Strafen bei Fahrerflucht

Diskutiere Strafen bei Fahrerflucht im Verkehrsrechtmagazin Forum im Bereich AutoExtrem; Zum Tatbestand: Ich habe in einer 30-Zone ein Anhänger geschrammt. Bin aber weiter gefahren. Jetzt habe ich Post von der Polizei. Es gab wohl...
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tzadoz

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Zum Tatbestand:

Ich habe in einer 30-Zone ein Anhänger geschrammt. Bin aber weiter gefahren. Jetzt habe ich Post von der Polizei. Es gab wohl Zeugen.

Wie könnte die Strafe aussehen ? Hat jemand schon Erfahrungen gemacht ?

Zu mir: Ich habe seit etwa 4 Jahren den Lappen. Bisher hatte ich nichts mit der Polizei zu tun, bis auf einen Auffahrunfall.

Wenn ich den Unfall hätte bemerken müssen (habe ich auch da ich ausgestiegen bin, hat der Zeuge wohl leider gesehen) wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit das der Lappen weg ist.

P.S. Ich weiß, moralisch war das scheiße von mir
 
D

Dickie

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tzadoz schrieb:
Zu mir: Ich habe seit etwa 4 Jahren den Lappen. Bisher hatte ich nichts mit der Polizei zu tun, bis auf einen Auffahrunfall.

Das sollte auch so sein. Es ist nicht strafmindert, nur weil man sich immer an die Regeln hält, sondern sollte eigentlich der Normalfall sein, somit erstmal nur die Normalstrafe.

Wenn ich den Unfall hätte bemerken müssen (habe ich auch da ich ausgestiegen bin, hat der Zeuge wohl leider gesehen) wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit das der Lappen weg ist.
Auch wenn Du den Unfall nicht bemerkt hättest: 99,998%

Du bist ausgestiegen, hast gesehen, dass Du einen Schaden verursacht hast und bist dann weitergefahren, dies bestätigte auch noch ein Zeuge. Das wird dann nicht mehr so ganz am unteren Bereich der Skale bleiben, denn sowas wird eigentlich nicht gerne gesehen.

Damit Du mal den genauen Text kennst:

§ 142: Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
(1) Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder

2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich

1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder

2. berechtigt oder entschuldigt

vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.

(3) Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten (Absatz 1 Nr. 1) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, daß er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält. Dies gilt nicht, wenn er durch sein Verhalten die Feststellungen absichtlich vereitelt.

(4) Das Gericht mildert in den Fällen der Absätze 1 und 2 die Strafe (§ 49 Abs. 1) oder kann von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht (Absatz 3).

(5) Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.


Es handelt sich um eine Straftat, keine kleine Ordnungswidrigkeit.

Somit erstmal:
sind mehr als 24 Stunden vergangen, dann keine Abweichung von der Regelstrafe
War der Schaden größer als 900 Euro (Grenze für "bedeutender Sachschaden"), dann keine Abweichung von der Regelstrafe.
Aus den "Fließenden Verkehr" warst Du ja raus, da es sich um ein gepartes Fahrzeug handelte, bleibt die Schadenshöhe und die Zeit.

Es müssen aber alle Bedingungen erfüllt sein, dass ein Richter abweichen darf, aber auch wenn alle Bedingngen erfüllt sind, muss er nicht nach unten abweichen. Dein Aussteigen und dann wegfahren ist da schon eine miese Sache, die sich bei der Würdigung einer Strafminderung nicht gut macht.

Da Du auch schon 4 Jahre die Fahrerlaubnis hast, wirst Du nicht mehr unter 21 sein, somit auch kein Jugendstrafrecht.

Als Ersttäter ohne strafmindernde Sachen werden wohl so um die 30-60 Tagessätze rumkommen und ein Fahrerlaubnisentzug mit einer Sperrfrist von 6-9 Monaten bis zur Neuerteilung bei rumkommen plus 7 Punkte auf 5 Jahre. Unterer Wert, wenn der Schaden klein war, oberer Wert, wenn der Richter das Anschauen und dann wegfahren nicht so gut findet.

Gesamte Verfahrenskosten dürften auch klar sein.

