Isdera Imperator auf der Nordschleife: mit dem CW 311 'Nachbau' durch die Grüne Hölle

Diskutiere Isdera Imperator auf der Nordschleife: mit dem CW 311 'Nachbau' durch die Grüne Hölle im Mercedes Allgemein Forum im Bereich Mercedes; In einer Zeit, in der Sportwagen mit mehr als 300 PS als extrem galten, war der Isdera Imperator 108i einer der spannendsten Vertreter seiner...
In einer Zeit, in der Sportwagen mit mehr als 300 PS als extrem galten, war der Isdera Imperator 108i einer der spannendsten Vertreter seiner Zunft. Auf der legendären Nordschleife des Nürburgring konnten wir uns jetzt von den Fähigkeiten des ebenfalls legendären Fahrzeugs überzeugen - auch wenn die Mitfahrt etwas anders ausfiel als geplant


Im Jahr 1978, als die erste Ölkrise halbwegs vergessen war, zeigten zwei unabhängige Entwickler, wie ein moderner Nachfolger des Mercedes 300 SL "Flügeltürer" aussehen könnte. Der extrem progressiv gestaltete und ebenfalls mit Flügeltüren ausgestattete CW 311 gefiel den Stuttgartern durchaus, doch von einer Serienfertigung hat man dennoch Abstand genommen. Die Begeisterung war allerdings so groß, dass man gestattete, den Prototypen als erste und bislang auch einzige unternehmensfremde Studie mit dem Mercedes-Stern zu versehen. Zudem durfte Mit-Entwickler Eberhard Schulz eigene Fahrzeuge auf Basis des inzwischen verschollenen Einzelstücks bauen. Heraus kam der Isdera Imperator 108i, der dank etwas größerer Abmessungen sowohl größere Motoren, als auch größere Passagiere unterbringen konnte.

Im Rahmen des Trackdays beim diesjährigen Oldtimer Grand Prix konnten wir jetzt im Imperator mit der Chassisnummer 14 mitfahren. Dieser ist mit einem 6-Liter-V8 von AMG ausgestattet, der ab Werk 425 PS leistete und nach Angaben des Hamburger Fahrzeugbesitzers auf dem Prüfstand mit über 390 PS gemessen wurde. Ausgestattet war der nicht als Oldtimer angemeldete Sportwagen von 1984 zudem mit sogenannten Semi-Slicks. Alles in allem also durchaus gute Voraussetzungen für eine schnelle Runde auf der kurvenreichen Berg- und Talbahn. Doch dagegen hatte der Wettergott etwas einzuwenden, denn kurz vor unserem Aufbruch öffnete er die Schleusen und ließ mächtig Wasser über der Eifel ab. Was folgte, glich daher eher einem Ritt auf der Rasierklinge als auf der Kanonenkugel.


Klassischer Heckantrieb sowie die völlige Abwesenheit von heutzutage gewohnten Systemen wie ABS, ESP, Antischlupfregelung und ähnlichem sorgte im Zusammenspiel mit den fast profillosen Semi-Slicks für reichlich Action. An allen möglichen und vor allem unmöglichen Stellen entwickelte das Heck des Sportwagens ein extremes Eigenleben, und nur das ebenso beherzte wie feinfühlige Gegenlenken des Fahrers verhinderte einen Abflug. Am extremsten erwies sich die Anfahrt zum "Brünnchen", wo quer über die Fahrbahn laufendes Wasser fast für einen Dreher sorgte. Aber auch diese Stelle wurde gemeistert, was lediglich mit einem hanseatisch-trockenen "Aquaplaning" kommentiert wurde.

Das war nicht wirklich schnell, denn selbst an Stellen, an denen man bei gutem Wetter mit weit über 250 km/h fahren könnte, kamen wir nicht über Tempo 150 hinaus. Insgesamt war es also deutlich langsamer, als die Mitfahrt im Jaguar Ringtaxi ein Jahr zuvor. Dafür war die Runde aber ungleich spektakulärer, denn die plötzlich auftretenden Quersteher sorgten für reichlich Adrenalin. Die "gemäßigte" Fahrt hatte aber noch einen Nebenaspekt: Nach der Ankunft wurde die Runde mit einem "leiser als gedacht" kommentiert. Die Erklärung folgte prompt, denn aufgrund der Witterungsverhältnisse wurde der Motor nie auf mehr als 4.000 Umdrehungen pro Minute gebracht. Doch erst jenseits dieser Marke kommt der AMG-Motor überhaupt in seinen Leistungsbereich, was sich dann auch durch eine entsprechende Geräuschkulisse bemerkbar macht. Laut Besitzer sollen es in der Spitze 112 dB sein.

Am Ende war es also eine absolut interessante Runde durch die sogenannte Grüne Hölle, die am vergangenen Freitag eher eine Graue Hölle gewesen ist. Dass dabei nicht Geschwindigkeit, sondern vielmehr fahrerisches Können in einem extremen Auto angesagt war, hat kaum geschadet. Sollte es die Gelegenheit zur Mitfahrt allerdings noch einmal geben, würden wir uns trotzdem für schönes Wetter entscheiden - denn nur dann kann so ein Fahrzeug artgerecht gefahren werden. Inklusive den Geräuschen von sanft grummelnd bis heftig schreiend, die bei so einem Fahrzeug nun einmal dazugehören und Autofans sicher eine Gänsehaut verschaffen. Und auch dem Fahrer hat das Wetter nicht gefallen, denn nach unserer Runde wollte er nur noch eines: zurück ins warme und trockene Hotel.
(Bildquelle: Autor / Wikipedia)​


Meinung des Autors: Die Nordschleife ist extrem. Mit jedem Auto. Bei jedem Wetter. Doch richtig heftig wird es erst mit einem 30 Jahre Supersportwagen mit Heckantrieb und reichlich Leistung, aber ohne technische Hilfsmittel - im Regen. Dabei musste der Fahrer mehr leisten als sein Isdera Imperator 108i, der mit seinem oben angebrachten Rückspiegel sicher einer der exotischsten deutschen Sportwagen überhaupt ist.
 
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