Ferrari nach di Montezemolo: SUV und Limousine so sicher wie das Amen in der Kirche - auch Diesel scheint möglich

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geronimo

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Gestern hat Luca di Montezemolo nach 23 Jahren an der Spitze von Ferrari seinen Rücktritt verkündet, die Macht übernimmt jetzt der Fiat-Chef Sergio Marchionne. Für den italienischen Sportwagenbauer wird das tiefgreifende Einschnitte bei der Geschäftsstrategie mitbringen, für die der deutsche Konkurrent Porsche ein Vorbild sein dürfte



Noch am Sonntag hatt di Montezemolo (im Bild rechts) Gerüchte zu einem bevorstehenden Rücktritt dementiert, um ihn dann gestern doch zu verkünden. In den Augen vieler Experten erfolgte dieser Schritt aber keineswegs freiwillig. Vielmehr dürfte der noble Spitzenmanager einen internen Machtkampf mit dem Fiat-Chef Marchionne verloren haben, der sich insbesondere um die nicht unumstrittene Fusion mit Chrysler sowie hauptsächlich um die strategische Ausrichtung beim Sportwagenbauer Ferrari gedreht haben dürfte. Dass es sich eher um einen Rausschmiss handelt wird auch dadurch deutlich, dass di Montezemolo angeblich eine Abfindung von 27 Millionen Euro erhält und dass sein großer Widersacher persönlich die Nachfolge antritt. Für Ferrari werden sich dadurch tiefgreifende Änderungen ergeben, die die derzeitige Ausrichtung als Hersteller von exklusiven Sportwagen mit beschränkter Verfügbarkeit beenden wird.

Unter di Montezemolo erlebte Ferrari einen fast schon sensationellen Aufstieg. Nicht erst seit dem Tod des "Commendatore" genannten Firmengründers Enzo Ferarri befand sich das Unternehmen in der Krise, doch innerhalb von etwas über zwei Jahrzehnten hat di Montezemolo den Umsatz auf 2,3 Milliarden Euro verzehnfacht und die Gewinne in bislang ungekannte Höhen geschraubt. Das ging gerade in den letzten 10 Jahren mit einer extremen Qualitätsverbesserung einher, inzwischen sind Verarbeitung und Materialqualität längst nicht mehr auf "italienischem Niveau". Doch auf Wachstum um jeden Preis hat der adelige Präsident verzichtet, vielmehr weckte er Begehrlichkeiten, indem er nicht nur auf bestimmte Trend verzichtete, sondern auch, weil er bewusst weniger Fahrzeuge produzieren ließ als hätten verkauft werden können. Vor allem Letzteres war Marchionne ein Dorn im Auge, denn der Mutterkonzern Fiat gilt seit Jahren als angeschlagen und kann jeden Euro der Sportwagen-Tochter gut gebrauchen.

Da jetzt der Fiat-Chef das Steuer übernommen hat, ist mit einer deutlichen Abkehr von der bisherigen Strategie zu rechnen. Das bedeutet, dass es in nicht allzu ferner Zukunft Modelle und Stückzahlen von Ferrari geben wird, die unter di Montezemolo als unvorstellbar galten. Worauf das hinauslaufen wird, zeigt sich am besten am Beispiel von Porsche. Die Stuttgarter haben über Jahrzehnte nur Sportwagen wie den legendären 911 oder etwas edlere Ableger wie den 928 gebaut. Vor 12 Jahren allerdings wurde das Portfolio um den Geländewagen Cayenne erweitert, der mittlerweile das mit Abstand meistverkaufte Modell ist. Vor fünf Jahren ist die viertürige Oberklasse-Limousine Panamera hinzugekommen, die sich ebenfalls prächtig verkauft. Und mit dem in diesem Jahr eingeführten Macan ist noch ein zweites SUV im Angebot, dass ebenfalls für weiteren Umsatz sorgen dürfte.

Genau diesen Weg wird auch Marchionne gehen, auch wenn das den Ferraristi genannten Fans der Marke den Magen umdrehen wird. Insofern darf schon bald damit gerechnet werden, dass am Ferrari-Firmensitz in Maranello ein Geländewagen mit dem Cavallino rampante im Wappen vorgestellt werden wird, der vor allem für die boomenden Märkte im Nahen Osten gedacht sein dürfte. Ebenso bald wird es wahrscheinlich auch einen luxuriösen Viertürer geben, der mit dem sich aufbäumenden Pferdchen geschmückt ist. Ein solches Modell hat es in der fast 70-jährigen Firmenhistorie nie gegeben, zumindest nicht offiziell. Unter Marchionne dürfte das bald vorbei sein, auch wenn Ferrari-Vorstandsvorsitzende Amedo Felisa sowohl einen Geländewagen als auch die Limousine erst im vergangenen Jahr mit einem kategorischen "Niemals!" ausgeschlossen hat. Möglicherweise hat Fesia damit rückwirkend betrachtet aber seine Ablösung vorbereitet, denn Marchionne könnte sich schon bald von den "Altlasten" di Montezemolos trennen.

Wenn diese beiden Modelle nun tatsächlich kommen, dann könnte auch eine weitere heilige Kuh geschlachtet werden, denn zu solchen Fahrzeugen gehört mittlerweile immer auch ein leistungsstarker Dieselmotor. Die Diskussion über Sinn und Unsinn einer solchen Motorisierung wurde bereits in anderen Firmen geführt, bei Porsche oder Jaguar kann man ein Lied davon singen. Und bei Fiat gibt es ohnehin ein Vorbild für diesen Weg, denn auch bei der zweiten sportlichen Tochter Maserati galten solche Aggregate seit jeher als verpönt. Seit dem vergangenen Jahr gibt es sie aber, und zwar sowohl in der von uns bereits gefahrenen Mittelklasse-Limousine Ghibli als auch beim Quattroporte aus der Oberklasse.

Mit der Einführung der neuen Modelle und Motoren wird auch ganz sicher die bisherige Begrenzung der Stückzahlen auf aktuell rund 7.000 Fahrzeuge aufgehoben, denn Marchionne wird gnadenlos expandieren. Und das möglicherweise sogar markenübergreifend, denn der Glanz von Ferrari könnte auch anderen Fiat-Töchtern auf die Beine helfen. Wie bereits beim Sportwagen 8C Competizione, der von einem Ferrari-Achtzylinder angetrieben wurde, könnten auch ein künftige Limousinen und Sportwagen von Alfa Romeo wieder mit einem solchen Aggregat ausgestattet werden. Und wenn es für die Ferrari-Fans ganz schlimm läuft, wird es sogar einen Motoren-Transfer zu Chrysler in die USA geben. Gut, dass Enzo Ferrari das nicht mehr erleben muss.
 
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