Radwege: Rechte und Pflichten bei der Benutzung

Diskutiere Radwege: Rechte und Pflichten bei der Benutzung im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; Fahrräder werden immer beliebter. Doch längst nicht jeder Radfahrer weiß, wann ein Radweg benutzt werden muss, und wann man diesen meiden darf...
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geronimo

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Fahrräder werden immer beliebter. Doch längst nicht jeder Radfahrer weiß, wann ein Radweg benutzt werden muss, und wann man diesen meiden darf. Oder man weiß es in der Theorie, hält sich in der Praxis aber nicht daran - was durchaus teure und mitunter sogar böse Folgen haben kann. Um noch einmal auf die wichtigsten Vorschriften, Pflichten und Ausnahmen hinzuweisen, veröffentlichen wir unseren Ratgeber zu diesem Thema erneut. Auch Rennrad-Fahrer sollten sich diesen durchlesen.

17.05.2016, 14:48 Uhr:
Radfahrer gehören auf den Radweg. Das ist die einhellige Meinung der meisten Autofahrer, doch in der Realität sieht das ganz anders aus: es gibt Radwege sowohl mit als auch ohne Benutzungspflicht. Nachfolgend wollen wir über die verschiedenen Arten aufklären und zudem auch auf einige Ausnahmen hinweisen


In der Straßenverkehrsordnung (StVO) unter §1 Absatz 2 heißt es: "In der Regel fahren Radfahrer auf der Fahrbahn". Doch das gilt längst nicht immer, denn unterbestimmten Voraussetzungen werden Radfahrer verpflichtet, einen Radweg zu benutzen. Das gilt in folgenden Fällen:

Radwege mit Benutzungspflicht:

Radwege müssen benutzt werden, wenn die StVO-Zeichen 237, 240 oder 241 (Bilder unten) dies verlangen. Dabei handelt es sich um kreisförmige blaue Schilder, auf denen ein einzelnes Fahrrad oder aber gleichzeitig ein Fahrrad sowie Fußgänger nebeneinander oder übereinander gezeigt werden. Diese Schilder zeigen an, dass ein entsprechend ausgewiesener Rad- oder kombinierter Rad-/Fußweg von Radfahrern benutzt werden muss. Beim erstgenannten Schild (nur Fahrrad) steht der entsprechend gekennzeichnete oder baulich hevorgehobene Weg Radfahrern exklusiv zur Verfügung. Bei den zweigeteilten Schildern gilt folgendes: sofern Fahrrad und Fußgänger nebeneinander zu sehen sind, gibt es in der Regel getrennte aber ineinander übergehende Wege für beide Gruppen; sofern Fahrrad und Fußgänger übereinander zu sehen sind, gibt es einen gemeinsamen Weg für beide Gruppen. Im letzteren Fall haben die Fußgänger Vorrang gegenüber Radfahrern, die hier mit erhöhter Wachsamkeit unterwegs sein müssen.

Diese Benutzungspflicht gilt in der Regel nur für Radwege auf der rechten Seite der Fahrbahn. In seltenen Fällen jedoch wird auch eine Benutzung auf der linken Seite (gegen Fahrtrichtung) vorgeschrieben, was durch eine entsprechende Beschilderung kenntlich gemacht wird.


Ausnahmen und Ende der Benutzungspflicht:

