BMW i8 im Langstrecken-Test, Teil 1: Design, Ausstattung und Bedienung

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geronimo

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Am vergangenen Wochenende hatten wir die Gelegenheit, den Plug-in-Hybrid BMW i8 ausführlich zu testen. Der Sportwagen zeigt sich dabei nicht nur beim Aussehen extrem ungewöhnlich, sondern machte auch mit diversen positiven wie negativen Eigenheiten auf sich Aufmerksam. Ob das Gesamtergebnis überzeugend ist, soll der nachfolgende Fahrbericht klären


Der i8 ist ein größtenteils aus dem Verbundwerkstoff Karbon gefertigter Sportwagen, der gleich zwei Motoren besitzt: ein 1,5-Liter großer Twin-Turbo-Dreizylinder mit 170 kW/231 PS und 320 Nm wird dabei mit einem zusätzlichem Elektroantrieb mit 96 kW/131 PS Nennleistung und 250 Nm Drehmoment kombiniert. Daraus resultiert eine Systemleistung von 266 kW/362 PS, die das weniger als 1.500 kg wiegende Fahrzeug in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ermöglicht. Dank der an der heimischen Steckdose oder an einer Ladestation aufladbaren Akkus mit einer nutzbaren Kapazität von 5,2 kWh sind bis zu 37 km rein elektrisches Fahren möglich, doch selbstverständlich lässt sich die Batterie auch im Fahrbetrieb aufladen. In der Theorie soll der i8 mit 2,1 Liter Superbenzin auskommen, was natürlich völlig utopisch ist. Doch so viel vorab: der reale Verbrauch ist überaus verblüffend, doch mehr dazu gibt es erst im 2. Teil des Tests.

Hier unsere Erfahrungen nach mehr als 1.100 km, von denen rund 40 Prozent über Landstraßen, 50 Prozent über die Autobahn und 10 Prozent durch Stadtverkehr und Ortschaften gingen.


Design:

Egal aus welchem Winkel man auf den i8 schaut, das futurisch gestaltete Auto sieht immer so aus, als wäre es gerade aus einem Science-Fiction-Film in unsere Zeit katapultiert worden. Die flache Silhouette mit den Scherentüren wie bei Lamborghini wirkt auch wegen der satten 4,7 m Länge beeindruckend. Noch auffälliger sind aber die extreme Liniengebung sowie diverse Ausformungen an Front und Heck. Hauptmerkmal ist der eingebaute Luftdurchlass zwischen hinterem Kotflügel und dem auslaufenden Dach, der beim Blick in den Außenspiegel den Eindruck einer Fahrt mit geöffneter Heckklappe vermittelt. Dies alles sieht sehr ungewöhnlich aus und sorgt nicht nur beim ersten Hingucken für Verwunderung, ist aber mit viel Hirnschmalz im Sinne einer sehr guten Aerodynamik in Verbund mit ordentlichem Abtrieb entwickelt worden. Und es erfüllt seinen Zweck, denn der Cw-Wert liegt bei 0,26. Weiter Vorteil: Windgeräusche gibt es so gut wie keine, weswegen man sich auf die Stille des Elektroantriebs oder auf den Sound im Sport-Modus konzentrieren kann. Auch dazu später noch mehr.

Ganz praktisch ist das Gesamtpaket aber längst nicht immer, was sich vor allem beim Aussteigen zeigt. Während das Einsteigen über den hohen Schweller für die meisten Menschen noch eine relativ einfache Übung darstellt, ist das Verlassen teilweise eine echte Herausforderung. Vor allem kleinere Menschen tun sich hier schwer. Diese sind allerdings auf den hinteren Plätzen im Vorteil, sofern sie über eine gewisse Gelenkigkeit verfügen und frei von Klaustrophobie sind. Größere Personen passen definitiv nicht auf die Rücksitze, und haben zudem vorne mit dem niedrigen Verlauf des Sicherheitsgurtes zu kämpfen, der unangenehm am Hals scheuern kann. Beschränken muss man sich beim Gepäck, denn der „Kofferraum“ unter der unpraktisch zu öffnenden Kofferraumhaube aus Glas ist mit einer Reisetasche quasi schon voll. Bei Bedarf kann hier allerdings die ansonsten eher nutzlose Rückbank als zusätzlicher Stauraum genutzt werden. Das ist vor allem bei empfindlichem Transportgut zu empfehlen, denn im Gepäckabteil des i8 wird es durch den davor befindlichen Verbrennungsmotor ziemlich warm.


