Fahren ohne zu fahren? Wie Sicherheitsassistenten das Fahrverhalten unterstützen

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Den Wagen einfach rollen lassen und sich darauf verlassen können, dass Insassen und PKW sicher und heil am Zielort ankommen. Dies ist ein Wunsch, den wohl so manch einer hegt und der durchaus realistisch zu sein scheint. Denn die Automobilindustrie arbeitet stetig am Thema „Autonomes Fahren“ und es kommen immer wieder neue Techniktrends auf, die die Fahrsicherheit unterstützen oder in Zukunft vermehrt unterstützen sollen. Doch wer oder was sind diese Unterstützer und lohnen sie sich?

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Nasses Laub unter den Rädern ist im Herbst kein seltenes Bild. Es kann das Auto ins Schleudern bringen.
Abhilfe schaffen vorausschauendes Fahren sowie Sicherheitsassistenzsysteme. (Foto: Fotolia.com)​


  • Selbst ist der Fahrer: Sicherheit in Eigenregie

Kommt es zu einem Unfall, dann ist dieser meist auf das Fahrverhalten eines oder mehrerer Verkehrsteilnehmer zurückzuführen, die abgelenkt waren oder die Verkehrsregeln missachtet haben. Den Verkehr regeln neben Ampeln vor allem etwa 20 Millionen verschiedene Zeichen und circa 3 Millionen Wegweiser. Diese Verkehrsregler sowie das Wissen über deren Bedeutung und die Kenntnis anderer vereinheitlichter Grundsätze sollen jedenfalls in der Theorie für Sicherheit sorgen. In der Praxis sieht dies aber ab und zu anders aus, denn klar ist, dass das Verhalten der Fahrer immer noch die wichtigste Rolle für die Sicherheit im Straßenverkehr spielt. Ein sicherer Fahrer fährt nicht übermüdet, sichert die Ladung fachgerecht, achtet auf die Kindersicherung im PKW und sollte wissen, welches Verhalten am Steuer erlaubt ist, damit Fahrer oder andere Verkehrsteilnehmer nicht in Gefahr geraten. An bestimmte Verhaltensweisen sollten sich schließlich alle Fahrer halten, obwohl bekanntermaßen verschiedene Temperamente hinterm Steuer zu finden sind – den einen fällt es leichter und den anderen schwieriger. Die Fahrtypen reichen vom Belehrer, der immer seinen Senf dazu geben muss, über den „Philosophen“, der Situationen erst einmal ohne Aufregung hinnimmt, bis hin zum Aussteiger, der während der Fahrt für sich ist und zum Beispiel mit Musik abschaltet.

Selbst wenn das eigene Fahrverhalten immer noch maßgeblichen Einfluss auf das sichere Fahren hat, unterstützt das Auto beziehungsweise seine Ausstattung mit unterschiedlichen Sicherheitssystemen, die längst über Airbag, Sicherheitsgurt oder Knautschzonen in der Karosserie hinausgehen. Nachfolgend wird erläutert, welche Sicherheitssysteme was bieten und wie sie sozusagen als technischer Arm die Fahrsicherheit und das eigene Fahrverhalten unterstützen können.

  • Sicherheitssystem ab Lager: Sicherheit in technischer Fremdregie

Die Automobilbranche gehört zu den Industrien mit dem größten Entwicklungspotential. Die Zukunft gehört den Assistenzsystemen, die den Fahrer durch den Verkehr leiten sollen und so Unfälle verhindern oder jedenfalls deren Schwere beeinflussen sollen. Dabei werden vor allem Kameras, Sensoren oder Radarsysteme verbaut. Einige Dinge sind bereits Standard und andere können individuell ergänzt werden. Die Sicherheitsassistenzsysteme entlassen den Fahrer jedoch nicht aus der Verantwortung, das eigene Fahrverhalten selbst zu überprüfen.

  • Die guten alten Sicherheitsstandards

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Das ESP gehört mittlerweile zum Standard unter den Fahrunterstützern.
Es sorgt unter anderem dafür, dass das Auto nicht aus der Kurve fliegt. (Foto: Fotolia.com)​


Wer sich für den Kauf eines Autos entscheidet, sollte auch als junger Fahranfänger darauf achten, dass die Standards unter den Sicherheitssystemen vorhanden sind. Dazu gehören neben Airbags, ABS und ESP. Mit dem Antiblockiersystem (ABS) wird der Bremsweg verkürzt und auch während einer Vollbremsung bleibt das Fahrzeug durch das System in Gefahrensituationen lenkfähig. Das Elektronische Stabilitätsprogramm hat dagegen vor allem durch den bekannten „Elchtest“ der A-Klasse im Jahr 1998 Popularität erlangt. Eingebaute Sensoren sorgen dafür, dass die Fahrzeugbewegungen überwacht und bei merklicher Instabilität einzelne Räder abgebremst werden.

