Kältemittel R1234yf: hohes Risiko auch bei Fahrzeugbrand - PKW mit r1234yf im Überblick - EU will Verfahren - UPDATE

Diskutiere Kältemittel R1234yf: hohes Risiko auch bei Fahrzeugbrand - PKW mit r1234yf im Überblick - EU will Verfahren - UPDATE im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; 21.01.2014, 16:27 Uhr: Die Weigerung von Mercedes-Benz, das umstrittene neue Kältemittel R1234yf in seinen Fahrzeugen einzusetzen, hat erst so...
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geronimo

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21.01.2014, 16:27 Uhr:
Die Weigerung von Mercedes-Benz, das umstrittene neue Kältemittel R1234yf in seinen Fahrzeugen einzusetzen, hat erst so richtig auf das Gefährdungspotenzial der Chemikalie aufmerksam gemacht. Weitere Versuche der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verdeutlichen jetzt, wie riskant der Einsatz des Mittels tatsächlich ist. Ungeachtet eines Gutachtens des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), das weitere Untersuchungen von R1234yf fordert, will die EU nun aber offensichtlich ein Verfahren wegen Verletzung europäischen Rechts gegen die Bundesrepublik Deutschland eröffnen



Die DUH hat ein fabrikneues Fahrzeug, bei dem es sich um einen Citroen C4 Picasso handelt, in einem Brandtunnel angezündet (siehe Video unten) und anschließend die ausgetretenen Schadstoffe ermittelt. Dabei galt das Hauptaugenmerk den Anteilen von Fluorwasserstoff (HF) - auch als Flusssäure bekannt - in der Abluft des Tunnels. Die dabei ermittelten Werte sprechen eine klare Sprache, wie der internationale Verkehrsexperte Axel Friedrich, der die Durchführung des Tests betreute, mitteilte: "Beim Abbrand des Fahrzeuges konnten wir alarmierende Mengen von Fluorwasserstoff (HF) feststellen. In der Abluft wurden knapp 45 ppm gemessen – diese Konzentration führt bereits nach kurzer Zeit zu irreversiblen gesundheitlichen Schäden. Bei ungünstigen Luftverhältnissen ist mit weitaus höheren HF-Konzentrationen zu rechnen. Dieses Ergebnis gilt nicht nur für das getestete Auto, sondern lässt sich auf alle Fahrzeuge mit dem Kältemittel R1234yf übertragen".

Mit dem Test wollte die DUH beweisen, dass eine Gefährdung durch R1234yf nicht nur dann wahrscheinlich ist, wenn sich die Flüssigkeit nach einem Unfall an heißen Bauteilen des verunfallten PKW entzündet. Das scheint dem in Radolfzell beheimateten Verein auch gelungen zu sein, weshalb das Fazit von Patrick Huth, Projektmanager aus dem Bereich Verkehr und Luftreinhaltung, recht eindeutig ausfällt: "Fahrzeuge, die mit dem Kältemittel befüllt sind, bringen ein neues Gefährdungspotential in den Straßenverkehr. Nach unseren neuen Erkenntnissen wäre es deshalb unverantwortlich, wenn die politisch Verantwortlichen, aber auch die Hersteller weiterhin die Augen vor dieser Gefahr verschließen". In diesem Zusammenhang weist die DUH darauf hin, dass viele der jährlich rund 20.000 Fahrzeugbrände in Deutschland unter anderem durch Kabeldefekte, überhitzte Bremsen und Reifen, Vandalismus sowie übergreifende Flammen von brennenden Autos bei Massenkarambolagen oder in geschlossenen Räumen wie Tunneln oder Tiefgaragen entstehen.


Einer der beiden Hersteller von R1234yf, das amerikanische Chemieunternehmen Honeywell, reagierte in einer Stellungnahme umgehend auf die Untersuchung der DUH und teilte mit: "Es ist enttäuschend, dass die DUH viel Zeit in öffentlichkeitswirksame Aktionen investiert und dabei lediglich alte Behauptungen wiederholt – obwohl sie von Experten aus der Industrie, von Aufsichtsbehörden und Fahrzeugherstellern wiederholt entkräftet worden sind. Umfassende Sicherheitstests haben nachgewiesen, dass HFO-1234yf sicher ist. Damit vertritt die DUH – unglücklicher- und unverständlicherweise – Interessen, die einer pünktlichen Umsetzung der europäischen Richtlinie zur Emissionen aus Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen (MAC-Richtlinie) und den damit verbundenen Umweltvorteilen klar entgegenstehen.". Honeywell ignoriert mit seinen Aussagen allerdings Tests wie diejenigen des KBA, bei denen in zwei Fällen im Motorraum "erhebliche Mengen an Fluorwasserstoff gemessen" wurden und es in zwei weiteren Fällen "zur Messung von Fluorwasserstoffkonzentrationen in nicht vernachlässigbarer Größenordnung" kam. Das Fazit des KBA lautet daher, dass "das generelle Sicherheitsniveau von Kraftfahrzeugen durch den Einsatz von R1234yf tendenziell verschlechtert wird" und "der Einsatz von R1234yf im Widerspruch zu den intendierten europäischen Zielen der Verringerung der Gefährdungen im Straßenverkehr" steht.

Aus diesem Grund hat die Flensburger Behörde "mit Nachdruck empfohlen, die Umstände weiter zu untersuchen" und die "Erkenntnisse zukünftig in das Genehmigungsverfahren von Fahrzeugen" einfließen zu lassen. Dem wollte die EU-Kommission laut eine Meldung von Mitte November auch nachkommen und weitere Untersuchungen zur Gefährlichkeit des Kältemittels durchführen. Dessen ungeachtet scheint es allerdings so zu sein, das man jetzt seitens der EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesregierung einleiten will. Wie das Handelsblatt aus Kommissionskreisen erfahren haben will, wirft der zuständige EU-Industriekommissar Antonio Tajani den deutschen Behörden vor, widerrechtlich neue Fahrzeugtypen zu dulden, die mit einem veralteten Kältemittel befüllt sind. Um welche Fahrzeuge es sich dabei handelt, kann der nachfolgenden Liste entnommen werden, die von der DUH veröffentlicht wurde:



Update, 23.01.2014, 16:02 Uhr: Wie bereits angekündigt, hat die zuständige EU-Kommission heute formal ein Verfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. Im Kern geht es um die rückwirkende Änderung der Typengenehmigung, auf Grund derer Mercedes seine neuen Modelle A- und B-Klasse wieder mit dem bisherigen Kältemittel R134a befüllt. Diese rückwirkende Änderung hält EU-Industriekommissar Antonio Tajani für nicht zulässig, weswegen er die Bundesregierung zu einer Stellungnahme auffordert. Bis zum Abschluss des mehrstufigen Verfahrens können aber noch etliche Monate vergehen. Sollte die EU-Kommission recht bekommen, drohen der Bundesrepublik Strafzahlungen in Millionenhöhe und Daimler schlimmstenfalls der Rückruf aller laut Urteil unrechtmäßig ausgelieferten Fahrzeuge. Nach dem aktuellen Stand handelt es sich bislang um 133.000 Stück.
 
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