Ausstattung:

Wer einen neuen i8 im Konfigurator zusammenstellt, ist ziemlich schnell fertig. Abgesehen von ein paar Farben, zwei optionalen Felgen und wenigen Extras wie besseres Leder, lichtstarken Laser-Scheinwerfern, Head-Up-Display oder dem umstrittenen schlüssellosen Komfortzugang steht nicht viel in der Ausstattungsliste. Am Ende lässt sich der Grundpreis von exakt 130.000 Euro nur um rund 15 Prozent auf etwas über 150.000 Euro steigern, was angesichts von Steigerungsmöglichkeiten bis zu 80 Prozent bei anderen Fahrzeugen der oberen Preisklassen durchaus erstaunlich ist. Das zeigt einerseits, dass der i8 bereits über eine relativ umfangreiche Grundausstattung verfügt, bei der bereits ein Navigationssystem inklusive Verkehrsdaten in Echtzeit (die vor allem in Verbindung mit dem Eco-Fahrprofil manchmal etwa seltsame Routenberechnungen hervorbringen), Parksensoren, LED-Licht und andere Details dazugehören. Es ist aber andererseits auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass vieles von dem, was man heutzutage fast schon als Standard in dieser Preisregion ansieht, gar nicht erst zu bekommen ist.

Die Kunden müssen unter anderem auf fast alle bekannten Assistenzsysteme verzichten, darunter Abstands-Tempomat, Spurhalte-Assistent, Totwinkel-Warner und ähnliches. An Bord sind lediglich eine Geschwindigkeitsregelanlage, ein Parkpilot sowie gegen Aufpreis ein Fußgänger-Kollisionsschutz. Und eine Verkehrszeichenerkennung, auf die man sich aber keinesfalls verlassen sollte, weil sie in zahlreichen Situationen falsche Tempolimits angezeigt hat. Auch im Komfortbereich ist Verzicht angesagt, etwa bei den Sitzen. Diese sind relativ einfach gehalten und lassen nur eine Verstellung der Position und Höhe sowie der Lehnenneigung zu. Weitere Einstellungsmöglichkeiten wie Abstand der Seitenwangen oder Verlängerung der Sitzfläche gibt es nicht, und auch Belüftung oder Massage werden nicht angeboten. Durch Abwesenheit glänzen übrigens auch Ablagemöglichkeiten, es gibt nicht einmal eine sichtbare Unterbringungsmöglichkeit für das Smartphone oder eine für die Sonnenbrille. Auch der persönliche Flüssigkeitsbedarf sollte im i8 möglichst niedrig sein, denn Flaschen lassen sich nur bis 0,5 Liter, in geringer Anzahl und an schlecht erreichbarer Stelle unterbringen.

Die Abstriche bei der Funktionalität müssen den Designern angelastet werden, der Verzicht bei den Extras hat hingegen System. BMW begründet dies damit, dass so das mühsam erreichte niedrige Gewicht des i8 durch zusätzliche Bauteile und Steuergeräte nicht unnötig erhöht wird. Und das mit Dingen, die im eigentlichen Revier des Fahrzeugs – auf Landstraßen – ohnehin nicht gebraucht werden. Schließlich wirkt sich jedes zusätzliche kg durch unnützes Zubehör negativ auf Fahrdynamik und Fahrzeugbalance aus. Zudem wird so auch der Energiebedarf des Fahrzeugs niedrig gehalten, was wiederum der Reichweite und dem Verbrauch zugute kommt. Und zu guter Letzt dürfte es teilweise auch schlicht ein Platzproblem gewesen sein, die Komponenten und Elektronik unter der knapp geschnittenen Hülle des i8 unterzubringen.

