Porsche 718 Boxster mit Vier- statt Sechszylinder - neuer Motor im Fahrbericht

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geronimo

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Ein kompakter Geländewagen mit vier Zylindern – bei Porsche ist das bereits seit einiger Zeit möglich. Bei den Sportwagen hingegen galten sechs Zylinder bis jetzt als gesetzt, doch damit ist es in der kleinsten Baureihe ab sofort vorbei. Wir verraten, ob das „Verzichtsauto“ dennoch Spaß macht


220 kW oder 300 PS sowie 380 Nm Drehmoment hören sich erst einmal gut an. Die weiteren Daten des überarbeiteten Porsche 718 Boxster, wie die Einstiegsbaureihe ab sofort heißt, klingen allerdings wenig faszinierend und nicht gerade nach Sportwagen: bei vier Zylindern, Turboaufladung und vor allem bescheidenen 2 Litern Hubraum denken viele wohl eher an japanische Kompaktsportler wie Mazda MX-5 oder Toyota GT86, als an ein Auto aus Stuttgart, dessen stärkere Brüder sich gerne auch an klangvollen Namen wie Ferrari und Lamborghini messen lassen. Da wird es die Fans erst einmal nur bedingt trösten, dass im Vergleich zum bisherigen Sauger-Sechszylinder mit seinen 2,7 Litern immerhin 35 zusätzliche PS und vor allem 110 Nm mehr Drehmoment zur Verfügung stehen. Auf dem Papier reicht das für 5,1 satt 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h sowie einem um 1 Liter niedrigeren Kraftstoffverbrauch. Doch gerade bei solchen Autos ist das Papier nichts wert, wenn es auf der Straße nicht ein gehöriges Maß an Fahrspaß gibt, was wir nachfolgend überprüfen wollen.

Das Design:

Wie bei einem Facelift üblich, fallen die optischen Änderungen nur relativ gering aus. Am stärksten wurde das Heck überarbeitet, an dem eine neue schwarze Leiste mit Porsche-Schriftzug zwischen den Rückleuchten ein echter Hingucker ist. Auch im Innenraum gibt es nur wenig neues, wobei die neu gestalteten Luftausströmer noch die auffälligste Änderung sind.

Besonderheiten:

Besonders erfreulich ist, dass sich das gut gedämmte Dach des Roadsters auch weiterhin während der Fahrt bis rund 50 km/h öffnen oder schließen lässt, was beim von uns getesteten Porsche 911 Targa nicht der Fall ist. So kann man ohne größere Verzögerungen Frischluft genießen oder den Regen und Kälte aussperren. Bei der „großen Fahrt“ kann erstaunlich viel Gepäck mitgenommen werden, denn die insgesamt 275 Liter Kofferraumvolumen (vorne 150 l und hinten 125 l, siehe Fotostrecke) liegen zwar allenfalls auf Kleinwagenniveau, sind aber für ein Cabrio erstaunlich viel und im Boxster auch noch gut nutzbar.
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Fahrverhalten und Motor:

Grau ist alle Theorie, weswegen es endlich Zeit für die eigentliche Ausfahrt ist. Doch diese beginnt trotzdem erstmal mit einer weiteren Betrachtung von außen, denn das typische Boxer-Klingeln des neuen kleinen Vierzylinders ist eigentlich nur dort zu hören. Sobald man auf den relativ engen Sportsitzen platzgenommen hat, sind andere Töne eindeutig dominanter. Diese reichen beim neuen Aggregat von einem sanften Schnurren bis zu einem heiseren Fauchen, das durch Klappen im Auspuff etwas aggressiver und noch ein wenig lauter gemacht werden kann. Fakt ist: dem Klang nach hat man es mit mehr als nur mit bescheidenen zwei Litern Hubraum zu tun.

