Renault Twizy: Elektro-Flitzer im Fahrbericht

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geronimo

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Der Renault Twizy ist eines der ungewöhnlichsten Fahrzeuge auf deutschen Straßen, denn seine zwei Sitze sind hintereinander angeordnet. Das dadurch ziemlich schmale Fahrzeug verfügt zudem einen Elektroantrieb, der für vergleichsweise umweltfreundliches Vorankommen sorgt. Wir haben den City-Flitzer jetzt auf einer kurzen Ausfahrt unter die Lupe genommen


Vier Räder und ein Dach - aber wer zu seinem Twizy Auto sagt, nennt ein Pony auch Pferd. Das vierrädrige Fahrzeug ist eher ein überdachtes Quad, und als eines dieser üblicherweise geländegängigen Motorräder wird das französische Elektrofahrzeug auch eingestuft. In der Theorie finden zwei Personen im Twizy Platz, wobei allerdings der Mitfahrer völlig frei von klaustrophobischen Anwandlungen sein sollte. Der Einstieg ist nur dann möglich, wenn der Vordersitz ganz nach vorne und im Anschluss wieder nach hinten geschoben wird. Der hintere Passagier wird also förmlich auf seinem extrem engen und auch noch unbequemen Sitzplatz eingeklemmt. Hinten sollten also eher kleine und leichte Personen Platz nehmen, was alleine schon deshalb ratsam ist, weil die maximale Zuladung je nach Größe der verbauten Batterie zwischen 120 und 140 kg liegt.

Auf dem vorderen Sitz findet man deutlich großzügigere Platzverhältnisse, doch allzu groß und ausladend sollte der Fahrer nicht ausfallen. Allerdings fällt auch hier direkt auf, dass man auf dem nur mäßig gepolsterten Plastiksitz ziemlich hart sitzt. Nachdem die optionalen, halbhohen Türen geschlossen wurden, wird der Twizy ganz konventionell über des Drehen eines Zündschlüssels gestartet. Über einen Taster im Armaturenbrett(chen) wird die Fahrstufe D gewählt und die versteckt angebrachte, aber mit einem großen und erstaunlich solidem Hebel versehene Handbremse gelöst. Dann kann es auch schon losgehen, und das gefühlt wie der Blitz. Wie bei einem Elektromotor üblich, steht die maximale Leistung - beim Twizy bescheidene von 13 kW/18PS - direkt ab dem Anfahren zur Verfügung. Dadurch beschleunigt der leer nur 562 kg wiegende Twizy gefühlt ziemlich flott. In der Stadt reicht das aus, um beim Ampelstart vorn dabei zu sein. Allerdings geht dem Cityflitzer dann recht schnell die Puste aus, und bei 80 km/h ist Schluss mit Lustig.

Das ist wohl auch ganz gut so, denn der extrem kompakte und leicht gebaute Twizy dürfte nur unwesentlich sicherer sein als eine Streichholzschachtel, auch wenn Renault eine "hochsteife Sicherheitsfahrgastzelle mit Stahlrohrrahmen für optimalen Schutz bei einem Aufprall" anpreist. Und abgesehen von einem Gurt sowie einem Airbag gibt es keinerlei Sicherheitsmerkmale, die die Insassen bei einem Unfall schützen. Doch diese Bedenken wischt man schnell beiseite, wenn man mit dem Twizy unterwegs ist. Dank seines ziemlich geringen Gewichts, der hohen Wendigkeit, der fast schon Motorrad-ähnlichen Luftigkeit und dem knackigen Kurvenverhalten stellt sich ziemlich schnell Spaß ein. In verwinkelten Innenstädten und gerne auch mal auf einer kurvigen Landstraße ist der Twizy ganz in seinem Element. Das ganze geht bis zu 120 km weit, wobei die Nachladung an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose in 3,5 Stunden abgeschlossen ist.


Allerdings müssen auch zahlreiche Nachteile in Kauf genommen werden. Am auffälligsten ist das ziemlich ruppige Fahrwerk, das Bodenunebenheiten nur mäßig dämpft und teilweise knochentrocken an die Insassen weitergibt. Zudem wird die Fahrt beim Beschleunigen und bei höherem Tempo durch das unüberhörbare hohe Summen des Elektromotors begleitet. Im Gegensatz zu vielen anderen Elektrofahrzeugen ist der Twizy keineswegs lautlos unterwegs. Und bei schlechtem Wetter und im Winter müssen alle Mitfahrer hart im Nehmen sein, denn der einzige Wetterschutz besteht aus zwei (nicht sehr dichten) seitlichen Steckscheiben. Eine Heizung oder eine Sitzheizung lässt sich nicht bestellen.

Zu guter Letzt steht dem wahren Vergnügen natürlich der Preis im Weg. Auf den ersten Blick ist ein Twizy mit Preisen ab 6.950 Euro gar nicht so teuer. Doch dafür gibt es nur die schlappe und langsamere Basisversion mit weniger Reichweite. Richtig interessant wird es erst mit der stärkeren Ausgabe, die ab 7.650 Euro erhältlich ist. Wer einen optisch etwas hübscheren und nahezu komplett ausgestatteten Twizy fahren will, ist mit bis zu rund 9.500 Euro dabei. Doch dazu addiert sich noch die Miete für den Akku, der nicht im reinen Kaufpreis enthalten ist. Im günstigsten Fall mit maximal 2.500 km im Jahr und 36 Monaten Laufzeit werden dafür 30 Euro pro Monat fällig. Bei etwas realistischeren 5.000 km sind es bereits 40 Euro, bei 7.500 km müssen monatlich 50 Euro gezahlt werden.

Fazit: Der Twizy macht erst einmal ziemlich viel Spaß, den er ist extrem luftig und bietet trotz moderatem Tempo gutes Kurvenverhalten. Doch bereits nach kurzer Zeit fallen die nicht zu übersehenden Nachteile auf, die das Vergnügen nachhaltig trüben. Auf Dauer ist der von Renault gewählte Ansatz dann doch zu radikal, um der breiten Masse zu gefallen. Am Ende vereint der Twizy die Nachteile von Auto und Motorrad in einem Fahrzeug.

Meinung des Autors: Eigentlich ist der Renault Twizy eine tolle Idee: in einem kompakten Elektrofahrzeug bis zu zwei Personen von A nach B bringen, die dabei vielleicht noch ein wenig Spaß haben. Doch auf lange Sicht ist das wohl nur von Enthusiasten zu ertragen. Und viele werden sich ohnehin fragen, was ein so offenes Fahrzeug für einen Vorteil hat, wenn es deutlich breiter als ein Motorrad ist - und daher genauso im Stau steht wie normale Autos.
 
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