Toyota Mirai: Langstrecken-Test des Wasserstoff-Autos mit Brennstoffzelle - Teil 1 - UPDATE

Diskutiere Toyota Mirai: Langstrecken-Test des Wasserstoff-Autos mit Brennstoffzelle - Teil 1 - UPDATE im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; 22.05.2017, 14:22 Uhr: Toyota ist ein Pionier beim Hybrid-Antrieb, bei dem ein herkömmlicher Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor samt Akku...
22.05.2017, 14:22 Uhr:
Toyota ist ein Pionier beim Hybrid-Antrieb, bei dem ein herkömmlicher Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor samt Akku kombiniert wird. Doch seit rund eineinhalb Jahren gibt es eine Alternative, bei der kein Benzin verbrannt, sondern Wasserstoff in Energie umgewandelt wird. Die sogenannte Brennstoffzelle bieten die Japaner erstmals im futuristisch wirkenden Mirai an - den wir aktuell ausführlich testen


Design außen und innen:

Der Toyota Mirai ist nicht nur eines der ungewöhnlichsten Autos auf Deutschlands Straßen, sondern auch eines der seltensten. Insofern dreht sich schon der ein oder andere Passant um, und auch aus manchen Autos heraus gibt es den einen oder anderen längeren Blick inklusive gezücktem Smartphone. Auf der anderen Seite fällt er aber oftmals nur Kennern auf, ganz so spektakulär wie ein Tesla oder gar der extreme BMW i8 ist der Mirai dann eben doch nicht. An der Front fallen die schmalen Scheinwerfer mit Voll-LED-Technik auf, vor allem aber die beiden riesigen Kühlöffnungen vor den Vorderrädern. Diese sind aber keine Show-Elemente, sondern tatsächlich den beiden riesigen Kühlern geschuldet, die dabei helfen, dass die Systemtemperatur der Brennstoffzelle 60° Celsius nicht übersteigt.

LED-Technik gibt es auch bei den großen Rücklichtern. Doch die eigentliche Überraschung am Heck verbirgt sich unter dem Kofferraumdeckel, denn dort schlummern bescheidene 361 Liter Volumen. Erstaunlich wenig, wenn man es beispielsweise mit einem ähnlich geschnittenen VW Passat vergleicht, der rund 10 cm kürzer ist, aber 225 Liter mehr Stauraum bietet. Schuld daran ist der größere der beiden Wasserstofftanks, der hinter der eigentlichen Rückbank montiert ist und somit wertvolle Ladekapazität beansprucht. Ein zweiter, etwas kleinerer Tank befindet sich unter der Rückbank. Die eigentliche Brennstoffzelle befindet sich unter den vorderen Sitzen, während unter der Motorhaube der Elektromotor, Teile der Elektrik, Steuergeräte, Flüssigkeitsbehälter und auch Bauteile der Klimaanlage untergebracht sind. Diese Anordnung hat im Innenraum aber kaum Auswirkungen auf die Platzverhältnisse, wobei man von einem Fahrzeug mit knapp unter 5 m Länge vielleicht etwas mehr Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen erwarten könnte.

Bedienung:

Ungewöhnlich geht es auch im Innenraum zu, wobei vieles bereits aus dem Prius und anderen Hybrid-Fahrzeugen von Toyota bekannt ist. Das Bedienkonzept ist aufgrund doppelter Anzeigen (im Cockpit sowie auf dem Monitor in der Mittelkonsole) und manch umständlichen Weg etwas gewöhnungsbedürftig, und auch nicht jede der zahlreichen Systeminformationen erschließt sich auf den ersten oder auch zweiten Blick. Insgesamt hat man sich aber recht schnell eingelebt und erfreut sich dann an Dingen wie dem automatisch nach hinten fahrenden Lenkrad, das den Ausstieg erleichtert. Das Highlight im Inneren ist aber die Ruhe, die der Mirai ausstrahlt. Doch dazu im Verlauf der folgenden Berichte etwas mehr.

