Pilotprojekt: streckenabhängige Geschwindigkeitskontrolle Section-Control wird in Niedersachsen getestet

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geronimo

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Es ist immer wieder zu beobachten, dass Autofahrer kurz vor den bekannten Radarfallen stark abbremsen, um danach wieder unvermindert Gas zu geben. Mit dem sogenannten Strecken-Radar soll das verhindert werden, denn dabei wird die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer festgelegten Fahrstrecke ermittelt. Das Bundesland Niedersachsen will dieses aus dem Ausland bereits bekannte Messverfahren ab dem kommenden Jahr ausführlich testen



Die herkömmlichen Methoden zur Geschwindigkeitsüberwachung haben einen entscheidenden Nachteil, denn sie sind im wahrsten Sinne des Wortes lediglich eine Momentaufnahme. Die stationären Messtationen sind in der Regel bekannt, und über die mobilen Blitzer informieren mittlerweile diverse Radiosender und Smartphone-Apps in Echtzeit. Das führt an den Kontrollstellen dazu, dass zu schnell fahrende Autofahrer abrupt abbremsen und dabei teilweise sogar die erlaubte Höchstgeschwindigkeit deutlich unterschreiten. Dies sorgt oftmals für gefährliche Situationen. Abhilfe kann da eine Abschnittskontrolle schaffen, denn diese berechnet die durchschnittliche Geschwindigkeit zwischen zwei deutlich voneinander entfernten Messpunkten.

Dieses Verfahren wird in Österreich seit über 10 Jahren angewendet, und auch in Großbritannien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz gibt es bereits ähnliche Messstellen. Ab dem kommenden Jahr will das Land Niedersachsen für 18 Monate einen Test starten, wobei der in Frage kommende Streckenabschnitt erst Ende September bekannt gegeben wird. Das Verfahren ist letztlich überall ähnlich, in Deutschland wird es folgendermaßen angewendet: Bei der Einfahrt in die Messstrecke werden alle Fahrzeuge von hinten fotografiert und die Kennzeichen elektronisch ausgelesen. Beim Ausfahren aus dem entsprechenden Abschnitt wird die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt und bei einer entsprechenden Überschreitung wird ein Beweisfoto von vorne aufgenommen. Die Daten nicht betroffener Autofahrer sollen im Anschluss "automatisch und spurlos gelöscht werden". Zudem soll sichergestellt sein, dass während des Messvorgangs keine Zugriffe auf die Daten erfolgen kann, um den Bedenken der Datenschützer gegen eine flächendeckende Überwachung der Autofahrer entgegen zu wirken. Die nachfolgende Grafik erläutert das Verfahren.



Die Vorteile des Verfahrens liegen für Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius klar auf der Hand: "Unter anderem gibt es bei der Abschnittskontrolle auch nicht die Möglichkeit, kurz vor dem Blitzer zu bremsen und direkt danach wieder Vollgas zu geben."Unter anderem gibt es bei der Abschnittskontrolle auch nicht die Möglichkeit, kurz vor dem Blitzer zu bremsen und direkt danach wieder Vollgas zu geben.". Sein Ministerium führt auch noch weitere Vorteile an:


  • Das Messsystem sorgt im Gegensatz zur derzeit eingesetzten, punktuell wirkenden Überwachungstechnik für die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit in dem gesamten definierten Streckenabschnitt, wodurch die Verkehrssicherheit in Gefahrbereichen, z. B. an Unfallhäufungsstrecken, in Tunnelanlagen oder in Baustellenbereichen wirksam und nachweislich erhöht wird.
  • Die Abschnittskontrolle stellt für die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern eine gerechtere Methode dar, da jede Fahrzeuggeschwindigkeit streckenbezogen gemessen und nur die durchschnittliche Überschreitung verfolgt wird. Ein kurzzeitiges Abbremsen im Messbereich einer herkömmlichen Punktmessung zur Vermeidung eines erfassbaren Verstoßes macht bei der Abschnittskontrolle keinen Sinn. Stattdessen können aber kurzzeitige unbeabsichtigte Geschwindigkeitsüberschreitungen im Abschnittsbereich ausgeglichen werden.
  • Die Akzeptanz der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer infolge der gerechteren Methode führt zu einer spürbaren Harmonisierung des Verkehrsflusses, wodurch neben einer Erhöhung der Verkehrssicherheit auch eine Reduzierung von Emissionen erreicht wird.
  • Darüber hinaus wird das oft gefahrenträchtige Abbremsen im Bereich stationärer oder semistationärer Punktmessungen sowie die anschließende Beschleunigung bei Abschnittskontrollen nicht mehr zu beobachten sein.

Dass die Erfahrungen durchaus positiv sind, zeigen Zahlen der österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG), die anlässlich des zehnten Jahrestages der Einführung im September 2003 bekannt gegeben wurden. Auf einzelnen Messabschnitten wurde die Durchschnittsgeschwindigkeit um rund 15 km/h gesenkt, die durchschnittliche Anzahl der Unfälle pro Jahr ging um über 50 Prozent, die Zahl der Verletzten um über 60 Prozent zurück. Auch die Zahl der Verkehrstoten konnte auf den Strecken reduziert werden, auf der zu erst eingerichteten ist seit 2003 kein einziger Unfalltoter mehr zu beklagen.

Österreich ist übrigens nicht das erste Land, das auf die Abschnittskontrolle setzt. Als Pionier auf diesem Gebiet darf die ehemalige DDR betrachtet werden. Transitreisende von und nach West-Berlin bekamen an den jeweiligen Grenzkontrollstellen einen Laufzettel, auf dem auch der Zeitpunkt der Einfuhr in die DDR vermerkt war. Wer die Gegenstelle deutlich schneller erreicht hat, als dies mit den maximal zulässigen 100 km/h möglich war, wurde bei der Ausreise zur Kasse gebeten. Dabei wurde die Strafe, wie im Sozialismus üblich, einkommensabhängig oder zumindest fahrzeugbezogen festgelegt. Die Fahrer dicker Oberklasse-Limousinen mussten für ihre Überschreitungen teilweise deutlich mehr bezahlen, als zum Beispiel einem Student im Kleinwagen berechnet wurde.
 
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