Rush - Alles für den Sieg: Film über Niki Lauda und James Hunt in der Filmkritik von Autoextrem

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geronimo

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Die 1970er gelten als eine der Hochzeiten der Formel 1, die maßgeblich von der legendären Rivalität zwischen dem Briten James Hunt und dem Österreicher Niki Lauda geprägt wurde. Der Kampf um den Weltmeister-Titel 1976 ist der Mittelpunkt des aktuellen Film des Regisseurs Ron Howard, in dem Daniel Brühl als Lauda zur absoluten Hochform aufläuft. Nicht nur für Rennsport-Freunde dürfte der knapp zwei Stunden lange Streifen ein großes Vergnügen sein


Der Film von Ron Howard spiegelt das Aufeinandertreffen der beiden völlig unterschiedlichen Charaktere vorzüglich wieder. Auf der einen Seite steht der leicht versoffene Lebemann und Everybody's Darling Hunt, auf der anderen der egomanische Tüftler Lauda, der es seinem Umfeld sehr schwer gemacht haben dürfte, ihn zu mögen. Die Rivalität der beiden begann bereits 1970, als sie sich in der Formel 3 erstmals begegneten und ihr Talent unter Beweis stellten. Mitte der 1970er trafen sie sich in der Formel 1 wieder und erneuerten ihre anfangs nicht immer von Respekt geprägte Rivalität. Während Laudas Karriere dank eines Vertrags bei Ferrari richtig Fahrt aufnahm und 1975 in den ersten Weltmeister-Titel mündete, schlug sich Hunt in nur mäßig erfolgreichen Privatteams durch. Erst 1976 begegneten sich die beiden auf Augenhöhe, nachdem der Brite einen Vertrag beim konkurrenzfähigen McLaren-Rennstall unterschrieb. Lauda konnte dennoch die WM erneut dominieren, bis es am 1. August auf dem Nürburgring zu einem tragischen Unfall kam, der ihn beinahe das Leben kostete. Durch den Ausfall des schwer verletzten Konkurrenten konnte Hunt Boden gut machen und in einem dramatischen Finale in Japan letztlich seinen ersten und einzigen Weltmeister-Titel erringen.

Jahrelang wurde versucht, die Geschichte für das Kino zu adaptieren, was nicht zuletzt an Laudas Unzufriedenheit mit den vorgelegten Drehbüchern scheiterte. Erst Ron Howard, der bereits in Filmen wie Apollo 13 oder Frost/Nixon sein Gespür für historische Stoffe bewiesen hatte, gelang ein überzeugender Ansatz, der auch den anspruchsvollen österreichischen Ex-Rennfahrer überzeugen konnte. Und das was Howard und sein Team abgeliefert haben ist nicht nur aller Ehren wert, sondern dürfte als einer der spannendsten und überzeugendsten Motorsport-Filme in die Geschichte eingehen. Dabei spielt sich Daniel Brühl als perfekte Verkörperung Laudas in die Liste der diesjährigen Oscar-Kandidaten.

Was den Film aber neben seinem überzeugenden Spannungsbogen zusätzlich interessant macht, ist die absolute Authentizität. Howard und sein Team haben sich mit jedem kleinen Detail ausführlich beschäftigt. Das mündet darin, dass alle Sponsorenaufkleber originalgetreu und millimetergenau so angebracht wurden, wie es damals der Fall war. Das, was leicht als Produktplatzierung missverstanden werden könnte, dient dem Regisseur nur dazu, den originalen Look perfekt zu kopieren. Gleichzeitig lässt sich auch der Wandel der Formel 1 daraus ablesen, denn heutzutage dürfte es sich eine kleine Mineralwasserquelle aus Deutschland wohl kaum mehr leisten können, auf dem Helm eines Top-Fahrers einen so prominenten Platz zu finden. Und auch die mittlerweile vollständig verschwundene Werbung für Zigaretten ist im Film allgegenwärtig.


Aber nicht nur die Details an den Autos sind absolut stimmig. Auch die vermeintlich historischen Aufnahmen auf den Rennstrecken sind perfekt. Das wird besonders an den Szenen auf dem Nürburgring deutlich, der damals noch nicht in seiner heutigen Form mit Grand Prix Strecke und großer Boxenanlage existierte. Kenner der alten Strecke reiben sich verwundert die Augen, denn dank Computertechnik erstrahlen die damalige Holztribüne, die schmale Boxengasse, die dahinter lang führende Gegengerade und die komplette Umgebung mit altem Fahrerlager in realistischem Glanz. Doch der Realismus des Regisseurs geht noch weit darüber hinaus, denn Howard verzichtet völlig auf die heutzutage allgegenwärtige political correctness. Deshalb wird in dem Film geraucht, gekifft, gesoffen, gevögelt und geflucht was das Zeug hält. So wie es eben in den 1970ern üblich war, als die Rennfahrer noch keine dressierten und wohlerzogenen Marionetten der Sponsoren waren.

Insgesamt gibt es nur sehr wenig, was am Film negativ auffällt. Manch einer wird sich am 70er-Jahre-Look des Films stören, der es mit vielen Rottönen und starker Körnigkeit des damaligen Filmmaterials möglicherweise etwas übertreibt. Zudem wollen die teilweise hektischen Schnitte und die teilweise arg wackelige Kameraführung nicht so recht zur Optik passen. Außerdem erscheint Chris Hemsworth als James Hunt etwas zu durchtrainiert. Darüber hinaus kann er schauspielerisch Daniel Brühl nicht einmal annähernd das Wasser reichen und wird von diesem deutlich an die Wand gespielt. Hier hat sicherlich Hemswoths Ähnlichkeit mit dem im Alter von nur 45 Jahren verstorbenen Hunt den Ausschlag gegeben, nicht seine Qualität als Charakterdarsteller. Alles in allem sind das aber nur Kleinigkeiten, die teilweise auch nicht jedem unangenehm auffallen dürften.

Letztlich hat es Ron Howard überzeugend geschafft, einen Klassiker abzuliefern. Dieser reiht sich nahtlos ein in die kurze Liste großartiger Renn-Filme wie Grand Prix mit James Garner und Le Mans mit Steve McQueen ein. Beide Filme haben mittlerweile über 40 Jahre auf dem Buckel, können aber immer noch überzeugen. Und vermutlich wird man das auch von Rush - Alles für den Sieg sagen können, wenn man ihn sich in einigen Jahrzehnten ansieht. Der Film ist ein großer Wurf für das Genre und bietet zwei Stunden Unterhaltung vom Feinsten. Motorsportfans werden sich über die gelungene Umsetzung freuen, allen anderen bietet der Film einen tollen Rückblick auf längst vergangene Zeiten.

Update: Eine Besprechung der Blu Ray des Films kann hier nachgelesen werden: Rush - Alles für den Sieg: Review der Blu Ray des Films über Niki Lauda und James Hunt - UPDATE
 
stephan.lue

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für mich der Film des Jahres!
 
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