Probleme:

Denn zuerst einmal gibt es nicht ganz so positives zu berichten. Das hat sich bereits vergangene Woche angedeutet, als die in Deutschland fällige Einweisung zum Tanken von Wasserstoff erfolgt ist. Dabei konnte der ziemlich leer gefahrene Wagen nur mit 3,4 kg Wasserstoff betankt werden, obwohl theoretisch (deutlich) über 4 kg in die beiden Druckbehälter gepasst hätten. Als Ursache wurde ein Defekt an der recht neuen Zapfstelle in Wuppertal vermutet, die mit 700 bar arbeitet, was in etwa der 300fache Druck eines Autoreifens ist. Doch möglicherweise liegt das Problem eher beim Testfahrzeug, denn bei einer erneuten Betankung am gestrigen Abend - dieses Mal in Düsseldorf - wurden bei knapp 40 km Restreichweite nur 3,3 kg eingefüllt. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 1,1 kg Wasserstoff pro 100 km beträgt die Reichweite demnach gerade einmal 300 km plus eine Reserve im Tank, die weitere 50 bis 70 km ermöglicht. Das sind rund 100 km weniger, als möglich wären.

Für unseren Test hat das unangenehme Folgen, denn die geplante Route wird zu einer echten Geduldsprobe. Da die Wasserstoff-Tankmöglichkeit am bekannten Autohof Geiselwind Ende April umgefahren wurde und erst in den kommenden Wochen wieder in Betrieb geht, wird eine Etappe fast auf die aktuell mögliche Reichweite kommen - hier ist dann ganz sicher stellenweise "Schleichfahrt" angesagt und am Ende dürfte es feuchte Hände geben. Wobei aber noch die Hoffnung besteht, dass es an der nächsten Zapfsäule (vor der Deutschland-Zentrale von Hyundai, deren Mitarbeiter und Kunden dort den von uns auch bereits gefahrenen iX35 Fuel Cell betanken können) wieder ohne Probleme funktioniert.

Update, 24.05.2017, 13:40 Uhr: Gestern Abend wurde noch einmal ein Tankstopp in Wuppertal eingelegt. Dieser diente dazu, das Tankverhalten des Testfahrzeugs bei nicht ganz so leerenm Tanks zu überprüfen. Die Restreichweite betrug rund 150 km. Doch nachgetankt wurden leider nur 2,2 kg Wasserstoff. Mit anderen Worten: die Tanks werden schlicht nicht vollständig gefüllt, weshalb die theoretische Reichweite nach dem Tanken wieder nur mit etwas über 330 km angegeben wurde. Das ist, wie bereits erwähnt, durchaus ein Problem, denn der geplante Abschnitt von der Tankstelle in Offenbach über einen Zwischenstopp in Schweinfurt zur Zapfsäule in Nürnberg ist laut Routenplaner 305 km lang.

Um zu überprüfen, ob der Fahrtantritt dennoch möglich ist, habe ich das Sparprogramm getestet. Das bedeutet bei freier Strecke maximal Tempo 110, und natürlich die strikte Einhaltung von Tempolimits in Baustellen. Allerdings muss man dazu sagen, dass das Streckenprofil dabei extrem günstig ausgefallen ist, denn von Wuppertal bis Leverkusen ging es fast nur bergab, und zudem sorgten zahlreiche der erwähnten Baustellen auf diesem Abschnitt und dem weiteren Weg oftmals für eine zwangsweise langsam Fahrt. Nach rund 90 km am Zielort angekommen, wurde ein Verbrauch von 0,9 kg/100 km angezeigt. Die gesamte theoretische Reichweite mit dieser Tankfüllung hatte sich dadurch auf fast 370 km erhöht. Das würde natürlich, zusammen mit weiteren Einsparungen, locker reichen, um die Tour zu absolvieren.

Die große Frage ist jetzt natürlich, ob sich dieses Niveau auch auf der A3 vom Siebengebirge Richtung Süden halten lässt. Dies werde ich bis zum nächsten Tankstopp in der Nähe von Frankfurt durch weitere Langsamfahrt überprüfen. Je nachdem wie günstig oder ungünstig das Ergebnis ausfällt, entscheide ich spontan, ob ich die erwähnte Etappe antreten werde oder nicht. Mehr dazu dann morgen oder am Freitag.

Update, 26.05.2017, 15:23 Uhr: Der 2. Teil unseres Testberichts wurde jetzt veröffentlicht.

Update, 29.05.2017 14:53 Uhr: Inzwischen ist auch Teil 3 unseres Tests veröffentlicht worden.

Meinung des Autors: So, die ersten Kilometer sind abgespult. Bislang ist der Toyota Mirai mit Brennstoffzelle ein angenehmer Begleiter. Damit das auch auf der anstehenden langen Etappe Richtung Süden so bleibt, sollten die Probleme an der Wasserstoff-Tankstelle aber besser aufhören. Weitere Berichte folgen.
 
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