Kältemittel R1234yf: noch gefährlicheres Abbauprodukt als Flusssäure entdeckt - Neubewertung gefordert

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geronimo

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Das neue Kältemittel für Klimaanlagen R1234yf steht seit längerer Zeit in der Kritik, weil bei einem Fahrzeugbrand hochgiftige Flusssäure entstehen kann. Der Autobauer Mercedes weigert sich aus diesem Grund, das umstrittene Mittel einzusetzen, und riskiert dabei mit Unterstützung der Bundesregierung sogar einen Streit mit der EU. Doch möglicherweise ist Flusssäure sogar nur das kleinere Problem, denn jetzt haben Chemiker ein noch viel gefährlicheres Gift in dem brennenden Kältemittel entdeckt



In eigenen Tests hatte Mercedes das hohe Gefährdungspotenzial von R1234yf nachgewiesen und sich in der Folge geweigert, seinen gesetzlichen Verpflichtungen zur Verwendung des Kältemittels nachzukommen. In der Folge gab es sogar ein Zulassungsverbot in Frankreich, nachdem der Hersteller mit einem offenbar legalen Trick für eine Freigabe des alten Mittels R134a gesorgt hatte. Neben Mercedes teilte auch Mazda die bedenken und bot für Fahrzeuge mit R1234yf eine Rückrüstung auf das ältere Mittel an. Später wurden die Bedenken dieser beiden - und noch einiger weiterer Hersteller - durch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bestätigt, die in einem eigenen Brandversuch die Gefahren durch entstehende Flusssäure nachgewiesen hat.

Doch offenbar gehen von R1234yf noch ganz andere Gefahren aus, wie jetzt Chemiker der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München festgestellt haben. Dazu sagt Andreas Kornath, Professor für Anorganische Chemie an der LMU München: "Es war schon länger bekannt, dass R1234yf beim Verbrennen den Giftstoff Fluorwasserstoff freisetzt. Mit unserer Analyse konnten wir nun nachweisen, dass 20 Prozent der Brandgase aus dem noch giftigeren Carbonylfluorid bestehen". Zu den Gefahren beider Stoffe liefert die LMU eine eindrucksvolle Erläuterung:
Carbonylfluorid ist ein Abkömmling des Kampfstoffs Phosgen, der im ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. Bereits Fluorwasserstoff (Flusssäure) ist stark ätzend und so giftig, dass eine handtellergroße Verätzung zum Tod führen kann. Das Gift bindet das Kalzium im Körper, was Herzversagen auslöst, wenn kein Gegenmittel aufgetragen wird. Carbonylfluorid ist noch toxischer, da es leichter in den Körper eindringen kann. Es reizt die Augen, Haut und Atemwege. Wird Carbonylfluorid eingeatmet, kann es schlimmstenfalls die Lungenbläschen verätzen, in den Blutkreislauf eindringen und zum Tod führen.
Mit diesen neuen Erkenntnissen dürfte man sich in Stuttgart in seiner Haltung bestätigt sehen und auch weiterhin konsequent auf das von Honeywell und DuPont produzierte R1234yf verzichten. Sinnvoller wäre natürlich, wenn die Einführung des Mittels vorerst flächendeckend ausgesetzt wird, damit die Risiken gerade in Bezug auf Carbonylfluorid noch weiter untersucht werden. Das sieht auch Kornath so: "Bisherige Risikoanalysen der Hersteller des neuen Kältemittels haben Carbonylfluorid jedoch ignoriert. Angesichts unserer Ergebnisse regen wir an, die Risiken des Kältemittels R1234yf neu zu bewerten".
 
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Tinkihundi

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Da sieht man, wohin blinder Aktionismus, hier beim Umweltschutz, führen kann.
Das Zeug sofort verbieten. Als Feuerwehrmann gehe ich nicht an brennende moderne Fahrzeuge heran...
 
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