Dann kommt die Versicherung, bei Fahrerflucht hat die doppelten Regressanspruch, also wird sie die Kosten für die Regulierung zurückverlangen bis zu einer Maximalhöhe von 10.000 Euro.

Dann die Neuerteilung der Fahrerlaubnis: War es die erste "dicke Sache", dann keine MPU-Forderung, war allerdings Dein Auffahrunfall "grob fahrlässig", also mit Punkten behaftet, dann kann wegen Gleichheit der Vorfälle (Unfälle mit schwerer Schuld / Verhaltensfehlern) auch eine MPU angeordnet werden.

Hättest Du kurz gewartet, und die Polizei angerufen, dann wären das 35 Euro gewesen und fertig. Jetzt bekommst Du eine Vorstrafe, die im großen Führungszeugnis steht, im kleinen noch nicht, da erst ab 90 Tagessätze.
 
PhreakShow

PhreakShow

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Dickie schrieb:
Hättest Du kurz gewartet, und die Polizei angerufen, dann wären das 35 Euro gewesen und fertig.
Also er bekommt auch ne Strafe, wenn er den Unfall meldet?

Ich hatte letztes Jahr auch nen kleinen Unfall, hab nachts um drei beim Ausparken nen Punto uebersehen. Hab meine Adresse, etc an seinem Scheibenwischer hinterlassen und noch schnell meine Personalien telefonisch bei der naechsten Polizeidienststelle. Die haben mir anhand des Kennzeichens die Personalien des Puntofahrers gegeben, hab da am naechsten Tag angerufen...

Von der Polizei kam da aber nix mehr!
 
M

Michael87

L'état c'est moi!
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wie is'n das, wenn man nen unfall hat und beide sich ohne polizei irgendwie einigen und dann den unfallort verlassen. ist das dann auch unerlaubtes verlassen des UOs, wenn BEIDE gehn?
 
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Dickie

GESPERRTES MITGLIED
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Die Polizei muss ja nichts Wissen oder gemeldet bekommen, steht im Absatz 1

1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder

Hast Du ein Polizeiwagen gerammt, dann wohl schon. :D
Es gibt keine Meldepflicht bei der Polizei, sondern "nur" bei allen Unfallbeteiligten und den Geschädigten. Sind diese Personen nicht greifbar, dann eben ersatzweise bei der Polizei.

Dann zu dem "Strafe überhaupt". Normalerweise hat man als Unfallverursacher eine Missetat nach §1 begangen, somit gibt es auch Strafe. Bei einem "normalen" Unfall, also schlicht und ergreifend was verpennt, normaler Blechbums und kein Personenschaden sind 35 Euro vorgesehen. Dies ist aber ein Verwarnungsgeld ohne Punkte und davon kann abgesehen werden.

Holt man die Polizei an die Unfallstelle, um eine Art Unfallaufnahme zu haben, oder warum auch immer, dann hatten die einen Aufwand wegen Deines Fehlers und dann wird meistens auch die 35 Euro kassiert.
Ist alles eigentlich ganz "nebenbei" gelaufen und die Polizei wurde wie beschrieben auch nur informiert, dass man was "verbrochen" hat, also als zusätzliche Absicherung gegen diesen §142, wird oft auf das Verwarnungsgeld verzichtet, hat ja auch keinen besonderen Aufwand gemacht.

Letztendlich sind die 35 Euro etwas billiger, als das ganze Gerödel, was ansonsten kommt.
 
PhreakShow

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Dickie schrieb:
Letztendlich sind die 35 Euro etwas billiger, als das ganze Gerödel, was ansonsten kommt.
Das sowieso...

Man sollte allerdings Mann genug sein und fuer den Mist, den man verbrochen hat, auch geradestehen.
Mein Unfall war ja nachts um drei. Ich haette mich astrein verziehen koennen, haette niemand gemerkt. Und weil ich mich gemeldet hatte, hab ich erfahren dass ich am Punto gar keinen Schaden verursacht hab. Denn der Puntofahrer war selbst am Tag zuvor an genau der gleichen Stelle gegen ne Mauer gefahren, ich musste nix zahlen :D
Und er war so ehrlich, den Schaden mir nicht in die Schuhe zu schieben...
 
Thema:

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