Tempolimit 'bei Nässe': wann es 'nass' auf Autobahn und Landstraße ist

Diskutiere Tempolimit 'bei Nässe': wann es 'nass' auf Autobahn und Landstraße ist im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; An vielen Fernstraßen gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen, die mit dem Zusatzschild 'bei Nässe' versehen sind. Die Regelungen dazu kennt aber...
An vielen Fernstraßen gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen, die mit dem Zusatzschild 'bei Nässe' versehen sind. Die Regelungen dazu kennt aber längst nicht jeder Autofahrer, weswegen wir nachfolgend erklären, was mit dem Begriff eigentlich gemeint ist


Es ist immer wieder erstaunlich, dass viele Dinge im Straßenverkehr nicht wirklich klar geregelt sind oder durch äußerst schwammige Formulierungen definiert werden. Zu letzterer Kategorie zählt auf den ersten Blick auch ein Tempolimit, bei dem ein "Zusatzzeichen zum Zeichen 274" auf die Beschränkung bei Nässe hinweist. In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist nämlich lediglich definiert, dass es verboten ist "bei nasser Fahrbahn die angegebene Geschwindigkeit zu überschreiten". Was jedoch eine nasse Fahrbahn ist, ist im Gesetzestext nicht näher erläutert.

Im Volksmund gibt es daher viele geläufige Definitionen, wann das Tempolimit angeblich gilt. Und zumeist wird dabei zugunsten der Autofahrer ausgelegt. So wird beispielsweise die Meinung vertreten, dass "Nässe" dann vorliegt, wenn vorausfahrende Fahrzeuge erkennbare Spuren auf der feuchten Oberfläche hinterlassen. Oder sogar erst dann, wenn keine sichtbaren Spuren bleiben, weil diese durch nachlaufendes Wasser schnell verdeckt werden. Wieder andere machen Nässe an Gischt fest, die von den Reifen hochgewirbelt wird.

Doch all das wäre zu spät für eine Geschwindigkeitsreduzierung, wie der Bundesgerichtshof bereits 1977 festgelegt hat (Aktenzeichen: 4 StR 560/77). Denn in seinen Augen ist eine Straße bereits dann nass ist, wenn die Fahrbahn "insgesamt mit einem Wasserfilm überzogen" ist. Und zwar unabhängig davon, wie dick (oder dünn) dieser Film ist. Entscheidend dabei ist die geschlossene Wasseroberfläche an allen Stellen der Fahrbahn. Im Umkehrschluss heißt das aber auch:
schon kleine noch trockene oder bereits abgetrocknete Stellen, oder lediglich einzelne Pfützen sowie nur in Spurrillen stehendes Wasser reichen nicht aus, damit eine Straße als nass gilt.

Die Schilder sollten übrigens gut beachtet werden, denn zumeist werden sie an Stellen aufgestellt, an denen es tatsächlich bei Nässe gefährlich werden kann. Beispielsweise auf kurvigen Straßen, wo die Strecke zwischen den Kurven keine Neigung hat und Wasser nicht ablaufen kann. Oder wo die Asphaltdecke so feinporig ist, dass ebenfalls Wasser stehen bleibt. Oder im Bereich von Betrieben, wo Nässe den Dreck auf der Fahrbahn in eine gefährliche Rutschbahn verwandeln kann.

Meinung des Autors: Eigentlich sollte man meinen, dass im deutschen Straßenverkehr alles, aber auch wirklich alles per Gesetz geregelt ist. Wer aber genauer hinschaut, entdeckt erstaunliche Lücken. Eine solche gibt es beispielsweise beim begriff "Nässe" - und trotzdem ist klar geregelt, wann eine Straße nass ist. Dabei fällt die Definition anders aus, als viele glauben.
 
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