Bilenkin Vintage: russisches Retro-Luxus-Coupé auf BMW-Plattform im Fahrbericht

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geronimo

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Eines der aktuell ungewöhnlichsten Autos feierte auf der diesjährigen Oldtimer-Messe Techno Classica seine Westeuropa-Premiere. Das Fahrzeug stammt aus einem Land, das man nicht unbedingt mit automobiler Handwerkskunst in Verbindung bringt: Russland. Doch von der Herkunft sollte man sich keineswegs täuschen lassen, denn das mit reichlich Technik von BMW versehene Coupé glänzt bereits beim Prototyp mit nahezu perfekter Verarbeitung


Wenn kleine und junge Unternehmen ihr erstes eigenes Fahrzeug planen, kommt in den meisten Fällen das gleiche heraus: ein Sportwagen. Doch Kirill Bilenkin und Oleg Kindeev aus Moskau hatten andere Vorstellungen, was ihren Traumwagen angeht. Deshalb haben sie einen formschönen Zweitürer entworfen, der zahlreiche Vorbilder aus der Automobilgeschichte zitiert. Die Silhouette erinnert an den Volvo P1800, die Anordnung der Scheinwerfer mit anachronistischer Streuscheibe orientiert sich an BMW 503 und 507, der Knick hinter den Türen findet sich in ähnlicher Form sowohl bei Volvo, als auch bei Tatra wieder. Auch im Innenraum gibt es Reminiszenzen an große Namen, das Lenkrad mit Chromring für die Hupe wurde beispielsweise bei Mercedes verwendet. Und die opulente Verwendung von Chrom außen und innen darf durchaus als Hommage an die US-Straßenkreuzer der 1950er verstanden werden.

Doch von der Optik sollte man sich keinesfalls täuschen lassen, denn unter der Karosserie des Vintage versteckt sich modernste Technik. Als Spenderfahrzeug diente nämlich eine BMW-Plattform der 3er-Reihe (E92), aus der in der Moskauer Manufaktur mit viel Handarbeit ein komplett eigenständiges Produkt geschaffen wird. Bei neueren Modellen kommt inzwischen die weiterentwickelte Technik der 4er-Reihe zum Einsatz, dazu später mehr. Wir durften das Coupé jetzt als zweite Autoseite in West-Europa einem Test unterziehen, was wir parallel zu unserem ausführlichen Test des Lexus RC F getan haben. Für unsere Testfahrt stand der zweite jemals gebaute Bilenkin Vintage zur Verfügung, der die Seriennummer 002 trägt und in Deutschland mit einem Kennzeichen aus dem Heimatland unterwegs ist.
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Trotz dieses frühen Entwicklungsstadiums müssen keine Abstriche bei der Verarbeitungsqualität gemacht werden. Im Gegenteil, denn alle Oberflächen sehen hervorragend aus und fühlen sich mindestens ebenso gut an. Verwendet werden nur hochwertige Materialien, darunter Leder, wie es auch von Bentley eingesetzt wird, oder echte Diamanten vor den LEDs. Bei der Karosserie fällt auf, dass es überall identisch kleine und perfekte Spaltmaße gibt, hier muss man sich vor der Großserie der Premiumhersteller keinesfalls verstecken.

Bereits auf den ersten Metern fängt die ungewöhnliche Kombination an zu wirken. Der edel gestaltete, und nicht mit Schaltern und Displays überfrachtete Innenraum sorgt für Entspannung, die durch den leise laufenden Sechszylinder-Diesel und das sanft federnede Fahrwerk noch gesteigert wird. Dem russischen Hersteller ist somit ein ziemlich perfektes Reisemobil gelungen, mit dem man gerne auf große Fahrt gehen möchte. Puristen werden aber bevorzugt auf einen Sechszylinder-Benziner setzen, wobei das optional angebotene, aber recht aggressiv ausgelegte M-Triebwerk wohl nicht zum eher soften Charakter des Langstreckenautos passen dürfte.
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Doch ganz frei von Kritik ist der Vintage dann doch nicht. Zu den negativen Punkten zählen unter anderem die schweißtreibenden Sitze mit mangelndem Seitenhalt, in der Frontscheibe spiegelnde Lautsprecherabdeckungen auf der Oberseite des Armaturenbretts und auch das optisch zwar schön gestaltete, doch mit einem viel zu kleinen Display versehene Radio, das zudem mit fragwürdigen Empfangseigenschaften aufwartet. Und das extrem dünne Bakelit-Lenkrad ist zumindest Geschmackssache.

Bei Bilenkin ist man sich dieser Punkte aber bewusst und hat sie bei späteren Modellen auch bereits größtenteils beseitigt. Was auch daran liegt, dass inzwischen – wie erwähnt - ein moderneres Spenderfahrzeug zum Einsatz kommt. Von diesem werden unter anderem die belüfteten Sitze mit verstellbaren Seitenwangen übernommen. Zudem hat man reichlich Feinschliff betrieben, weswegen beispielsweise die drei bislang offenen Fächer vor dem eigentlichen Kofferraum mit einer abschließbaren Abdeckung versehen sind und die originale BMW-Motorabdeckung durch eine selbstgestaltete von Bilenkin ersetzt wurde. Verbessert wurde auch die Ausstattung, die jetzt mehr oder weniger einer Vollausstattung entspricht. Das hat allerdings seinen Preis, denn im Gegensatz zu unserem ersten Bericht wurde der Grundpreis von 150.000 auf 200.000 Euro angehoben. Dafür sind aber auch hohe Zollgebühren verantwortlich, weshalb Bilenkin mehr als wohlwollend über eine zusätzliche Produktionsstätte in Westeuropa nachdenkt.
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Fazit: Es fällt schwer, sich dem Reiz des Bilenkin Vintage zu entziehen. Wer sich nicht von der Herkunft des Fahrzeugs abschrecken lässt, bekommt mit dem auf alt getrimmten Coupé ein extrem gut verarbeitetes, extrem charmantes, extrem ungewöhnliches und zudem extrem seltenes Auto. Dessen Preis angesichts des Aufwandes, den der Hersteller betreibt, durchaus angemessen wirkt, auch wenn "nur" ein Mittelklasse-Spenderfahrzeug als Basis dient. Als einziger echter Kritikpunkt fallen lediglich die veralteten Halogen-Scheinwerfer auf, die mit modernen Lichtsystemen auf Xenon-, LED- oder Laser-Basis natürlich nicht mithalten können. Am Ende kann man es eigentlich nur so auf den Punkt bringen: Bilenkin scheint das russische Wort für „rundum zufrieden“ zu sein.

Meinung des Autors: Wer an Autos aus Russland denkt, hat nicht unbedingt ausgefallenes Design, edle Materialien, tolle Verarbeitung und ausgereifte Technik im Sinn. Das Retro-Coupé Bilenkin Vintage belehrt einen aber schnell eines besseren, denn es kann alle oben genannten Punkte bestens in sich vereinen. Das hat allerdings auch einen exklusiven Preis.
 
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