Sowohl ABS als auch ESP gehören zu den Sicherheitssystemen, die bereits seit einigen Jahren zur Standardausstattung gehören. Den Preis für diese Standards zu zahlen, fällt jedoch gerade jungen Fahrern nicht so leicht, obwohl gerade diese darauf Wert legen sollten. Denn Fahranfänger sind aufgrund noch geringer Fahrpraxis unfallgefährdeter. Häufig verunglückten junge Fahranfänger in Kurven oder aufgrund von unterschätzter Glätte, deshalb sollte auf die fahrunterstützenden Standards Wert gelegt werden. Und da die Standardsysteme bereits seit mehreren Jahren automatisch verbaut werden, sind auch günstigere Gebrauchtwagen damit ausgestattet. Vielleicht findet sich sogar noch das eine oder andere weitere der nachfolgenden Sicherheitssysteme im ersten PKW, die vor Kollisionen oder beim Verlassen der Spur warnen.

  • Die Assistenten für die Bremse

1. Der Bremsassistent
Die meisten Autos verfügen heute über den Bremsassistenten (BAS). Doch einige Autofahrer wissen nach Umfragen oft gar nicht genau, worum es sich dabei handelt. Der Bremsassistent wurde zunächst entwickelt, um Auffahrunfälle, die durch zu geringen Abstand zum Vordermann oder durch eine an die Verkehrssituation unangepasste Geschwindigkeit entstanden sind, zu minimieren. Nicht zuletzt wurde herausgefunden, dass die Unfälle darauf zurückzuführen sind, dass die Bremsleistung des Wagens in Notsituationen oft nicht voll ausgenutzt wird. Der Bremsassistent beugt dem vor, indem dieser das Verhältnis zwischen folgenden Punkten auswertet:
  • Geschwindigkeit beim Betätigen des Bremspedals.
  • Geschwindigkeit beim Loslassen des Gaspedals.
  • Der vom Fahrer erzeugte Bremsdruck.
Dadurch kann das Sicherheitssystem feststellen, ob es sich um eine Gefahrenbremsung handelt. Geht der Fahrer also vom Gas, aber tritt verhältnismäßig nicht schnell oder fest genug auf das Bremspedal, dann erhöht der Bremsassistent den Bremsdruck bis zur Reifenblockiergrenze und somit bis zur Aktivierung des ABS. Seit 2011 ist es Vorschrift, dass Neuwagen mit dem Bremsassistenten ausgestattet werden und dieser ist besonders hilfreich für Fahranfänger und zögerlichere Fahrer.

2. Der Notbremsassistent
Der Notbremsassistent unterscheidet sich zum einem dadurch vom Bremsassistenten, dass dieser nicht zur Grundausstattung von Neufahrzeugen gehört. Wobei die Notbremsassistenten durchaus bei immer mehr Herstellern zu den serienmäßigen Ausstattungen dazugehören. Falls nicht, kann das Sicherheitssystem, welches im Gegensatz zum Bremsassistenten mit Kameras arbeitet, in einem Paket für wenige hundert Euro hinzubestellt werden. Obwohl sich die Investition durchaus lohnen kann, um das eigene Fahren sicherer zu machen, schreiten vor allem ältere Modelle des Notfallassistenten nur ein, wenn größere Verkehrsteilnehmer, wie PKWS oder LKWs eine Gefahrensituation darstellen. Fußgänger oder Radfahrer werden häufig nicht erfasst. Neuere Modelle sorgen dagegen dafür, dass das Auto beim Linksabbiegen ohne Zutun des Fahrers abgebremst wird. Und zwar, wenn die computergesteuerte Kamera, die Situation so einschätzt, dass eine Kollision mit dem entgegenkommenden Fahrzeug auf der eigenen Fahrspur absehbar ist. Der Notfallbremsassistent wird immer komplexer und Hersteller bieten für ihre Modelle immer wieder neue Bremsassistenzsysteme an, die zum Beispiel Notfallbremsassistenten mit Auffahrwarnsystemen und Distanzanzeigen kombinieren. Ein erster Hersteller verbaut den Pre-Collision-Assist, welcher unter anderem Fußgänger, Verkehrszeichen sowie störende Gegenstände am Fahrbahnrand voneinander unterscheiden kann. Die Investition in ein Notfallassistenzsystem lohnt sich für zusätzliche Fahrsicherheit und somit die Unterstützung des eigenen Fahrverhaltens. Denn die Wirkung der Notfallbremsassistenz belegen Untersuchungsergebnisse.

