Lexus RC F: Coupé mit V8-Sauger und Heckantrieb im Langstrecken-Test - Teil 2

Diskutiere Lexus RC F: Coupé mit V8-Sauger und Heckantrieb im Langstrecken-Test - Teil 2 im Lexus RC Forum im Bereich Lexus; Der Lexus RC F ist die japanische Antwort auf den Audi RS 5, der als eines der letzten Sportcoupés mit einem frei atmenden V8 ohne Turbolader...
Der Lexus RC F ist die japanische Antwort auf den Audi RS 5, der als eines der letzten Sportcoupés mit einem frei atmenden V8 ohne Turbolader aufwartet. Im Gegensatz zum Ingolstädter Zweitürer, der nur mit Allradantrieb ausgeliefert wird, verfügt der Ableger der Nobelmarke von Toyota aber über einen Heckantrieb. Das verspricht zumindest in der Theorie reichlich Fahrspaß


Dass Lexus auch anders als eher vernünftig kann, hat man bereits Ende 2010 mit dem sündhaft teuren LFA bewiesen. Das deutlich preiswerte Sport-Coupé RC F hat einige von dessen Genen übernommen, was man beispielsweise am digitalen Drehzahlmesser im Cockpit sehen kann. Noch deutlicher wird die geistige Verwandtschaft aber dadurch, dass beide Fahrzeuge mit Hinterradantrieb ausgestattet sind. Angesichts einer Leistung von satten 477 PS ist das beim RC F eine durchaus giftige Kombination. Doch keine Bange, es gibt leider genügend Bremsklötze, die den japanischen Dynamiker nicht abheben lassen.

Motor:

Der nicht aufgeladene V8 ist das Highlight des Lexus RC F. Das Aggregat holt aus 4.969 cm³ Hubraum immerhin 477 PS Leistung und ein Drehmoment von 530 Nm. So befeuert geht es in rund 4,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit werden 270 km/h genannt, doch das ist ein abgegelter Wert. Ohne die künstliche Beschränkung wären wohl auch an die 300 km/h oder sogar knapp darüber drin. Prinzipbedingt verlangt dieser Motor aber nach Drehzahl. Das bedeutet, dass unterhalb von rund 3.800 Umdrehungen pro Minute (U/min) gefühlt "nichts" passiert. Oberhalb dieser Marke aber wird der RC F zum Monster, was sich in ungehemmten Vortrieb ausdrückt. Mit maximal 7.300 U/min kommt der V8 aber nicht ganz so hoch wie der erwähnte RS 5, der weit über 8.000 U/min schafft.

Ab dem genannten Wert macht sich der Motor auch akustisch bemerkbar. Anfangs in Form eines relativ sonoren Brummens, dass aber mit steigender Drehzahl immer schriller wird, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Dabei greifen natürlich die üblichen Regeln solcher Fahrzeuge, denn im Sportmodus ist der Klang etwas prägnanter und rauher als im Normalbetrieb. Dass man damit seiner Umwelt auf die Nerven geht, ist aber eher nicht zu befürchten, denn Lexus setzt auf ein System namens "Adaptive Sound Control" (APS). Mit diesem werden "die Ansauggeräusche sowie der Motor- und Auspuffsound im Innenraum angereichert". Die Ausgabe der künstlichen Töne des Soundgenerators erfolgt über die Lautsprecher der Soundanlage, in Fall unseres Testwagens also über die insgesamt 17 Schallwandler der im 1. Teil des Testes gelobten Anlage von Mark Levinson.


Getriebe:

Der beste Motor nützt nichts, wenn die Kraft nicht ordentlich auf die Straße gebracht wird. Damit dies auch funktioniert, setzt Lexus auf ein neu entwickeltes Achtgang-Direktschaltgetriebe, das mit einer Wandlerüberbrückung der Gänge 2 bis 8 kombiniert wird. So soll das Hochschalten im Sport-Programm gerade einmal 0,1 Sekunden benötigen und ohne Zugkraftunterbrechung erfolgen. Und das klappt auch hervorragend. An anderer Stelle läuft es nicht ganz so reibungslos. Doch der Reihe nach: nach dem Start ist immer das Programm Normal eingestellt, und dieses wirkt wie Fahren mit leicht angezogener Handbremse. Beim Losfahren muss das Gaspedal ziemlich weit bewegt werden, bis etwas passiert, und auch danach geht es gefühlt mit gebremsten Schaum weiter. Doch trotz dieser Auslegung neigt die Automatik zu einer gewissen Hektik, denn unterwegs wird bereits beim leichten Gasgeben oder an sanften Steigungen zurückgeschaltet - und das geht leider längst nicht so unmerklich wie das Hochschalten und daher teilweise mit einem leichten Kopfnicken einher.

Im Programm Sport S hingegen reagiert das Gaspedal aus dem Stand heraus so heftig, dass man Gefahr läuft, beim Ampelstart auf den Vordermann aufzufahren. Während der Fahrt werden Befehle an das rechte Pedal deutlich zügiger umgesetzt, als das im Normalmodus der Fall ist. Und das häufige, jedoch oftmals eigentlich unnötige Hochschalten entfällt, weil insgesamt mit einem höheren Drehzahlniveau gefahren wird. Das ist also der Modus, in dem der Wagen bevorzugt bewegt werden sollte, sofern man nicht mit konstanter Geschwindigkeit auf einer Autobahn unterwegs ist. Und falls der vermeintlich passende Gang nicht eingelegt ist, kann über die Schaltpaddles am Lenkrad jederzeit auf manuelle Schaltung umgestellt werden, was hervorragend und nahtlos funktioniert. Erfreulicherweise wird dabei bei erreichen der Maximaldrehzahl nicht zwangsweise hochgeschaltet, was bei deutschen Fahrzeugen gerne mal der Fall ist.

