Der Verzicht aufs Reserverad? Sind die Alternativen wirklich besser?

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Obwohl Reifenpannen in den heutigen Zeiten nicht mehr so oft vorkommen, als dies beispielsweise in den 60iger und 70iger Jahren der Fall gewesen ist, sollte jeder Fahrzeugbesitzer für den Fall der Fälle dennoch gerüstet sein, wenn es dann doch einmal zu einer Reifenpanne kommt. Doch in immer weniger Fahrzeugen wird man noch auf ein vollwertiges Reserverad stoßen. Können es die Alternativen wie Notrad, Run-Flat-Reifen oder sogar das Pannenset mit dem klassischen Reserverad wirklich aufnehmen? Wir geben eine Übersicht


Bildquelle: n24.de


Während die Kunden bei einem Großteil aktueller Neufahrzeuge vergeblich nach einem klassischen Reserve- oder Notrad suchen, sah das Bild vor etlichen Jahren noch ganz anders aus. Wer sich einmal klassische Oldtimer ansieht, wird dort meist ein vollwertiges Ersatzrad auf oder an der hinteren Kofferraumklappe, auf der Motorhaube oder an der Seite des Fahrzeugs erkennen.


Das lag daran, dass Reifenpannen zu den damaligen Zeiten deutlich häufiger als heutzutage vorgekommen sind und das Ersatzrad schnell einsatzbereit sein musste. In den 60iger und 70iger Jahren haben die Automobilhersteller damit begonnen, die Reserveräder aus aerodynamischen Gründen im oder unter dem Kofferraum zu befestigen, so wie wir es immer noch von vielen Gebraucht- aber auch Neufahrzeugen her kennen. Da vollwertige Reserveräder und selbst die Noträder nicht nur für ein erhöhtes Fahrzeuggewicht sorgen, sondern auch noch zusätzlich wertvollen Platz wegnehmen, ist allerdings ein Großteil der Fahrzeughersteller dazu übergegangen, ihre Fahrzeuge anstelle der Reserveräder respektive Noträder entweder mit Run-Flat-Reifen oder auch Reifen-Pannensets auszustatten, die aus einem Dichtmittel sowie einem Minikompressor bestehen, mit dem sich ein leicht beschädigter Reifen auch unterwegs schnell reparieren lässt. Doch welches der Systeme hat welche vor und Nachteile? Lohnt es sich bei Fahrzeugen mit vollwertigen Reserverad, dieses gegen das viel leichtere und kleinere Pannenset auszutauschen? Diesen Fragen wollen wir in diesem Ratgeber auf den Grund gehen, indem wir die Vor- als auch Nachteile der unterschiedlichen Pannenhilfen näher beleuchten.


Der Klassiker - das vollwertige Reserverad:

Was die vielen Jahre gut war, soll auf einmal einen schlechteren Nutzen als das viele neumodische "Zeugs" haben? Nicht so beim vollwertigen Reserverad. Dieses Ersatzrad, was noch bei vielen Gebrauchtfahrzeugen im oder unter dem Kofferraum zu finden ist und auch bei einigen Herstellern von Neufahrzeugen, insbesondere Geländewagen, hat den großen Vorteil, dass dieses einen vollwertigen Ersatz bei einer Reifenpanne geben kann. Selbst nach extremen Reifenschäden wie einem Reifenplatzer oder einer Laufflächenablösung ermöglicht es das Reserverad ein "uneingeschränktes" Weiterfahren. Uneingeschränkt haben wir deswegen in Anführungszeichen gesetzt, da das Fahrzeug bei einer weiteren Reifenpanne nicht weiterbewegt werden kann, da in den meisten Fällen immer nur ein Ersatzrad zur Verfügung steht.




Der Wechsel eines Rades ist allerdings mit einem recht hohem Aufwand verbunden. Ein zusätzlicher Wagenheber ist notwendig, um das Fahrzeug für den Wechsel vorzubereiten. Dieser bringt ebenfalls wieder Gewicht auf die Wage und ist in manchen Fällen gar nicht vorhanden, wie auch das für den Radwechsel benötigte Werkzeug. Wer einen modernen Geländewagen/SUV fährt, sollte zudem über eine gewisse körperliche Konstitution verfügen, da die Räder immer größer und selbst mit Leichtmetallfelgen immer schwerer werden, so dass es nicht jedem gelingen dürfte, einen entsprechenden Reifenwechsel durchführen zu können. Als weitere Nachteile werden die Gefahren aufgezählt, die während eines Radwechsels am Straßenrand auftreten können. Zusätzlich sollen durch das zusätzliche Gewicht eines vollwertigen Reserverades zusätzlich etwa 60 Liter Kraftstoff auf 100.000 Kilometer verbraucht werden.

positive Aspekte eines vollwertigen Reserverades:


  • "uneingeschränkte" Mobilität
  • kann bei allen Reifenschäden eingesetzt werden


negative Aspekte des vollwertigen Reserverades:


  • Pannenbehebung sehr aufwendig
  • Platzbedarf sowie Gewicht im Fahrzeug
  • während des Reifenwechsels erhöhtes Sicherheitsrisiko


Das Notrad - der kleinere Pannenhelfer

In vielen Fahrzeugen - insbesondere Kleinwagen - ist bei genauerem Hinsehen kein vollwertiges Ersatzrad im oder unter dem Kofferraum vorzufinden, sondern ein deutlich kleineres Reserverad, welches auch als Notrad bezeichnet wird. Dieses ist in der Herstellung günstiger und wiegt etwas weniger, erfüllt aber falls alle Eigenschaften des vollwertigen Ersatzrades.




