Porsche: viertüriges Elektrofahrzeug kommt frühestens 2019 auf den Markt - Kommentar

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Die deutschen Hersteller müssen sich immer wieder vorwerfen lassen, das Thema Elektromobilität verschlafen zu haben. Dass dies durchaus nicht von der Hand zu weisen ist, zeigt sich jetzt am Beispiel von Porsche: die Stuttgarter haben jetzt den Bau eines rein elektrischen Fahrzeugs bestätigt, doch bis dieses tatsächlich erhältlich ist, werden noch etliche Jahre vergehen. Das dürfte man bei Tesla mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen



Wer anfängt, Elektroautos aus deutscher Serienproduktion zu zählen, ist nicht nur sehr schnell fertig, sondern kommt auch noch mit einer Hand aus: mit dem BMW i3, der Mercedes B-Klasse electric drive, dem Smart fortwo ED sowie den VW-Modellen e-Golf und e-up! gibt es aktuell ganze 5 Modelle, die komplett elektrisch angetrieben werden. Dabei können diese Fahrzeuge im Alltagsbetrieb nicht gerade überzeugen, denn sie verfügen allesamt über eine Reichweite von deutlich unter 200 km. Weitere konkrete Modelle lassen aktuell auf sich warten, weswegen sich an der Situation in absehbarer Zeit nur wenig ändern wird.

Jetzt hat Porsche voller Stolz ein eigenes Elektrofahrzeug angekündigt, und klopft sich dabei ordentlich selbst auf die Schultern. Porsche-Vorstandsvorsitzender Dr. Oliver Blume formuliert das so: "Wir nehmen die Herausforderung der Elektromobilität konsequent an.". Uwe Hück als Gesamtbetriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG gerät sogar völlig aus dem Häuschen: "Ein Tag zum Jubeln! Ja, wir haben es geschafft und den Mission E nach Zuffenhausen und Weissach geholt, wo Zukunft Tradition hat. [...] Porsche fährt mit der heutigen Entscheidung mit Vollgas ohne Geschwindigkeitsbegrenzung in die automobile und industrielle Zukunft.". Mit der "heutigen Entscheidung" ist die Bekanntgabe des ersten Elektrofahrzeugs von Porsche gemeint, doch die "automobile Zukunft" wird noch ganz schön lange auf sich warten lassen.

Zwar wurde die Studie namens Mission E bereits in diesem Jahr auf der Frankfurter IAA gezeigt, doch bis zum Anlauf der jetzt gefeierten Serienproduktion wird noch viel Zeit vergehen. Laut der entsprechenden Pressemitteilung soll das Elektrofahrzeug "Ende dieses Jahrzehnts" auf den Markt kommen - das wäre also im spätesten Fall in vier Jahren! Die jetzt benannten Details zur Technik sowie die Eckdaten kommen einem dabei seltsam vertraut vor: Die Lithium-Ionen-Akkus werden im Fahrzeugboden eingebaut und ermöglichen eine Reichweite von über 500 km, wobei eine Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h in rund 3,5 Sekunden möglich sein wird. Damit wird sich der Porsche in etwa auf dem Niveau eines Tesla Model S befinden. Allerdings mit dem großen Unterschied, dass die Oberklasse-Limousine aus Kalifornien schon 2009 angekündigt wurde und bereits seit 3,5 Jahren erhältlich ist. Inzwischen haben die Amerikaner mit dem Model X ein SUV mit vergleichbaren Daten auf den Markt gebracht, wovon man bei deutschen Herstellern nur träumen kann.

Lediglich in einem Punkt scheint sich Porsche etwas von Tesla absetzen zu können, denn mit einer "im Vergleich zu heutigen Schnelllade-Einrichtungen doppelt so starken 800-Volt-Ladeeinheit" sollen schon nach 15 Minuten Ladezeit wieder 80 Prozent der Reichweite zur Verfügung stehen. Tesla benötigt für diese Übung etwa 30 bis 40 Minuten, stellt dafür aber seinen Kunden alleine in Deutschland derzeit über 50 sogenannte Supercharger-Stationen zur Verfügung, an denen die Fahrzeuge kostenlos(!) geladen werden können. Weltweit sind es nach aktuellem Stand sogar 560 Ladestationen - Tendenz stark steigend. Diese flächendeckende Versorgung muss Porsche erst einmal erreichen, um überhaupt mitreden zu können. Zudem ist es ein offenes Geheimnis, dass die Amerikaner an einer Beschleunigung des Ladevorgangs arbeiten und in den nächsten Jahren durchaus ähnlich schnell sein könnten, wie es Porsche jetzt plant. Dann wäre auch dieser Vorteil von Porsche dahin - und es dürfte sich niemand in Deutschland darüber wundern.

Meinung des Autors: Porsche will ein viertüriges Elektrofahrzeug bauen, lässt sich damit aber noch über 3 Jahre Zeit. Und wird dann nur auf dem Niveau ankommen, das Tesla bereits seit über 3 Jahren bietet. Das verdeutlicht eindrucksvoll, wie weit die deutschen Hersteller beim Thema Elektromobilität hinterherhinken, und dass dort andere Nationen den Ton angeben.
 
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