Jaguar XE im Fahrbericht: viel Licht und viel Schatten

Diskutiere Jaguar XE im Fahrbericht: viel Licht und viel Schatten im Jaguar XE Forum im Bereich Jaguar; Jaguar und die Mittelklasse, das war in der jüngeren Vergangenheit ein Thema für sich. Mit dem neuen XE wollen die Briten einen neuen Angriff auf...
Jaguar und die Mittelklasse, das war in der jüngeren Vergangenheit ein Thema für sich. Mit dem neuen XE wollen die Briten einen neuen Angriff auf Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse starten, und in der Theorie scheinen die Voraussetzungen gut zu sein. In der Praxis steht sich der aktuell kleinste und preiswerteste Jaguar aber oftmals selbst im Weg


Der Jaguar XE baut auf der neuen Aluminium-Plattform auf, die auch bei Land Rover zum Einsatz kommen wird. Bei Jaguar soll diese Basis dafür sorgen, dass der BMW 3er als "Fahrerauto" abgelöst und gleichzeitig der Komfort der Mercedes C-Klasse sowie die Verarbeitungsqualität des Audi A4 geboten wird. Das ist ein hoher Anspruch, und diesen Spagat zu meistern scheint nahezu unmöglich zu sein. Auf einer Ausfahrt mit dem Benziner mit 176 kW / 240 PS haben wir überprüft, ob Jaguar den eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Erster Eindruck, Design, Platzangebot:

Als erstes haben wir den neuen XE von hinten gesehen - und ihn prompt mit dem aktuellen Audi A4 verwechselt. Von der Seite und vor allem von vorne wirkt der XE aber deutlich eigenständiger und auch dem Anspruch entsprechend sehr dynamisch. Spätestens nach dem Öffnen der Türen ist aber klar, dass es sich um einen echten Jaguar handelt, denn vor allem das Cockpit mit dem versenkten Wahlhebel für die obligatorische Automatik zeigt die typische Linie der Marke. Nach dem Platz nehmen muss man aber feststellen, dass die Briten ein sehr kompaktes Auto auf die Räder gestellt haben, denn irgendwie fühlt man sich ein wenig eingeengt. Wie knapp der Raum bemessen ist, zeigt sich dann beim Aussteigen, denn die Oberkante der Türöffnung verleitet zum Anstoßen des Kopfes. Das kann die Konkurrenz zumindest teilweise etwas besser. Auf den hinteren Plätzen ist das Platzangebot in Ordnung, zumindest was die Beinfreiheit angeht. Größere Passagiere könnten aber Probleme mit der Kopffreiheit bekommen. Der Platz im Kofferraum ist der Fahrzeugklasse angemessen.

Verarbeitungsqualität, Bedienung:

Dem eigenen Qualitätsanspruch wird Jaguar durchaus gerecht, denn über die Verarbeitung gibt es eigentlich keine Diskussionen. Sämtliche Materialien wirken hochwertig, alle Nähte sitzen sauber und zumindest im Sichtbereich fallen auch bei genauerem Hinsehen keinerlei Mängel oder gar Schlampereien auf. Nicht ganz so schön ist aber, dass die Sitzbedienung an der Seite der Sitze zu finden ist und dort blind bedient werden muss. In anderen Modellen, wie etwa dem von uns ebenfalls getesteten F-Type, befindet sich diese sichtbar im Türbereich, was die Bedienung erleichtert. Überhaupt ist die Bedienung des XE sein großes Manko, denn auch das überarbeitete Infotainment-System kann nicht so ganz überzeugen. Um es auf den Punkt zu bringen: die Steuerung über Touchscreen, Lenkradtasten und den Blinkerhebel erscheint nicht mehr wirklich zeitgemäß, hier hat die Konkurrenz mit den Dreh-Drück-Reglern und teilweise mit Touchpad einen echten Vorsprung. Dazu kommen unlogische Bedienschritte, wenn beispielsweise bei Aufruf von Untermenüs die Lautstärke nicht mehr über das Lenkrad verändert werden kann, weil die entsprechenden Tasten für die Menüsteuerung verwendet werden. Im Alltag können genau diese "Kleinigkeiten" nachhaltig nerven, auch wenn man sich wohl an sie gewöhnt.