In diesem manuellen Modus ist dem Getriebe eine gewisse Trägheit beim Zurückschalten allerdings nicht abzusprechen. Vor allem dann, wenn es gleich um mehrere Gänge zurückgeht, um beispielsweise nach einer langsam durchfahrenen Baustelle wieder auf Autobahngeschwindigkeit zu beschleunigen. In diesem Fall vergehen gefühlt mehrere Sekunden, bis die gewünschte Fahrstufe tatsächlich eingelegt ist.

Fahrverhalten:

Ein Großteil unserer Fahrt von insgesamt 1.414 km ging über die Autobahn. Und diese war am Feiertag heute vor einer Woche so leer, dass ein sehr hohes Tempo gefahren werden konnte. In der Spitze wurden Geschwindigkeiten über 250 km/h erreicht, und die Durchschnittsgeschwindigkeit lag trotz zahlreicher Baustellen mit Tempolimits von 60 oder km/h bei weit über 100 km/h. Trotz dieser forcierten Gangart entsteigt man dem RC F aber recht entspannt, denn der Federungskomfort ist für ein sportlich ausgelegtes Fahrzeug mehr als angenehm. Zumindest dann, wenn man sich außerhalb von Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz befindet, denn hier wurde man durch die unebene Straßenoberfläche der A3 teilweise ordentlich durchgeschüttelt. In dem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass sehr schnell gefahrene Autobahnkurven den RC F durchaus einmal aus der Ruhe bringen können, ohne dass jedoch größere Unsicherheiten entstehen.

Auf der Landstraße macht das Coupé eine nicht ganz so gute Figur, wofür neben dem erwähnten Getriebe vor allem das hohe Gewicht verantwortlich ist. Immerhin ist der RC F bis zu 150 kg schwerer als der mit gewichtigem Allradantrieb ausgestattete RS 5, woran die im 1. Teil erwähnten Carbon-Teile nur relativ wenig ändern. Insofern ist es trotz Heckantrieb vergleichsweise schwierig, den Lexus auch mit dem Gaspedal durch Kurven zu steuern. Wer es also auch in Kurven richtig krachen lassen will, ist mit dem Audi RS 5, einem Porsche 911 oder dem allerdings ungleich teureren BMW i8 sicher besser bedient. Mit anderen Worten: auch auf der Landstraße ist der Lexus RC F eher ein flotter Gran Tourismo, als ein echter Sportwagen. Das ist ganz sicher kein Fehler, sollte potenziellen Kunden aber in jedem Fall bewusst sein.

Verbrauch:

Der vermeintliche Vorteil des im 1. Teil erwähnten Downsizing ist der angeblich deutlich niedrigere Verbrauch. Diverse Tests haben allerdings gezeigt, dass dieser Pluspunkt extrem relativ ist, vor allem bei höheren und hohen Geschwindigkeiten. Nach Abschluss unseres Testes scheint sich das durchaus zu bestätigen, denn sowohl der im Bordcomputer angezeigte, als auch der anhand der Tankquittungen errechnete Durchschnittsverbrauch lag bei 13,6 Litern auf 100 km. Angesichts der Fahrweise darf das als überaus angemessen angesehen werden. Vor allem auch deshalb, weil auf der mehrfach erwähnten Fahrt nach Franken aufgrund des hohen Tempos deutlich über 17 Liter verbraucht wurden. Zum Vergleich: der Lexus RC F hat fünfeinhalb mal soviel Leistung wie das eigene Autos des Autors dieses Artikels, verbraucht aber bei deutlich dynamischerer Fahrweise nur rund das doppelte.

Fazit: Der Lexus RC F ist ein Wolf im Schafspelz. Und das gleich im mehrfacher Hinsicht, denn einerseits ist er unauffällig genug, weshalb ihn Neider und Umweltfetischisten eigentlich gar nicht wahrnehmen. Andererseits ist er aber so auffällig, dass er die Autobahn vor sich leer räumt. Und das ist gut so, denn das Coupé ist wie geschaffen für eine flotte Langstrecken-Tour. Dabei ist die Geräuschkulisse zwar präsent, aber nie wirklich nervig. Insofern qualifiziert sich der Japaner als überaus flottes Reisemobil. Das dann auch der Landstraße Spaß machen kann, sofern man dort keine Rekorde aufstellen will. Von daher tritt der Lexus wohl eher gegen das neue E-Klasse Coupé in der AMG-Version an, als gegen den mehrfach erwähnten Audi. Uns hat der Wagen - trotz einiger Nachteile - sehr gut gefallen.

Meinung des Autors: Wer ein (sehr) schnelles Reise-Coupé sucht, sollte vielleicht einmal über den deutschen Tellerrand hinausschauen. Und den Blick nach Japan wenden, denn dort baut Lexus den RC F, der auf der "german autobahn" eine sehr gute Figur abgibt. Allerdings sollte man dem Hersteller nicht unbedingt glauben, wenn er den Zweitürer als Sportwagen bezeichnet.
 
Thema:

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