Saab: Gläubigerschutz wurde abgelehnt - NEVS darf den Namen Saab nicht mehr verwenden - UPDATE

Diskutiere Saab: Gläubigerschutz wurde abgelehnt - NEVS darf den Namen Saab nicht mehr verwenden - UPDATE im Saab Allgemein Forum im Bereich Saab; 29.08.2014, 10:48 Uhr: Damit ein Richter so schnell zu einer Entscheidung kommt, müssen die Fakten erdrückend sein. Dieser Eindruck drängt sich...
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geronimo

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29.08.2014, 10:48 Uhr:
Damit ein Richter so schnell zu einer Entscheidung kommt, müssen die Fakten erdrückend sein. Dieser Eindruck drängt sich nach der schnellen Ablehnung des erst gestern beantragten Gläubigerschutzes durch den aktuellen Saab-Eigentümer NEVS auf. Doch für das Konsortium kommt es noch deutlich schlimmer, denn der "geliehene" Name steht offenbar auch nicht mehr zur Verfügung



Gestern Nachmittag meldeten wir, dass Saab beziehungsweise der aktuelle Besitzer NEVS bei Bezirksgericht in Vänersborg die Reorganisation des Unternehmens nach schwedischem Recht beantragt hat. Damit wären die Gläubiger zum einstweiligen Stillhalten verurteilt und die aktuell ausstehenden Lohn- und Gehaltszahlungen vom Staat übernommen worden. Der Präsident von NEVS, Mattias Bergman, führte in dem Antrag wieder einmal die angeblich weit fortgeschrittenen Gespräche mit zwei globalen Fahrzeugherstellern an, die das dringend benötigte Kapital bringen sollen.

Die Aussichten waren dem zuständigen Richter aber offenbar eindeutig zu vage, denn bereits wenige Stunden nach Einbringung des Antrags wurde dieser abgelehnt. Neben einer völlig unzureichenden oder gar fehlenden Dokumentation wurde bemängelt, dass es keinerlei Aussagen über die mögliche Höhe und den eventuellen Termin zu zu erwartenden Kapitalzuflüssen gibt. NEVS bleiben jetzt genau drei Wochen, um Widerspruch gegen den richterlichen Beschluss einzulegen, was auch geschehen soll. Die Aussichten, dass sich bis zum 18. September etwas ändert, dürfen als äußerst schlecht bewertet werden.

Das liegt auch an einer aktuellen Entscheidung, die NEVS eigentlich die Verhandlungsgrundlage entzieht. Das wohl wertvollste an Saab ist der gute Name, der seit Jahrzehnten Fans in aller Welt vereint. Doch dieser steht NEVS offenbar seit heute nicht mehr zur Verfügung. Die Namensrechte liegen nämlich mitnichten bei NEVS, sondern vielmehr bei der Saab AB. Die Rüstungssparte ist seit dem Jahr 2000 nicht mehr am Autobauer beteiligt, hat aber die Rechte an der Verwendung des Namens. Im Zuge der Übernahme vor zwei Jahren hatte sich NEVS mit der Saab AB geeinigt, den Markennamen verwenden dürfen - was aufgrund der aktuellen Ereignisse wohl widerrufen wurde, wie der stets gut informierte Saabblog unter Berufung auf die lokale Zeitung in Trollhättan vermeldete. Ohne Zugriff auf den Begriff Saab dürften aber alle potenziellen Investoren direkt abwinken, womit das Ende für NEVS gekommen sein dürfte. Und damit wohl auch für Saab.

Update, 29.08.2014, 15:19 Uhr: In Schweden mahlen die Mühlen der Justiz offenbar deutlich schneller als in anderen Ländern. Anders ist es nicht zu erklären, dass die gestern getroffene Entscheidung auf Ablehnung des Antrags zur Reorganisation bereits heute wieder revidiert wurde. NEVS verfügt laut den aktuellen Angaben über eine Kreditzusage von 20 Millionen schwedischen Kronen (etwa 2,18 Millionen Euro), die vom Hauptaktionär Kai Johan Jiang bereits gestellt werden. Zudem konnten wohl die immer wieder gemachten Aussagen, dass man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Investoren befinde, bekräftigt werden.

Fortschritte gibt es offenbar auch beim Verkauf der Entwicklungsgesellschaft, die unter anderem die neue Phoenix-Plattform verwaltet. In diesem Zusammenhang taucht angeblich doch der Name Dongfeng auf, obwohl die Chinesen zuletzt sogar offiziell alle Verhandlungen mit Saab dementiert haben. Der Erlös von 500 Millionen Kronen (etwas mehr als 54,5 Millionen Euro) soll zum Ausgleich der Verbindlichkeiten bei den Lieferanten genutzt werden, die sich auf etwa 43 Millionen Euro belaufen sollen. Darüber hinaus hat NEVS Verhandlungen mit der Saab AB über die weitere Nutzung des Markennamens begonnen.

All diese Umstände und die vorgelegten Ziele bewertete das Gericht "realistisch und erreichbar", weswegen dem erneuten Antrag auf Reorganisation stattgegeben wurde. Als Termin für die erste Gläubigerversammlung wurde der 8. Oktober genannt, wie im Saabblog berichtet wird. Sollte alles wie geplant laufen, könnten die Angestellten aufatmen und Saab erst einmal ein weiteres Jahr überleben. Und wieder einmal zeigt sich: Saab scheint in der Tat mehr Leben zu haben als die sprichwörtliche Katze.
 
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