Durch die geringere Größe mit dem einhergehenden niedrigeren Gewicht fällt die Reifendimension auch deutlich kleiner als bei den Reserverädern aus, wodurch ein Fahrzeug mit Notrad auch nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h weiterbewegt werden darf - und zwar auf dem direkten Weg in die Werkstatt oder einem Reifen-Center. Die maximale Fahrtstrecke - also in die Werkstatt - hängt damit zusammen, dass das Differential des Fahrzeugs durch die unterschiedlichen Reifendimensionen deutlich stärker als sonst beansprucht wird. Wie bei den vollwertigen Reserverädern bleiben die Gefahren beim Wechsel der Räder identisch.

positive Aspekte eines Notrades:


  • kann auch bei allen Reifenschäden eingesetzt werden


negative Aspekte des Notrades:


  • Mobilität aufgrund der Größenunterschiede begrenzt
  • Pannenbehebung ebenso aufwendig verbunden mit hohem Sicherheitsrisiko
  • Gewicht und Platzbedarf


Der Run-Flat-Reifen - die bequemste Art, einen Reifenschaden zu erleiden

Run-Flat-Reifen können nur an Fahrzeugen montiert werden, die auch ein Reifendruck-Kontrollsystem ausgestattet sind, da man den Druckverlust bei einem schadhaften Reifen unter Umständen gar nicht wahrnimmt. Run-Flat-Reifen sind so konstruiert, dass in der Flanke ein zusätzlich integriertes Gummielement ein "Einfallen" des Reifens bei einem Druckverlust verhindern soll. Das hat auch den Vorteil, dass die Insassen besonders bei hohen Geschwindigkeiten oder in Kurven vor schwereren Unfällen geschützt sein sollen. Ein weiterer Vorteil der Run-Flat-Reifen ergibt sich daraus, dass der Fahrer bei einer Reifenpanne im Fahrzeug sitzen bleiben und eben mit reduzierter Geschwindigkeit in die nächste Werkstatt fahren kann.




Als große Nachteile des Run-Flat-Reifens sind zum einem ein erhöhtes Gewicht von etwa 40 Prozent und das damit verbundene Handling sowie ein um rund 40 Euro höherer Anschaffungspreis im Vergleich zu einem Reifen ohne Run-Flat-Eigenschaften zu erwähnen. Zudem können Run-Flat-Reifen wie anfangs erwähnt auch nur auf Fahrzeuge mit Reifendruck-Sensoren verbaut werden.

positive Aspekte eines Run-Flat-Reifens:


  • Reserverad entfällt, was Platz spart
  • durch entfallenden Räderwechsel erhöhte Sicherheit sowie Zeitersparnis


negative Aspekte des Run-Flat-Reifens:


  • höhere Anschaffungskosten
  • nicht für jedes Fahrzeug geeignet
  • Komforteinbußen aufgrund der Reifenbauart
  • höheres Gewicht als normale Reifen
  • Mobilitätssicherung im begrenztem Maße


Die Pannensets - die bessere Wahl?

Die Pannensets funktionieren ähnlich wie bei den Fahrrädern, eben nur eine Nummer größer. Ein Reifen-Pannenset benötigt extrem wenig Platz und wiegt im Vergleich zu den vorherigen Methoden quasi nichts. Diese Vorteile wirken sich natürlich auf den Kraftstoffverbrauch sowie den Anschaffungspreis aus. Allerdings werden den Reifen-Pannensets auch schnell die Grenzen aufgezeigt, da das Dichtmittel ähnlich wie bei den Fahrrädern nur Stichverletzungen (zum Beispiel Nägel, Schrauben) oder kleinere Risse in der Lauffläche abdichten können. Bei Schäden in der Reifen-Flanke oder auch undichten Ventilen sind die Pannensets absolut machtlos.




Wer bei einer Panne seinen Reifen mit solch einem Pannenset und dem dazugehörigen Mini-Kompressor für die Luft wieder "fit" gemacht hat, sollte vorsichtig und mit geringer Geschwindigkeit die nächste Werkstatt anfahren, wo der defekte Reifen gewechselt werden kann. Richtig gelesen - laut Straßenverkehrsordnung gelten Hilfsmittel wie Reifen-Pannensets nur zum Notbehelf und lassen zudem eine Reparatur eines Reifens, der im Vorfeld mit Reifendichtmittel behandelt wurde, nicht mehr zu.

positive Aspekte eines Pannen-Set:


  • Reserverad entfällt, was Platz und Gewicht spart
  • günstig


negative Aspekte des Pannen-Set:


  • Mobilitätssicherung im begrenztem Maße - nur Beschädigungen in Lauffläche können repariert werden
  • nach Anwendung darf der Reifen nicht mehr repariert werden


Fazit: Die häufigste Ursache einer Reifenpanne lässt sich immer noch durch Beschädigungen in der Lauffläche herführen, weshalb in vielen Fällen das kostengünstige, leichte und wenig Platz wegnehmende Pannenset durchaus seine Vorzüge bietet. Eine uneingeschränkte Mobilitätssicherung wird allerdings nur durch das vollwertige Ersatzrad gewährleistet, welches allerdings die Nachteile des benötigten Platzes, des erhöhten Gewichts und dem damit einhergehenden erhöhten Kraftstoffverbrauchs mit sich bringen.

Meinung des Autors: Meine 20 Jahre alte Celica hat auch noch ihr originales Reserverad an Bord, wobei ich mittlerweile viele Bekannte und Freunde im Umkreis gesehen habe, die dieses entfernt und die "Mulde" anderweitig nutzen. Falls doch mal etwas passieren sollte, bin ich mit meinem vollwertigen Reserverad (kein "Heimbringer") im Vorteil, auch wenn es mehr Sprit kosten soll. Was sind denn 60 Liter auf 100.000 Kilometer? Welchen "Helfer" bevorzugt ihr bei eurem Fahrzeug?
 
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