Diesen Eindruck bekommt man auch beim ersten beherzten Druck auf das Gaspedal, denn selbst mit dem kleinen Motor wirkt der überarbeitete Boxster definitiv nicht untermotorisiert. Befehle des Gaspedals werden gefühlt sehr spontan ausgeführt und in massive Beschleunigung umgesetzt. Im Lauf der weiteren rund 150 km zeigt sich allerdings, dass vor allem im Normal-Modus oftmals eine Gedenksekunde vergeht, bis der Motor auf Touren gekommen ist. Daran trägt auch das ansonsten sehr gute Doppelkupplungsgetriebe PDK eine Mitschuld, denn dieses benötigt aus niedrigen Drehzahlen heraus ein klein wenig Zeit, bis der passende höhere Gang zur wirklich flotten Beschleunigung gefunden ist. Deutlich zügiger geht es im Sport-Modus, der jedoch dauerhaft für eine höhere Drehzahl und durch die geöffneten Klappen für mehr Lärm sorgt, und zudem den Verbrauch noch weiter in die Höhe treibt. Dieser darf durchaus als Manko des neuen Motors angesehen werden, denn ein Wert von rund 12 Litern auf 100 km ist angesichts der Fahrstrecke – die größtenteils über Landstraßen und kaum über die Autobahn oder durch die Stadt führte – sowie der gebotenen Zurückhaltung angesichts diverser Tempolimits durchaus happig.
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Für die bisherigen Defizite wird man allerdings durch ein Fahrgefühl entschädigt, das über alle Zweifel erhaben ist. Dank tiefem Schwerpunkt und nahezu optimaler Gewichtsverteilung können Kurvengeschwindigkeiten erreicht werden, von denen man in anderen Fahrzeugen nur träumen kann. Trotz fehlendem Allradantrieb gibt sich der Boxster dabei sehr lange narrensicher und gutmütig. Dieser hervorragenden Auslegung des Fahrwerks trägt man bei Porsche Rechnung, indem man elektronische Helferlein wie ESP erst ziemlich spät und dann sehr feinfühlig eingreifen lässt. Dabei wird sogar erstaunlich viel Federungskomfort geboten, weswegen auch längere Fahrten problemlos möglich sind. Zumindest dann, wenn das Fahrwerk im Normal-Modus genutzt wird. Die Sport-Einstellung sollte eher auf wirklich glatten Straßen eingesetzt werden, denn in dieser Stellung werden alle Asphaltflicken, Unebenheiten oder kleinere Löcher knochentrocken und nahezu ungefiltert an die Insassen weitergereicht. In so einem Auto fällt schnell und eindrucksvoll auf, in welchem erbärmlichen Zustand sich viele der deutschen Straßen befinden.

Fazit:

Für Porsche-Fans sind turbogeladene Vierzylinder in einem Sportwagen aus Stuttgart ein Sakrileg. Und nach einer ausführlichen Ausfahrt kann man das teilweise nachvollziehen, denn vor allem dem kleinsten Motor mit nur 1.997 cm² Hubraum fehlt es gelegentlich am Durchzug von untern heraus, was eine Domäne der bisherigen frei atmenden Sechszylinder gewesen ist. Entschädigt wird man durch eine Klangkulisse und vor allem ein Fahrwerk, das den Boxster zum wahren 911 macht, denn dieser ist dank seiner verbindlichen Auslegung und Geräuschentwicklung sowie der Größe inzwischen eher ein durchaus komfortabler GT als ein echter Sportwagen. Doch die Entscheidung für den kleineren Ableger wird seitens Porsche nicht gerade leicht gemacht, denn so mancher potenzieller Kunde wird zögern, wenn er für einen Vierzylinder mit eher bescheidenem Hubraum mindestens 53.646 Euro auf den Tisch des Hauses legen soll. Unser gut ausgestattetes Testfahrzeug würde sogar über 72.000 Euro kosten.

Meinung des Autors: Das sogenannte Downsizing hat jetzt auch die Sportwagen von Porsche erreicht. Beim neuen 718 Boxster bedeutet das nicht nur den Verzicht auf Hubraum, sondern auch vier anstelle der bisherigen sechs Zylinder. Das Ergebnis kann allerdings nicht in allen Punkten überzeugen, und muss zudem auch noch (sehr) teuer bezahlt werden.
 
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