Takata Airbags: weiterer Rückruf von Millionen Autos - auch in Deutschland? - UPDATE III

Diskutiere Takata Airbags: weiterer Rückruf von Millionen Autos - auch in Deutschland? - UPDATE III im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; 04.05.2016, 14:16 Uhr: In den USA wurden bislang rund 24 Millionen Autos wegen potenziell gefährlichen Airbags eines japanischen Zulieferers in...
04.05.2016, 14:16 Uhr:
In den USA wurden bislang rund 24 Millionen Autos wegen potenziell gefährlichen Airbags eines japanischen Zulieferers in die Werkstätten gerufen. Laut einem aktuellen Bericht könnte sich in Kürze die Anzahl betroffener Fahrzeuge weit mehr als verdoppeln. Das wirft auch die Frage auf, ob es auch in Deutschland einen massenhaften Austausch der möglicherweise schädlichen Lebensretter kommt



Wir haben bereits mehrfach darüber berichtet, dass zahlreiche Fahrzeuge zur Nachbesserung einberufen wurden, sofern in diesen Airbags von Takata aus Japan verbaut wurden. Diese können unter Umständen unkontrolliert explodieren, wobei Teile in den Innenraum geschleudert werden. Dieser Fehler soll für über zehn Todesfälle und zahlreiche Verletzte verantwortlich sein. Ein Großteil der beanstandeten Luftsäcke ist in Fahrzeugen amerikanischer und japanischer Hersteller eingebaut. Doch auch deutsche Produzenten sind betroffen, die in den USA zuständige Aufsichtsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) nennt Audi, BMW, Daimler Trucks und Vans (Sprinter), Mercedes und Volkswagen. Nach derzeitigem Stand wurden rund 28,8 Millionen Airbags in etwa 24 Millionen Fahrzeugen als potenziell betroffen ermittelt, wobei ausdrücklich eine weitere Erhöhung nicht ausgeschlossen wurde.

Diese scheint es jetzt zu geben, und das gleich in enormer Stückzahl. Laut einem Bericht des Wall Street Journal könnte die Rückrufaktion noch in dieser Woche um mindestens 35 Millionen zusätzliche Autos erweitert werden. Darunter werden sich, wie bereits bei der letzten Ausweitung im Februar, auch wieder Autos aus Deutschland befinden. Doch mit Rückrufen außerhalb der USA sind die Hersteller oftmals deutlich zurückhaltender. Wirklich konkrete Aktionen sind so gut wie nicht bekannt, oftmals findet ein eventueller Austausch im Rahmen einer Serviceaktion wie einer fälligen Inspektion statt. Das Problem: die betroffenen Fahrzeuge sind teilweise bis zu 15 Jahre alt und werden oftmals nur noch selten oder gar nicht in einer Vertragswerkstatt gewartet oder repariert. Bei diesen Fahrzeugen gibt es dann einfach keinen Austausch, hier müssen die Fahrzeugbesitzer mit den eventuell gefährlichen Airbags leben.

In welchen Fahrzeugen das der Fall ist, lässt sich auf der Homepage der NHTSA nachlesen.

Update, 06.05.2016, 11:05 Uhr: Die NHTSA hat jetzt offizielle Zahlen genannt. Demnach sind 35 bis 40 Millionen weitere Airbags (nicht Fahrzeuge) betroffen. Für diese soll der Austausch zwischen Mai 2016 und Dezember 2019 erfolgen. Diese Angaben gelten aber tatsächlich nur für die USA, wo die entsprechende Behörde in Sicherheitsfragen gewaltigen Druck auf die Fahrzeughersteller und ihre Zulieferer ausübt.

In anderen Ländern sieht das (leider) ganz anders aus, und darauf berufen sich die Hersteller auch. Ein Unternehmenssprecher von Mercedes hat uns dazu ganz klar erklärt, dass der Austausch außerhalb der USA nicht erfolgt, weil dort "andere rechtliche Rahmenbedingungen herrschen". Mit anderen Worten: ein Rückruf erfolgt nur dann, wenn man von den lokalen Behörden - in Deutschland das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) - dazu aufgefordert und verpflichtet wird. Freiwillig wird diese durchaus teure Aktion nicht durchgeführt. Zudem sehe man zumindest bei Mercedes die Notwendigkeit nicht, denn schließlich seien die bislang bekannten Vorfälle nicht in Fahrzeugen der Marke aufgetreten - was eine durchaus zynische Argumentation ist, denn das dürfte eher Zufall sein.

Update, 30.05.2016, 13:56 Uhr: Der Rückruf in den USA wird noch einmal erweitert, zusätzlich müssen weitere 12 Millionen Fahrzeuge nachgebessert werden Auch in Japan haben die Behörden den Werkstattbesuch zahlreicher weiterer Autos angeordnet, insgesamt müssen dort 7 Millionen Fahrzeuge einen neuen Airbag bekommen. In Deutschland beziehungsweise Europa ist weiterhin keine freiwillige oder gar behördlich angeordnete Rückrufaktion in Sicht.

Für Takata sind die finanziellen Auswirkungen inzwischen so gewaltig, dass das Unternehmen laut einem Bericht des Wirtschaftsdienstes Bloomberg eine US-amerikanische Investmentbank mit der Suche nach einem Käufer beauftragt hat. Laut Insiderangaben soll sich der Finanzinvestor KKR bereiterklärt haben, 60 Prozent der Anteile zu übernehmen. Eine Bestätigung dazu liegt allerdings noch nicht vor.

Update, 02.06.2016, 15:08 Uhr: Während die deutschen Hersteller in Europa Däumchen drehen und die Airbag-Problematik weitgehend ignorieren, werden jetzt zwei japanische Hersteller tätig. Bei Mazda werden laut einem Bericht von kfz-online über 600.000 zurückgerufen, davon alleine 136.000 in Deutschland. Bei Honda fällt der Rückruf mit rund 787.000 Fahrzeugen noch größer aus, in Deutschland sind allerdings "nur" knapp 126.000 Einheiten betroffen. Bei Mazda erfolgt der Austausch seit April in mehreren Phasen, bei Honda startet die Aktion wegen fehlender Ersatzteile frühestens im August.

Meinung des Autors: Der japanische Zulieferer Takata millionenfach gefährliche Airbags geliefert. Der entsprechende Rückruf umfasste bislang 24 Millionen Auto, jetzt könnte sich die Anzahl mehr als verdoppeln. Der eigentliche Skandal ist aber, dass deutsche Hersteller nur in den USA echte Rückrufe durchführen, während das Thema in Deutschland und anderswo eher unter den Teppich gekehrt wird.
 
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