Leder im Auto: eine vom Aussterben bedrohte Art - Alternativen im Überblick

Diskutiere Leder im Auto: eine vom Aussterben bedrohte Art - Alternativen im Überblick im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; Wenn es in einem Fahrzeug edel sein sollte, führt derzeit immer noch kein Weg an Leder vorbei. Doch nach und nach werden die Tierhäute durch...
Wenn es in einem Fahrzeug edel sein sollte, führt derzeit immer noch kein Weg an Leder vorbei. Doch nach und nach werden die Tierhäute durch Materialien ersetzt, auf denen sich auch Vegetarier und Veganer wohl fühlen. Und die vielleicht auch etwas praktischere Eigenschaften haben, als schön auszusehen und gut zu riechen


James May, bekannt als "Captain Slow" aus dem Team der Autosendung Top Gear, hat sich in der Nachfolgesendung The Grand Tour erneut über die aus seiner Sicht erheblichen Nachteile von Leder beklagt. Im Sommer heiß, im Winter kalt und man rutscht die ganze Zeit nur hin und her. Seine Argumentation unterstrich er mit dem Bild eines Chauffeur-Wagen aus den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts: der nicht überdachte Platz des Fahrers war mit robustem, wetterfestem und preiswertem Leder bezogen, während im komfortablen Innenraum selbstverständlich edler Stoff als Bezug verwendet wurde.

Heutzutage ist hat sich das gewandelt, denn das "Fußvolk" sitzt auf Textil, während diejenigen, die es sich leisten können, auf Leder gebettet werden. Was allerdings an den obigen Argumenten wenig ändert, denn wenn man ehrlicherweise muss man zugegeben, dass Lederbezüge wirklich nicht besonders praktisch sind. Doch inzwischen gibt es noch weitere Vorbehalte gegen das Material, denn in Zeiten von "Bio" allerorten mutet es schon ein wenig anachronistisch an, wenn beispielsweise ein neuer Rolls-Royce mit Leder von bis zu zwölf Kühen ausgeschlagen wird.

Die Autohersteller suchen dementsprechend nach Alternativen. Eine davon ist seit einiger Zeit Alcantara, ein Wildleder-ähnlicher Mikrofaserstoff, der ausschließlich in Italien produziert wird. Das robuste und gleichermaßen pflegeleichte Material wird bereits bei Sitzbezügen, Lenkrädern, Cockpitverkleidungen und anderen Autoteilen verbaut. Doch das reicht den Herstellern lange noch nicht, weshalb an weiteren Alternativen gearbeitet wird. Bei der Studie des des ersten reinen Elektroautos von Audi hat sich Designer Macr Lichte etwas besonderes einfallen lassen: "Wir experimentieren hier mit einem sehr hochwertigen Material aus Bambusfasern, das gut zum ökologischen Anspruch eines Elektroautos passt und gute Chancen auf eine Serienfertigung hat.". Bei Tesla hat man auf eine Petition von PETA reagiert, und eine lederfreie Version des Model X ins Programm genommen, bei der Textilien und Kunstleder verwendet werden.

Die neue Materialauswahl stellt die Hersteller aber auch vor Probleme. Denn Fakt ist: an Leder kann man sehr gut verdienen. Bei Audi gibt es Lederpakete im Wert eines Kleinwagens, und auch bei anderen Produzenten sind die Aufpreise happig. Für Stoff oder andere Alternativen, egal wie exotisch und nobel sie auch sein mögen, sind die Käufer hingegen (noch) nicht bereit, die Geldbörse soweit zu öffnen. Für eine gewisse Abhilfe sollen hier bekannte Markennamen sorgen, was bislang eher von den verbauten Audiosystemen her bekannt gewesen ist. So bietet etwa Range Rover die Sitze des neuen Velar mit Stoffen des renommierten dänischen Designunternehmens Kvadrat an, für die der gleiche Aufpreis wie für eine Lederausstattung verlangt wird.

Allerdings muss das umdenken auch in den Köpfen der Käufer stattfinden. Und damit ist offenbar noch nicht so weit her, denn Jahrzehnte, in denen Leder das Maß aller Dinge beim Luxus in Autos gewesen ist, kann man nicht so einfach löschen. Und daher setzen sich entsprechende Angebote auch nur sehr langsam am Markt durch, wie Mercedes-Pressesprecherin Silke Kögler sagt: "Wir bieten zwar weltweit und in allen Fahrzeugsegmenten Modelle an, die auf ein lederfreies Interieur umgerüstet werden können. Doch aufgrund der sehr geringen Nachfrage sind das stets Einzelanfertigungen". Was man in Stuttgart und auch andernorts sicher nicht schlimm findet, weil man so weiterhin mit vergleichsweise wenig Aufwand relativ hohe Einnahmen erzielen kann.

(Mit Material von" Automobilwoche)​



Meinung des Autors: Auf Leder im Auto zu verzichten, kann durchaus moralische Gründe haben, in den meisten Fall dürften es aber eher praktische Erwägungen sein. Vor allem in der automobilen Luxusklasse ist man darauf noch nicht wirklich vorbereitet, doch man arbeitet dran. Und dann dürfte auch "Captain Slow" zufrieden sein.
 
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