McLaren 650S Spider: Nachfolger des MP4-12C im Fahrbericht von Autoextrem

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geronimo

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Als die Automobilabteilung des Rennstalls McLaren 2011 mit dem MP4-12C den ersten komplett selbst entwickelten Supersportwagen seit fast 20 Jahren auf den Markt gebracht hat, gab es fast nur überschwängliches Lob. In England war man mit dem Ergebnis offenbar nicht ganz zufrieden, denn nach nur drei Jahren wurde mit dem 650S ein überarbeiteter Nachfolger vorgestellt. Wir hatten die Gelegenheit, die offene Version namens Spider auf einer kurzen Ausfahrt unter die Lupe zu nehmen


Eigentlich gab es am MP4-12C nur einen wirklichen Kritikpunkt, nämlich den Namen. Diesen hat Jeremy Clarkson als Moderator der britischen Autosendung Top Gear mit der Bezeichnung eines Faxgerätes verglichen. Ansonsten hat er dem britischen Geschoss attestiert, einer der besten Sportwagen aller Zeiten zu sein, was die übliche schnelle Runde auf dem eigenen Rundkurs durch den anonymen Rennfahrer The Stig eindrucksvoll bestätigt hat. Die Zeit von knapp über 1:16 min war zum Zeitpunkt des Tests die zweitschnellste jemals gefahrene, wobei Fahrzeuge wie Lamborghini Aventador, Bugatti Veyron Super Sport und sämtliche Ferrari abgehängt wurden.

Bei McLaren hat man sich aber keinesfalls auf den Lorbeeren ausgeruht und die Basis noch einmal verbessert. Auffälligstes Merkmal ist die komplett veränderte Front, die deutlich an den mehrfach teureren und bereits ausverkauften Hybrid-Supersportwagen P1 angelehnt ist. Auch am Fahrwerk sowie im Innenraum wurde einige Verbesserungen vorgenommen. Zudem wurde auch die Leistung noch einmal deutlich erhöht, wobei die zusätzlichen 25 PS weniger ins Gewicht fallen als das um satte 80 Nm erhöhte maximale Drehmoment. So gestärkt und verbessert erreicht der 650S (der Name gibt die Leistung in PS wieder) in 3 Sekunden Tempo 100 und in deutlich weniger als 9 Sekunden die Marke von 200 km/h. Dabei ist es absolut erstaunlich, wie komfortabel das Fahrzeug in seiner Grundeinstellung ist. Straßenunebenheiten wie Gullideckel oder ähnliches werden überraschend gut gefiltert, was den Wagen sowohl alltags- als auch langstreckentauglich macht. Zumindest dann, wenn man auf die sehr harten und extrem engen optionalen Sportsitze des P1 verzichtet, die in unserem Testfahrzeug verbaut waren.

Sobald man aber an den beiden dreistufigen Reglern auf der übersichtlichen Mittelkonsole spielt, ist ganz schnell Schluss mit lustig. Damit lässt sich einerseits das Fahrwerk und Lenkung aus der Einstellung Normal in Richtung Sport oder gar Rennstrecke verschieben, zum anderen können unabhängig davon die Motorsteuerung und die Traktion ebenfalls auf diese Vorgaben verschärft werden. Dann benimmt sich der 650S wie ein echter Supersportwagen, wobei ein gewisser Restkomfort erstaunlicherweise immer noch erhalten bleibt. Mit den auf diese Weise veränderten Einstellungen werden Kurvengeschwindigkeiten ermöglicht, die normale Fahrer auf normalen Landstraßen niemals auch nur halbwegs ausreizen können. Dabei verhält sich der 650S absolut neutral, und dank seiner extremen Traktion wird die Kraft des Supersportler trotz reinem Heckantrieb ohne Schlupf auf die Straße gebracht. Und das sogar auf leicht feuchten Straßen, die bei unserer Ausfahrt leider teilweise vorhanden waren. Angst vor einem ungewollten Ausbrechen des Hecks muss hier offenbar niemand haben, was bei der Konkurrenz teilweise deutlich anders ist.

Das ganze geht einher mit einem sehr sportlichen Sound, der aber deutlich verbindlicher ist als beim von uns ebenfalls bereits gefahrenen Jaguar F-Type V8 S. Das ist einerseits ein wenig überraschend, unterstreicht aber andererseits tatsächlich die Alltagstauglichkeit, denn auf langen Strecken dürfte der Jaguar um einiges anstrengender sein. Zudem ist der McLaren auf diese Weise auch freundlicher denjenigen Passanten gegenüber, die für den "Krach" des Jaguar nur ein entsetztes Kopfschütteln übrig haben. Das liegt auch daran, dass man bei McLaren auf die mittlerweile üblichen Klappen im Auspuff verzichtet und den Klang eher ins Wageninnere leitet, als die Umwelt damit zu belästigen. Um aber allen Missverständnissen vorzubeugen: ein leises Auto ist der 650S keineswegs und sein Sound ist - zumindest für die Fans - atemberaubend. Das kann im von uns gefahrenen Cabrio namens Spider sogar bei geschlossenem Dach genossen werden, denn die als Windschott dienende Heckscheibe kann auch bei geschlossenem Dach versenkt werden. Somit sitzt man einerseits im Trockenen, kann aber andererseits den Motorsound nahezu ungedämpft genießen.

Doch der 650S ist nicht nur in kurzer Zeit sehr schnell, sondern kommt mindestens ebenso schnell wieder zum stehen. Das liegt an der inzwischen serienmäßigen Karbon-Keramik-Bremse, die sowohl brutal als auch hervorragend gut dosierbar verzögert. Serienmäßig ist dabei ein durchaus gutes Stichwort, denn im Grundpreis von 255.000 Euro ist schon fast alles enthalten, was benötigt wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass es für den 650S keine Extras gibt. Die Käufer haben immer noch die Möglichkeit, verschiedene Farben, Felgen und Sitze, ein Soundsystem von Meridian, die dringend empfohlenen Parksensoren und eine Rückfahrkamera oder eine ebenso empfehlenswerte Höhenverstellung des Fahrwerks für Tiefgarageneinfahrten zu wählen. Zudem gibt es natürlich die Möglichkeit, Sichtkarbon an nahezu allen Stellen des Fahrzeugs verbauen zu lassen, sei es in der Mittelkonsole, bei der Motorabdeckung, dem Diffusor, den Türeinstiegen und sogar im Markenzeichen. Viel mehr als zusätzliche 20 Prozent auf den Grundpreis lassen sich aber nicht erreichen, während bei den Mitbewerbern auch wesentlich höhere Zuschläge möglich sind.

Unsere Ausfahrt hat eindrucksvoll bestätigt, dass der McLaren 650S zu den derzeit besten Supersportwagen der Welt gehört, der sich vor allem vor der Konkurrenz aus Italien nicht verstecken muss. Ganz im Gegenteil, denn diese erreicht teilweise nicht einmal annähernd den absolut gelungenen Kompromiss aus Fahrspaß, Leistung und Komfort, gepaart mit absolut hochwertiger Verarbeitung. Allenfalls beim Image graben die Italiener den Briten das Wasser ab, doch das dürfte den Besitzern herzlich egal sein. Immerhin ist Understatement auch eine der britischen Tugenden, die der 650S hervorragend und völlig unaufgeregt umsetzt.
 
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