Gekennzeichnete und verpflichtende Radwege müssen im Prinzip folgende drei Kriterien erfüllen: 1. straßenbegleitend, 2. benutzbar und 3. zumutbar.
Zu 1.: das bedeutet, dass Radwege, die sich in relativer Entfernung zum Hauptverkehrsweg befinden oder völlig unabhängig davon laufen, sowie solche, die an Kreuzungen über andere (schlechtere) Vorfahrtsrechte bekommen, nicht befahren werden müssen.
Zu 2.: Als unbenutzbar gelten Radwege, bei denen es aufgrund von vorübergehenden Ereignissen wie Fußgänger oder parkende Autos, Mülltonnen, Bauarbeiten oder weggeräumter Schnee zu Behinderungen kommt. In diesem Fall darf das Hindernis großräumig auf der Straße umfahren werden, allerdings muss nach dem Hindernis der Radweg wieder benutzt werden. In vielen Fällen können und müssen Radfahrer aber durch angepasste Geschwindigkeit dennoch die Radwege benutzen. Deutlich klarer ist die Situation, wenn der Radweg in Kürze einen Verlauf nehmen wird, der nicht der Fahrtrichtung des Radfahrers entspricht. In diesem Fall darf frühzeitig auf die Fahrbahn gewechselt werden, um den gleichen Fahrweg wie Autos und Motorräder zu nutzen.
Zu 3.: Spätestens ab jetzt geht es tatsächlich in den Bereich der Grauzone. Als nicht zumutbar gelten Radwege, bei denen beispielsweise die Natur in Form von Laub, Wurzeln, Schnee oder ähnlichem dafür sorgt, dass diese nicht (sicher) befahren werden können. Allerdings gilt auch für Radfahrer der Grundsatz der angepassten Geschwindigkeit, weswegen eine Trennlinie in diesen Fällen nicht immer klar zu ziehen ist. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise Fahrräder mit Anhänger oder Dreiräder theoretisch zu breit für den Radweg sind. In diesem Fall wird wohl kaum jemand etwas gegen das Ausweichen auf die Straße sagen, doch ob dieses tatsächlich erforderlich ist, ist jeweils eine Einzelfallentscheidung.

Die Benutzungspflicht endet generell dann, wenn sie durch ein entsprechendes Schild (Radweg Ende) aufgehoben wird. Zudem endet die Pflicht an jeder Einmündung, sofern diese nicht durch ein weiteres Schild hinter der Einmündung erneut eingerichtet wird. Das ist ein großer Unterschied zu einem Tempolimit auf der Straße, das durch Einmündungen nicht aufgehoben wird.

Radwege ohne Benutzungspflicht:

Radwege müssen nur dann genutzt werden, sofern sie durch eines der oben abgebildeten Schilder ausgewiesen sind. In allen anderen Fällen ist die Nutzung möglicherweise sinnvoll, hilfreich und unfallverhütend - jedoch keineswegs verpflichtend. Diese Wege sind oftmals farblich gekennzeichnet oder baulich hervorgehoben, was aber nichts am freiwilligen Charakter der Wege ändert.

Keine Ausnahmen für Rennräder:

Entgegen vielfacher Meinung gelten Renn- oder Sporträder keine anderen Rechte und Pflichten bei der Benutzung von Radwegen. Die oftmals genannte Gewichtsgrenze von 11 kg ist kein Kriterium, wenn es um das Fahren auf Radwegen geht. Mit anderen Worten: auch Rennradfahrer müssen bei Vorhandensein der Zeichen 237, 240 und 241 auf dem so gekennzeichneten Radweg fahren, ob es ihnen passt oder nicht. Wird dies missachtet, droen Bußgelder sowie bei einem Unfall Nachteile beim Versicherungsschutz.

Regeln für Pedelcs / E-Bikes:

Bis zu einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h gelten die akkugetriebenen Zweiräder als Fahrrad und dürfen beziehungsweise müssen daher die Radwege benutzen. Bei höheren Endgeschwindigkeiten wird das elektrische Fahrrad als Mofa oder sogar als Kleinkraftrad eingestuft, weswegen die Nutzung ausgewiesener Radwege allenfalls außerhalb geschlossener Ortschaften notwendig und statthaft ist.

Fahrradstraßen:

Diese sind ein Sonderfall. Die wichtigsten Informationen rund um dieses Thema finden sich in einem eigenen Ratgeber wieder.

Meinung des Autors: Die Meinungen zur Nutzung von Radwegen gehen auseinander. Die einen halten sie für unverzichtbar, die anderen sehen darin ein großes Risiko und eine Benachteiligung. Rechtlich hingegen ist die Lage mehr oder weniger klar - oder etwa doch nicht? Ein Überblick der Rechte, Pflichten und zahlreichen Ausnahmen zeigt, dass es viele Grauzonen gibt.
 
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