Fahrverhalten:

Ungeachtet der bisherigen Defizite darf der Jaguar XE auf der Straße zeigen, was er kann. Und das ist durchaus einiges, denn der Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit ist durchaus gelungen. Dazu tragen wieder einmal die Motoren bei, die sowohl seidenweich laufen als auch dynamisch klingen können. Allzu viel kommt von letzterem im Innenraum nicht an, denn der XE wirkt gut gedämmt. Die Achtgang-Automatik arbeitet allerdings im Normalmodus nicht immer so direkt und schnell wie man sich das wünscht, denn gerade bei spontanem Antritt benötigt sie eine Gedenksekunde. In der Stellung S wie Sport ist das deutlich anders, allerdings geht das auch mit einer gesteigerten Drehzahl und höherem Verbrauch einher. Die Dämpfung ist definitiv eines der Highlight, denn die ermöglicht sowohl eine sehr entspannte, als auch eine sehr dynamische Fahrweise. Zudem kann das Fahrverhalten über eine adaptive Federung angepasst werden, wobei die verschiedenen Modi Comfort, Normal und Sport merkbare, aber keine riesigen Unterschiede mit sich bringen.

Auf der Negativseite sehen wir die Lenkung. Im Prinzip will der XE gerne spielen, doch für eine sportliche Fahrweise wirkt die Lenkung nicht nur zu leichtgängig, sondern liefert zudem zu wenig Rückmeldung über das, was gerade mit dem Fahrzeug passiert. Daran ändert sich leider auch im Sportmodus nur wenig, was insofern verwunderlich ist, weil Jaguar etwa beim F-Type genau in diesem Punkt überzeugen konnte. Offenbar hat man sich bei der Lenkung eher an Mercedes als an BMW orientiert. Das ist durchaus schade, denn das Fahrwerk lässt durchaus wesentlich mehr Fahrspaß zu, als die Lenkung vermittelt.

Fazit:

Ob der Jaguar XE ein großer Wurf ist, lässt sich mit einem Wort beantworten: Jein. Auf der Habenseite stehen eine gute Verarbeitungsqualität, ein akzeptables Platzangebot, eine gute Ausstattung zum vergleichsweise günstigen Preis, ein sehr gutes Fahrwerk und natürlich die tollen Motoren. Im Gegensatz dazu trüben immer noch vorhandene Defizite in der Bedienung sowie eine nicht optimale Lenkung das Fahrvergnügen im Alltagsbetrieb. Wer mit dem XE liebäugelt, sollte daher unbedingt genau schauen, ob er mit den Nachteilen - die sicher jeder anders wahrnimmt - leben kann.

Meinung des Autors: Der neue Jaguar XE will eine Alternative zu den deutschen "Premium"-Angeboten sein. So ganz gelingt ihm das nicht, denn die Dinge, die nicht ganz optimal sind, fallen besonders im Alltagsbetrieb auf. Und gerade das nervt, was der an und für sich sehr gelungene XE eigentlich nicht verdient hat.
 
G

Gast

Guest
seltsam, dass alle anderen Tester des XE zum Schluss kommen, dass gerade die elektro-mechanische Lenkung ein absolutes Highlight in dieser Fahrzeugklassen darstellen.
 
G

Gast

Guest
Viel Schatten?

Wenn die angeblichen Defizite in der Bedienung und die nicht optimale Lenkung die einzigen Negativpunkte sein sollen, um die Conclusio "viel Schatten" zu begründen, so kann ich nur müde lächeln.
Nachdem ich erst die deutschen Platzhirsche und schließlich den Jaguar XE ausgiebig probegefahren habe,
kann ich einerseits die von Ihnen festgestellten "Licht-Punkte" voll bestätigen. Was andererseits die bemängelte Bedienung anbelangt, so fand sie den Konkurrenten gegenüber sogar überlegen, auch empfand ich die Lenkung als besonderes Highlight. Nachdem es für mich bei diesem Wagen im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten keinen "Schatten" gibt, werde ich ihn nun bestellen und freue mich darauf, ein Fahrzeug zu besitzen, welches man nicht an jeder Straßenecke begegnet.
Warum wird eigentlich nie die m.E.umständliche Bedienung mittels Drehregler bei den AMB-Konkurrenten kritisiert?
 
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