BMW i3 und i8: Riskante Strategie könnte den Hersteller viel Geld kosten

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geronimo

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Mit den beiden neuen Elektrofahrzeugen i3 und i8 hat BMW seine technologische Kompetenz bei Elektrofahrzeugen bewiesen und gleichzeitig demonstriert, dass ihnen beim Thema Karbon momentan niemand das Wasser reichen kann. Doch die neuen E-Autos bergen auch ein hohes Risiko, denn die Entwicklungskosten wollen erst einmal verdient werden



Die beiden Neuzugänge im Portfolio des Münchner Autoherstellers haben für viele begeisterte Reaktionen gesorgt. Auch unsere erste (Mit-)Fahrt mit dem neuen i3 konnte Begeisterung wecken, denn das komplette Konzept scheint technisch überzeugend und kommt erfrischend anders rüber als nahezu alle anderen Elektroautos. Während die meisten Hersteller bei ihren Elektroautos auf umgebaute, aber bereits bewährte Fahrzeuge setzen, wie das VW bei seinen Modellen e-up! und e-Golf macht, hat sich BMW für die komplette Neuentwicklung ohne technische Vorgaben entschieden. Herausgekommen ist dabei ein Fahrzeug, das dank einer Bodengruppe aus Aluminium, die die komplette Technik aufnimmt, und einer aufgesetzten Karosserie aus kohlenstoffaserverstärktem Kunststoff (CFK) nicht nur vergleichsweise leicht ist, sondern trotz bescheidener Ausmaße im Format eine VW Polo reichlich Platz für Insassen und Gepäck bietet.

Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die Entwicklung der neuen Fahrzeuge mit angeblich rund 2 Milliarden Euro zu Buche schlägt. Unklar ist dabei, ob die Kosten von 400 Millionen Euro, die in die Erweiterung der Produktionsstätte in Leipzig investiert wurden, darin enthalten sind. Ebenso unklar ist auch, ob die Kosten für die Entwicklung beider Fahrzeuge gelten oder nur für den i3. Gehen wir aber einmal vom niedrigsten Wert aus, nämlich 2 Milliarden Euro für beide Fahrzeuge inklusive Werkserweiterung. Bei einem Verkaufspreis von 35.000 Euro Brutto kostet der i3 nach Abzug der Mehrwertsteuer knapp 29.500 Euro. Falls BMW beim i3 eine hohe Rendite von 10 Prozent erreichen würde, müssten weit über 650.000 Einheiten des i3 abgesetzt werden, um alleine die Entwicklungskosten wieder reinzuholen. Zum Vergleich: das entspricht dem elffachen der Menge, die BMW im Jahre 2012 von seinem erfolgreichsten Modell - der 3er-Reihe - in Deutschland verkaufen konnte.

Daneben birgt das Konzept aber noch weitere Risiken. Da die Fahrzeuge, wie ausführlich beschrieben, komplett eigenständige Entwicklungen sind, lässt sich die Technik nicht einfach so in andere Autos verpflanzen, die Entwicklungskosten können also nicht auf mehrere Baureihen verteilt werden. Hier haben Hersteller wie Toyota, deren Hybridantrieb mittlerweile auch in anderen Fahrzeugen als dem Vorzeigeprojekt Prius angekommen ist, oder aber VW einen klaren Vorteil. Die Wolfsburger könnten die Technik der beiden neuen Elektroautos problemlos in nahezu jede andere Baureihe des Unternehmens, ja sogar des gesamten Konzerns, verpflanzen, sofern die Nachfrage nach den Modellen entsprechend steigen würde. Dieser Schritt ist BMW hingegen grundlegend versperrt.

Aber bei BMW wird man den Erfolg der beiden neuen Modelle sicherlich nicht alleine an den Verkaufszahlen festmachen. Für die Münchner dienen beide Fahrzeuge in erster Linie als Technologieträger, gerade was die Kompetenz im Bereich des immer noch exotisch anmutenden Werkstoffs Karbon angeht. Nach Meinung einiger Experten hat BMW auf diesem Gebiet einen Vorsprung von bis zu zehn Jahren, was jedoch möglicherweise deutlich zu hoch gegriffen ist. Dennoch dürfen sich die Münchner derzeit als unangefochtene Vorreiter feiern lassen, da es ihnen offenbar gelungen ist, Karbon erstmals in der Großserie mit akzeptablen Produktionszeiten und zu kalkulierbaren Kosten einzusetzen. Bei anderen Modellen der Marke könnte Karbon schon bald selbstverständlich werden, womit man Audi und der dort seit etlichen Jahren verfolgten Aluminium-Strategie die Kompetenz in Sachen Leichtbau streitig machen könnte. Der Marketingeffekt dürfte nahezu unbezahlbar sein.

Auf jeden Fall wird es spannend, wie besonders des i3 für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen sorgen wird. In unserem Fahrbericht wurde der neue Stromer bereits mit dem ersten iPhone verglichen, das zwar technologisch nicht zu 100 Prozent neu war, aber dank seiner einfachen Bedienung, dem guten Ökosystem um das Gerät herum und dem perfekten Design den zukünftigen Smartphones aller Hersteller den Weg geebnet hat. Genau diesen Schub könnte BMW jetzt auch bei Elektroautos auslösen, wenn auch sicherlich in bescheidenerem Umfang. Und das wäre nicht nur ein Segen für die Umwelt, sondern für alle Mitbewerber, da die Verkaufszahlen solcher Fahrzeuge deutlich zunhemen könnte - wovon am Ende alle Beteiligten profitieren dürften. Und auch die Kunden können sich freuen, denn mit 35.000 Euro hat BMW einen Preis vorgegeben, an dem sich alle anderen Fahrzeuge messen lassen müssen. Der Preiskampf dürfte damit begonnen haben.
 
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