Verarbeitung:

Diese ist auf dem gewohnt hohen BMW-Niveau. Das bedeutet hochwertige Materialien, die gut aussehen und sich gut anfassen. Und die gut zusammengebaut wurden, denn alle Nähte laufen gerade und nirgendwo lässt sich eine Nachlässigkeit entdecken. Gleiches gilt natürlich auch für die wenigen übriggebliebenen Schalter und Knöpfe, sowie den Dreh-Drück-Regler mit integriertem Tochpad für das Eingabesystem iDrive, die allesamt über eine tolle Haptik und präzise Druckpunkte verfügen. Das Fahrzeug selber wirkt trotz niedrigem Gewicht extrem solide, weder Verwindungen noch irgendwelche knarzenden Geräusche konnten festgestellt werden. Lediglich das satte Tür-Schließgeräusch moderner Fahrzeuge fehlt ein wenig, was allerdings den extrem leichten Schwingtüren aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff geschuldet ist. Die einzigen Mängel, die in 3 Tagen gefunden wurden: leichter Faltenwurf an der Sitzwange des Fahrersitzes (siehe Foto) und ein im reinen Elektroantrieb wahrnehmbares ganz feines Klingeln des Luftausströmers links neben dem Lenkrad, das durch Handauflegen zum Verstummen gebracht werden konnte.


Bedienung:

Abgesehen von der der Einstellung der Klimaanlage und einigen wenigen Möglichkeiten für das Radio wird so gut wie alles über das erwähnte iDrive eingestellt. Das System ist inzwischen deutlich logischer aufgebaut und intuitiver zu bedienen, als dies noch vor einiger Zeit der Fall war. Die meisten Einstellungen und Funktionen sind selbsterklärend zu finden und zu verändern. Und zur Not ist die Bedienungsanleitung direkt über das Infotainment-System abrufbar – was auch gut ist, denn an manchen Stellen hakt es leider immer noch. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Zusatzfunktionen wie das Löschen der letzten Ziele im Navigationssystem aufgerufen werden sollen. Diese werden nämlich nicht über die in allen Punkten genutzte Bildschirmsteuerung entfernt, sondern über die physikalische Taste „Optionen“ am iDrive. Darauf wird man allerdings nicht auf dem Bildschirm hingewiesen, weswegen man bei der Suche nach der Löschfunktion erst einmal verzweifeln kann, bevor man die Erklärung in der Anleitung findet. Gar nicht geschafft haben wir die Entfernung der Sucheinträge beim optional nutzbaren Musikstreaming-Dienst Napster. Und auch sämtliche heruntergeladene Musik konnte nicht vor der Rückgabe des Fahrzeugs in einem Rutsch entfernt werden, obwohl die entsprechende Rubrik in den Einstellungen schnell gefunden war. Im Gegenteil: nachdem über wiederholte Nutzung von „Entfernen des aktuell gespielten Titel“ das derzeit gespielte Album komplett gelöscht wurde, wurden alle diese Titel umgehend wieder neu heruntergeladen – ein Teufelskreis.

Erstes Fazit und Ausblick:

Bevor man einen Meter gefahren ist, muss man dem BMW i8 bereits bescheinigen, sehr extravagant zu sein. Das gilt aber eher für das Aussehen und die damit verbundenen Vor- und Nachteile sowie das Antriebskonzept, als die gewohnten Vorzüge von BMW bei Qualität und Verarbeitung. Auch die Bedienung ist von Kleinigkeiten abgesehen verständlich, allerdings sollte das gehörige Ablenkungspotenzial durch das teilweise langwierige Hangeln durch zahllose Menüs und Eingabemöglichkeiten nicht unterschätzt werden. Doch sind wir mal ganz ehrlich, am Ende sind das alles nur Nebensächlichkeiten, denn die Hauptaufgabe ist das Fahren. Genauer gesagt: Fahrspaß im Verbund mit gutem Gewissen. Und da darf man sich schon jetzt auf Teil 2 des Tests freuen, denn der BMW i8 liefert sowohl beim Fahrverhalten als auch beim Konsumverhalten überaus interessante Ergebnisse ab.

Update, 13.09.2016, 15:11 Uhr: Der 2. Teil des Test mit Antrieb, Fahrverhalten und Verbrauch des i8 sowie einem klaren Fazit ist jetzt online.

Meinung des Autors: Der BMW i8 ist kein weiterer Sportwagen nach herkömmlichen Rezept. In München hat man vielmehr versucht, ein leichtes, fahraktives und gleichzeitig halbwegs sparsames Fahrzeug auf die Beine zu stellen. Klingt nach einem guten Ansatz, der optisch recht radikal verpackt wurde. Das ist manchmal gut, und manchmal nicht ganz so gut umgesetzt, wie der 1. Teil unseres Test des Plug-in-Hybrid zeigt.
 
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