Maserati Ghibli Diesel im Fahrbericht von Autoextrem

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geronimo

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Bei Maserati dürfte man sehr froh sein, dass Marken wie Jaguar oder Porsche bereits seit einigen Jahren sportliche Limousinen mit Diesel-Motor anbieten. So bleiben dem italienischen Herstellern ausufernde Diskussionen mit Traditionalisten, die einen solchen Antrieb in den Fahrzeugen der jeweiligen Marken für ausgemachten Frevel halten, größtenteils erspart. Dabei gäbe es rund um den Ghibli und seine Motoren durchaus einiges, was man diskutieren könnte


Der neue Maserati Ghibli ist der kleine Bruder der erst vor kurzem vorgestellten Oberklasse-Limousine Quattroporte, wobei klein natürlich relativ ist. Zwar ist der Quattroporte fast 30 cm länger, doch mit seinen 4,97 m ist der Ghibli nicht gerade ein Kleinwagen. Dabei merkt man die reduzierte Länge erst einmal nur auf den Rücksitzen, wo es deutlich weniger Platz gibt als im neuen Quattroporte. Das Kofferraumvolumen fällt mit 500 Litern nur 30 Liter geringer aus als beim großen Bruder, was jedoch zu vernachlässigen ist. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber noch eine Stelle, an der sich die geschrumpften Maße bemerkbar machen, nämlich unter der Motorhaube des Ghibli. Hier gibt es deutlich weniger Platz als beim größeren Modell, weshalb die Italiener auf den Einbau ihrer legendären V8-Motoren verzichten müssen.

Zum Einsatz kommen somit ausschließlich Sechszylinder-Triebwerke mit 3 Litern Hubraum, die die italienische Fiat-Tochter VM Motori beisteuert. Der Diesel des Ghibli bringt es auf 202 kW/275 PS sowie 570 Nm Drehmoment. Damit sind durchaus artgerechte Fahrleistungen möglich, denn so ausgestattet beschleunigt die italienische Limousine in 6,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Kraftverteilung übernimmt dabei eine Achtstufen-Automatik des deutschen Zulieferers ZF, für die notwendige Verzögerung sorgen Bremsen des italienischen Herstellers Brembo. Im Zusammenspiel mit den sportlich ausgelegten, aber dennoch komfortablen Fahrwerk - das im Testwagen das gegen Aufpreis erhältliche elektronische Skyhook-System mit kontinuierlicher Dämpfungsregelung war - lassen sich so flott und bequem auch längere Strecken zurücklegen. Dabei erweist sich das moderne Aggregat als relativ genügsamer Beifahrer, wobei man das richtige Benzinsparen lieber anderen überlässt.

Das bedeutet, dass man als Fahrer und Besitzer mit Werten um die oder über 10 Liter auf 100 km leben muss. Im Vergleich zum Durst der sonstigen Fahrzeuge der Marke ein sensationell niedriger Wert. Somit sagt der Verstand schon einmal "ja" zum Ghibli, doch was sagt das Herz? Nun, das ist dann doch ein zweischneidiges Thema. Zwar besticht des Ghibli durch eine gute Verarbeitung, eine endlich halbwegs vernünftige Bedienung, edle Materialien und ausgefallene Extras. Zu letzteren gehören sicherlich auch die verstellbaren Pedale, die zusammen mit den vielfach einstellbaren Sitzen eine ideale Sitzposition ermöglichen. Doch beim Fahren muss man sich erst einmal an die Auslegung des Italieners gewöhnen. Die Gasannahme erfolgt nur verzögert, das Gaspedal scheint eine Art inneren Widerstand zu haben. Die Lenkung ist auf der Straße sportlich-schwergängig, in der Stadt jedoch dennoch halbwegs leicht benutzbar. Und die Automatik schaltet gelegentlich etwas ruppig, was man von den sonstigen Getrieben von ZF so eigentlich nicht gewohnt ist.


Anders sieht die Situation aus, wenn man als Fahrer den Sportmodus wählt. Plötzlich wird der leichteste Tritt auf das rechte Pedal in Vortrieb umgesetzt, von der bisherigen Trägheit ist fast nichts mehr zu spüren. Gleichzeitig werden die Schaltzeiten verkürzt und die Gänge höher ausgedreht. So geschärft, zeigt der Ghibli was wirklich in ihm steckt. Das wirkt sich allerdings nicht auf die Lenkung aus, die auch in diesem Modus relativ schwergängig ist. Für den Alltagsbetrieb ist das eigentlich schon zuviel, denn entspanntes Cruisen mit einer Hand am Lenkrad ist fast nicht möglich. Dafür entschädigt der Ghibli besonders in dieser Sport-Einstellung mit einem satten V8-Sound.

Moment, V8-Sound? Wo soll der denn bei Einsatz eines V6-Diesel herkommen? Nun ja, vom Motor auf jeden Fall nicht. Und das ist der Punkt, an dem Traditionalisten viel eher aufheulen sollten als beim Einsatz eines umweltfreundlichen und sparsamen Diesel. Das, was der Hersteller so nett als "Active Sound (Aktives Abgas-Soundsystem)" umschreibt, ist nichts anderes als ein Lautsprecher und ein entsprechendes Programm, über das der Umwelt vorgespielt wird, dass hier ein "echter" Maserati unterwegs ist. Sorry, liebe Italiener, aber das ist eigentlich nur peinlich. Klappengesteuerte Auspuffanlagen, die je nach gewähltem Programm auch den Klang variieren, gehören ja schon länger zum Alltag bei sportlichen Fahrzeugen. Aber wenn einfach kein Klang da ist, dann sollte man auch keinen künstlich erzeugen. Über diesen Standpunkt lässt sich sicherlich lange und kontrovers diskutieren, aber wenn man erst einmal weiß, dass alles was man hört nur ein Fake ist, lässt bei vielen die Faszination schlagartig nach.

Dennoch wird der Maserati Ghibli seinen Weg machen, wenn nicht als Diesel dann als Benziner. Bei dieser Motorisierung können die Italiener auf solche Spielereien verzichten, denn diese Motoren haben offenbar genügend eigenen Klang, der sich nach außen tragen lässt. Zusammen mit den Kunden, die sich am künstlichen Klang des Diesel nicht stören, sollten die angepeilten mehr als 20.000 verkauften Modelle schon machen lassen. Mittelfristig will Maserati seine Absätze dank des neuen Modells auf knapp 50.000 Exemplare nahezu verdoppeln. Bei Einstandspreisen ab 65.000 Euro kein ganz unrealistisches Ziel, auch wenn der Ghibli es wohl kaum zu einem Massenfahrzeug bringen dürfte. Dem dürften die Vorbehalte der Flottenmanager großer Unternehmen und die entsprechenden Konzernrichtlinien entgegenstehen, die einen Maserati oftmals von vornherein als Geschäftsfahrzeug ausschließen. Die Individualisten unter dem Kunden dürfte das wiederum freuen.
 
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