Kurzer Bremsweg: 30-Meter-Marke fast geknackt - Stand der Technik und Messergebnisse

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geronimo

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Es ist gar nicht so lange her, da galten 40 Meter für die Verzögerung von 100 auf 0 km/h als Schallmauer. Inzwischen ist es nur eine Frage der zeit, wann die ersten Fahrzeuge eine 2 vorne stehen haben. Doch der gemessene Bremsweg ist von vielen Faktoren abhängig, und die Angaben schwanken je nach Quelle extrem


Ein wichtiger Leistungswert bei Autos ist die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, bei der mittlerweile ein Elektroauto die Messlatte ist. Im Alltag ist aber ein anderer Wert viel entscheidender, nämlich die Strecke, die ein Fahrzeug bis zum Stillstand benötigt. Mitte der 1990er galten 40 Meter als Ziel, die damals nur die besten Sportwagen unterboten. Ende der 1990er war es dann auch in der Kompaktklasse soweit, die Bestmarke wurde damals mit 38,5 Metern aus Tempo 100 bis zum Stillstand gemessen. Doch das sollte längst nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn im Jahr 2000 gab der Zulieferer und Reifenspezialist Continental das "30-Meter-Autos" als neues Ziel aus.

Um dies zu erreichen, sind viele verschiedene Technologien notwendig und viele Faktoren zu berücksichtigen. Entscheidenden Fortschritt brachten elektrohydraulische Bremsen, aber auch massive Fortschritte bei der Computertechnologie, die schnellere und gezieltere Regelelektronik ermöglichte. Auch bei den Materialien wurden Fortschritte gemacht, und zwar sowohl bei den Komponenten der Bremsen wie Scheiben und Beläge, als auch bei den Reifen, die die Verbindung zur Fahrbahn darstellen. Während erstere höheren Belastungen standhalten, sind letztere durch geänderte Gummimischungen griffiger geworden, was sich direkt auf die Länge des Bremswegs auswirkt. Und diesen Fortschritt merkt man aktuellen Fahrzeugen an, denn die Bremswege sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich kürzer geworden.

Derzeitiger Spitzenreiter ist der Ferrari 488 GTB, der in einem Test vom auto, motor und sport (ams) nach gerade einmal 30,2 Metern gestanden hat. Kaum schlechter ist der Porsche 911 Carrera GTS, der nur 30,6 Meter benötigt hat. Doch heutzutage kommen nicht nur Sportwagen schnell zum stehen, sondern auch "normale" Fahrzeuge. Zumindest dann, wenn es sich um die Sportversionen handelt, die zumeist mit größeren Bremsen und sportlicheren Reifen ausgestattet sind. So bringt es demnach ein Seat Leon Cupra 280 bei ams auf nur 32,7 Meter.

Doch der Haken an der Sache ist, dass die Ermittlung des Bremswegs von vielen Faktoren abhängt und zudem nicht einheitlich geregelt ist. Zu den äußeren Einflüssen zählen Luft- und Asphalttemperatur, Fahrbahnoberfläche, verwendeter Reifen und dessen Reifendruck und einige andere Dinge. Abweichungen gibt es auch durch die Prüfmethode: Bei ams werden die Bremsen in neun vorherigen Versuchen aufgewärmt, die 10. Vollbremsung liefert das Testergebnis. Bei Autobild geht man anders vor: dort werden ebenfalls 10 Bremsungen gemacht, im Anschluss wird aber aus den neun Versuchen mit warmen Bremsen, sowie den zehn Tests mit kalten und warmen Scheiben ein Durchschnittswert gebildet. Noch etwas anders macht es der ADAC, denn hier wird ein Mittelwert aus 10 Vollbremsungen gebildet.

Daher fallen bei den beiden letztgenannten Institutionen die ermittelten Werte auch höher aus bei ams. Bei klassischen Fahrzeugen wie Kleinwagen sowie Kompakt- und Mittelklasse ermittelt Autobild Bestwerte um die 34 Meter, die breite Masse der Besten liegt allesamt unter 38 Meter. Bei den Kleinstwagen ist die Spreizung etwas größer, die besten wie ein Opel Karl oder ein VW up! kommen zwar immer noch nach 35,x Metern zum Stillstand, ein aktueller renault Twingo braucht hingegen immer noch fast 40 Meter.

Der ADAC sortiert sich mit seinen Ergebnissen quasi zwischen ams und Autobild ein. Als Bester geht das Porsche 911 Carrera Cabriolet mit 31,3 Metern aus dem Test hervor. Doch der Mini One D zeigt mit 32,7 Metern, dass Kleinwagen nicht zwingend schlechter sein müssen. Am anderen Ende des Testfeldes findet sich der Transporter Citroen Jumper Combi, der stolze 47,8 Meter benötigte. Das zeigen die Tests nämlich auch: abseits der Besten gibt es noch viel Platz für Verbesserungen. Und die beliebten SUVs sind beim Bremsen immer im Nachteil, denn aufgrund des höheren Gewichts in Verbindung mit einem hohen Schwerpunkt benötigen sie in der Regel ein bis drei Meter mehr Strecke, als herkömmliche Autos.
(Bildquelle: ams)​


Meinung des Autors: Die Beschleunigung von 0 auf 100 ist ein Wert für den Stammtisch, die Verzögerung von 100 auf 0 ist wichtig im Alltag. Daher ist es durchaus erfreulich, dass es hier in der jüngeren Vergangenheit große Fortschritte in allen Fahrzeugklassen gegeben hat. Leider aber nicht bei allen Fahrzeugen, denn einige Autos bremsen auch heute noch erschreckend schlecht.
 
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