Sportwagen: Semi-Slicks im Straßenverkehr mit hohem Risiko

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Viele Fahrer schneller und sehr schneller Fahrzeuge verwenden sogenannte Semi-Slicks mit Straßenzulassung. Diese speziellen Sommerreifen verfügen über einen sehr geringen Negativprofil-Anteil, weswegen die Reifen eine größere Auflagefläche haben und mehr Haftung ermöglichen. Die Verwendung kann im Alltagsbetrieb aber überaus gefährlich sein


Am Montag ist in Wuppertal einer von 250 in Deutschland zugelassenen Ferrari 430 Scuderia von der Straße abgekommen. Als eine der möglichen Unfallursachen gibt der Kölner Express an, dass leichter Nieselregen "die Haftung der auf trockene Straße ausgelegten Semi-Slick-Reifen ausgehebelt" habe. Diese Theorie ist nicht von der Hand zu weisen, denn in mehreren Tests wurden die Eigenschaften der straßenzugelassenen Sportreifen bescheinigt, bei Nässe zu einer echten Gefahr zu werden. Und dabei muss nicht immer ein sündhaft teurer italienischer Sportwagen dran glauben, denn die Reifen werden mittlerweile bereits für Autos wie den Golf GTI oder seine ähnlich starken Mitbewerber angeboten und dort auch vermehrt genutzt.

Problemzone Nummer 1 ist das Fahrverhalten. Im Handlingparcours auf nasser Strecke wurden bei einem Test der auto, motor und sport (ams) "plötzliches Aufschwimmen, schlechte Seitenführung und unerwartete Lastwechselreaktionen mit heftigem Übersteuern" festgestellt, die die "Fahrt zum Abenteuer" machten. Auch beim Anbremsen vor der Kurve muss mit weniger Grip gerechnet werden. Zudem haben die Sportreifen erschreckend geringe Reserven bei Aquaplaning, weswegen sie deutlich früher aufschwimmen und dann jeglichen Halt verlieren. Doch problematisch kann die Haftung auch auf trockener Straße werden, denn durch "das hohe Gripniveau der Reifen kann es zur Überforderung des Fahrwerks kommen", wie die AutoBild ermittelt hat. In der Folge kann ein plötzlich ausbrechendes Heck für heftigere Abflüge sorgen. Dabei gilt: je weicher das Fahrwerk, desto früher und heftiger treten solche Probleme auf. Daher wird bei der Verwendung solcher Reifen ein Sportfahrwerk empfohlen.

Problemzone Nummer 2 ist das Bremsen bei Nässe. Hier sind die Semi-Slicks gegenüber herkömmlichen Reifen klar im Nachteil. Besonders groß sind die Unterschiede, wenn ein moderner Ultra-High-Performance-Reifen (UHP-Reifen) verwendet wird. Im Test der ams kam ein solcher Reifen auf der bewässerten Fahrbahn aus Tempo 100 nach 56 Metern zum stehen. Die straßenfähigen Sportreifen benötigten für die gleiche Übung zwischen 10 und 13 Metern mehr. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der TÜV Süd, der einen Bremstest auf nasser Fahrbahn von 80 auf 20 km/h durchgeführt hat. Auf herkömmlichen Reifen benötigte das Testfahrzeug dafür eine Wegstrecke von 26 Metern. Das Vergleichsfahrzeug mit Sportreifen war an gleicher Stelle noch über 34 km/h schnell und benötigte insgesamt fast 32 Meter.

Auf trockener Fahrbahn sieht die Situation ganz anders aus. Hier können die Semi-Slicks mit (deutlich) kürzeren Bremswegen aufwarten und in Kurven wesentlich höhere Geschwindigkeiten aufbauen. Das erhöht auf der Landstraße den Fahrspaß und verschafft auf abgesperrten Rennstrecken einen echten Zeitvorteil. Doch diese Pluspunkte können bei weitem nicht über die mangelhaften Nässe-Eigenschaften hinwegtäuschen. Dieser Sommer hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, dass selbst an vermeintlich schönen Tagen plötzlich Regen fallen kann. Und auf Waldstücken kann auch Tage nach dem letzten Schauer noch Feuchtigkeit vorhanden sein. In diesem Fällen sind die Semi-Slicks die denkbar schlechteste Wahl für ein Straßenfahrzeug. Der TÜV Süd zieht daher auch ein klares Fazit zur Verwendung. Diese Reifen gehören auf die Rennstrecke, allenfalls "eine kurze Anfahrtstrecke aus der heimischen Garage zum Trackday mag bei entsprechender Sorgfalt und Vorausschau akzeptabel sein". Im Idealfall werden die teuren Reifen aber ohnehin erst dort montiert.
(Bildquelle: Oelbermann / Express)​


Meinung des Autors: Bei vielen (Pseudo)-Sportwagen sollen Semi-Slicks mit Straßenzulassung für bessere Fahrleistungen und Fahreigenschaften sorgen. Auf trockener Fahrbahn klappt das auch wunschgemäß, doch wirklich und durchgehend trocken ist es eher selten. Und genau das macht die Sportreifen zu einer echten Gefahr im Straßenverkehr - und das sogar auf Autos, auf denen man es nicht unbedingt vermutet.
 
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Patrick B.

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Hat der "Autor" hier schon eigene Erfahrungen mit Semislicks?
 
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Patrick B.

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Die Sache mit den "UHP-Reifen" ist sachlich leider falsch dargestellt!
Die "UHP" liegen näher am "normalen" Straßenreifen als am Semislick!!

Und um der Gegenfrage vor zu beugen, JA ich habe Erfahrungen mit allen drei Bauarten von Reifen.
 
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geronimo

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Ja, der Autor hat Erfahrungen. Allerdings ziemlich wenige und fast nur auf trockener Strecke. Doch das eine mal bei Feuchtigkeit hat gereicht.

Zu UHP: hier wurde eigentlich gar nichts dargestellt, sondern lediglich erwähnt, dass ein UHP-Reifen bei Nässe besser bremst als ein normaler Sommerreifen und erst recht besser als ein Semi-Slick.
 
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