all diese Betrachtungen spielten bei der Ankunft in Offenbach keine Rolle mehr. Die dortige Zapfsäule vor der Deutschland-Zentrale von Hyundai wurde bis vorgestern Nachmittag mit dem Zusatz "bis 24.05.2017 nur Teilbetankungen möglich" auf der Homepage des zuständigen Clean Energy Partnership (CEP) geführt, danach aber wieder als funktionierend angezeigt. Vor Ort sah das aber anders aus: nach der Freischaltung durch die Tankkarte wurde im Display der Hinweistext angezeigt, dass das Tanken auf 100 Prozent in ein paar Minuten wieder möglich wäre, bis dahin aber dennoch getankt werden könne. Beim anschließenden Tankvorgang wurde nach der Systemüberprüfung eine erwartete Befüllung von 95 Prozent angezeigt, doch bereits bei etwas über 70 Prozent wurde der Tankvorgang beendet (Siehe Fotostrecke oben). Insgesamt waren gerade einmal 1,45 kg Wasserstoff eingefüllt worden. Mehrere weitere Tankversuche sorgten für weitere 0,1 kg, was zusammen mit der vorhandenen Restmenge eine Gesamtreichweite laut Anzeige von rund 250 km ergeben würde. Mit etwas sparen ließen sich auch 300 oder sogar etwas mehr km daraus machen, doch das Risiko der Weiterfahrt angesichts der zu erwartenden über 300 km wäre untragbar gewesen.

Ein Gespräch mit der Hotline brachte immerhin ein wenig Licht ins Dunkel. Dem Mitarbeiter lag zwar eine Störungsmeldung vor, doch einen Bericht zur Beseitigung konnte er nicht finden, und daran würde sich am gestrigen Feiertag natürlich auch nichts mehr ändern. Doch offenbar hatte ein Automatismus bei der Fehlermeldung (Ablaufdatum 24.05.) dafür gesorgt, dass der Status auf der Internetseite dennoch auf "bereit" gegangen ist (und so trotz meiner Fehlermeldung auch den ganzen gestrigen Tag geblieben ist). Und dass unser Testfahrzeug, zusammen mit dem ohnehin verringerten Tankvolumen, deswegen jetzt ohne Vorwarnung gerade einmal soviel Wasserstoff an Bord hatte, dass immerhin die Rückfahrt zur Tankstelle in Düsseldorf bei nicht allzu schneller Fahrt gewährleistet war. Und dorthin ging die nächste Etappe, denn ein Zwischentanken in Limburg war nicht möglich, da die vor rund 3 Wochen eröffnete Station bereits seit Mittwoch Nachmittag als nicht verfügbar geführt wird.

Aufgrund des Abbruchs muss leider der Test des russischen Retro-Coupés Bilenkin Vintage auf BMW-Basis vorerst ausfallen, der für heute in und um Nürnberg geplant war. Beim Deutschland-Vertreter des Unternehmens bedanken wir uns für die Kooperation im Vorfeld, und entschuldigen uns noch einmal für die Unannehmlichkeiten, die durch die kurzfristige Absage entstanden sind.

Update, 29.05.2017 14:53 Uhr: Inzwischen ist auch Teil 3 unseres Tests veröffentlicht worden.

Meinung des Autors: Dass eine Langstrecken-Tour mit einem Wasserstoff-Auto spannend wird, war vor dem Test klar. Doch dass es in ein solches "Abenteuer" ohne happy end ausartet, war nicht zu erwarten gewesen. Am Ende muss man schon froh sein, dass die Rückfahrt im Toyota Mirai stattfand, und nicht mit der Bahn.
 
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