  • Der Assistent für mehr Sicherheitsabstand

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Der Abstandsassistent hält den Sicherheitsabstand zu anderen PKWs bei verschiedenen Verkehrsverhältnissen ein. (Foto: Fotolia.com)​


Auch, wenn die Theorie einen gewissen Abstand vorgibt, der zu vorausfahrenden Autos einzuhalten ist, kann der entsprechende Sicherheitsabstand je nach Geschwindigkeit oft nicht eingeschätzt werden. Der Abstandsregler assistiert dem Fahrer, indem er den Wagen auf einen eingestellten Sicherheitsabstand während der Fahrt runterbremst oder beschleunigt. Dieser Assistent ist eine Erweiterung des Tempomaten und hält im Gegensatz zu diesem nicht eine bestimmte Geschwindigkeit ein, sondern passt die Geschwindigkeit entsprechend der Verkehrsverhältnisse an. Der Assistent kann durchaus behilflich sein, aber es empfiehlt sich, diesen in Kombination mit einem Automatikgetriebe zu nutzen, denn beim Schaltgetriebe kann nicht sein komplettes Potential genutzt werden. Ratsam ist es trotz Abstandsregler mögliche Staus im Auge zu behalten, denn der Assistent erfasst ausschließlich den Vordermann und so muss der Fahrer bei einem von Weitem ersichtlichen Stauende bereits selber seine Geschwindigkeit mit dem Tritt auf die Bremse regeln.

  • Müdigkeitsassistent für lange Strecken

Besonders, wenn ein Autofahrer häufig lange Strecken zurücklegt und ohne große Zwischenstopps, ist das Risiko in den bekannten Sekundenschlaf zu fallen hoch. Für Fahrer, die häufig längere Strecken zurücklegen oder hin und her pendeln, schafft der Müdigkeitsassistent Abhilfe. Denn Müdigkeit und nachlassende Konzentration senken die Reaktionsfähigkeit nach etwa vierstündiger Fahrt um die Hälfte. Das System überwacht die Lenkbewegungen des Fahrers. So erkennt das System durch schnelle und abrupte Korrektur der Lenkbewegung, das Nachlassen der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Dann sorgt das System für ein akustisches Signal und eine Meldung im Cockpit.

  • Kamera- oder Radarsysteme?

Die meisten Sicherheitssysteme gibt es als Kamera- oder Radarsysteme und haben jeweils Vor- und Nachteile. Während die Kamera erst mithilfe des Computers genaue Daten berechnen kann, können Radarsysteme den Abstand direkt genau bestimmten. Aber der Radar benötigt immer ein Echo zur Erfassung seiner Umgebung, das die glatte Oberfläche eines anderen Autos, aber zum Beispiel der Mensch nicht bietet. Aber auch die Kamera kann aufgrund von Lichteinfall oder Dreck auf der Linse nur bedingt funktionsfähig sein.

  • Fazit – Zusätzliche Sicherheit durch Assistenzsysteme!?

So viele verschieden Assistenzsysteme es auf dem Markt der Automobile mittlerweile gibt und geben wird. Welche sich neben den Standardsicherheitssystemen wie ABS, ESP oder dem Bremsassistenten lohnen, muss wohl jeder für sich entscheiden. Denn auch, wenn die Wirkung der Systeme durchaus bestätigt ist und für mehr Sicherheit sorgt, ist es oft eine Frage des Geldes, des eigenen Anspruchs oder des Abwägens von Vor- und Nachteilen. Ob der Müdigkeitsassistent über die Standards hinaus sein muss? Bei gewissen Assistenten hängt das Für und Wieder wohl vom eigenen Fahrverhalten ab und davon, was vielleicht in gewissen Situationen ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit gibt. Wobei wohl davon auszugehen ist, dass immer mehr Assistenzsysteme für die Sicherheit zu den serienmäßigen Ausstattungen gehören werden – und ein Ende ist wohl lange noch nicht in Sicht. Denn gerade für Fahranfänger oder ältere Menschen, deren Reaktionsfähigkeit abnimmt, sind Fahrsicherheitssysteme im Hinblick auf den demographischen Wandel wichtig. Abgesehen davon sollte vor lauter technischen Helferlein das eigene Fahrverhalten immer wieder überprüft werden, denn obwohl das autonome Auto in der Mache ist, muss der Fahrer immer noch selber ein aufmerksames Auge auf mögliche Gefahrensituationen und Verkehrsschilder werfen.
Bildquellen:
Abbildung 1: © animaflora – fotolia.com (#94338091)
Abbildung 2: © tournee – fotolia.com (#92217638 )
Abbildung 3: © SkyLine – fotolia.com (#72408644)​
 
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