Anwalt ja oder nein?

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Cinzano

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Hallo alle :-)

ich wollte Euch mal um ne Einschätzung zu meiner derzeitigen Situation bitten. Ich versuche meinen Fall so objektiv wie möglich zu schildern, obwohl ich als Betroffener bzw. Beschuldigter natürlich vielleicht nicht ganz objektiv sein kann.

Ich hatte vorgestern zum ersten mal seit 26 Jahren einen Verkehrsunfall, den ich selbst verschuldet habe. Passiert ist es an einer Kreuzung mit 4 "gleichberechtigten" Straßen, Tempo 30 Zone dazu. An den jeweiligen Einmündungen sind diese 4 weißen Vierecke gepinselt. Ich bin an die Kreuzung herangefahren und habe etwa 2 m vor der Haltelinie kurz angehalten und nach rechts geschaut. Die Sicht war mir durch ein dort parkendes Fahrzeug versperrt. Deshalb bin ich nur langsam in die Kreuzung eingefahren (etwa 20-25 km/h). Es kam, wie es kommen musste aber nicht sollte, hinter dem geparkten Fahrzeug kam ein anderes Fahrzeug hervor und fuhr mir ungebremst in die Seite. Es gab keinerlei Bremsspuren des anderen Fahrzeuges und mein Auto wurde durch den Aufprall etwa 2 m verschoben. Mein (zugegeben subjektiver) Eindruck war, dass das andere Fahrzeug deutlich schneller als die vorgeschriebenen 30 km/h unterwegs war und keinerlei Anstalten machte, die Kreuzung nach einem Anhalten zu befahren sondern, dass die Fahrerin in diesem Moment nach rechts schaute um ungebremst weiterfahren zu können.

Die ersten Aufprallspuren auf meiner Beifahrerseite befinden sich an der Beifahrertür (nur, falls es wichtig ist).

Ganz klar: Rechts vor Links, mich trifft die Schuld. Ich hätte mich dann halt bei verdeckter Sicht in die Kreuzung hineintasten müssen. Bin aber auch der Ansicht, dass der Unfall bei Tempo 30 der Gegnerin hätte vermieden werden können oder er wäre glimpflicher abgelaufen. Auch frage ich mich, warum es keinerlei Versuche gab zu bremsen. Na gut...Zum Glück für alle Beteiligten gab es keine offensichtlichen Schäden an Leib oder Leben. Die Unfallgegnerin erklärte anfangs noch, dass es ihr gut gehe und nichts passiert wäre. Nach 2 Telefonaten mit ihrem Mann und noch jemandem, teilte sie dann mit, dass jetzt die Nackenschmerzen anfangen würden. Da wir beide auf dem Hinzuziehen der Polizei bestanden, bin ich nun der fahrlässigen Körperverletzung beschuldigt. Die Unfallgegnerin ist beruflich selbstständig.

Nach Rücksprache mit meiner Versicherung bewegt sich die zu erwartende Erhöhung der Beiträge im vertretbaren Rahmen (Vollkasko von 32% auf 37%). Zum Glück habe ich die VK mit 300 Euro SB.

Eventuelle Punkte aus dieser Geschichte bewegen mich nicht wirklich, da ich bisher noch nie Punkte hatte und meine Fahrweise auch nicht so ist, dass demnächst die nächsten zu erwarten sind. Würde also noch eine Geldstrafe im Raum stehen. Da ich momentan erwerbslos bin, kann das auch nicht so viel sein. Oder irre ich mich da?

Da mir in Unfalldingen die Erfahrung fehlt - zum Glück - wollte ich gern mal Eure Meinung hören.

Soll ich mir auf jeden Fall einen Anwalt nehmen (habe keine RSV)? Die zu erwartenden Ausgaben mit Selbstbeteiligung, Höherstufung und einer kleinen Geldstrafe würden dies doch nicht rechtfertigen oder?

Oder übersehe ich hier etwas wichtiges? Wie gesagt, mir fehlt die Erfahrung mit Unfällen. Ich muss dazu sagen, auch wenn ich mir mit nem sportlichen Auto (Giulietta) einen Traum erfüllt habe, gehöre ich nicht zu den Fahrern, die die Lady über die Straßen prügeln. Mein letzter Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung liegt 4 Jahre zurück und es waren 13 km/h.

Wäre die Beauftragung eines Anwaltes eventuell sinnvoll in Bezug auf eine eventuelle Teilschuld der Gegnerin? Dafür müsste es doch dann ein Gutachten geben, welches extra kostet oder zahlt so etwas die eigene Versicherung, da es ja in ihrem Interesse liegt?

Für hilfreiche Feedbacks danke ich schon jetzt.

cinzano

PS: Ergänzend muss ich anführen, dass es wohl keinerlei Unfallzeugen gab. Die Straßen waren menschenleer. Ich hatte schon daran gedacht, die umliegenden Häuser abzuklingeln, ob doch jemand was dazu sagen kann.
 
maniacu22

maniacu22

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hmm, schwierige und zugleich unglückliche Geschichte.

Auch wenn du keine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hast, würde ich dir raten, jemanden aufzusuchen der sich mit Verkehrsrecht auskennt. Fragen dürfte ja erstmal nicht viel Kosten. Da ich mal davon ausgehe, dass du hier bei uns im Forum eher weniger Glück haben wirst, auf einen Rechtsbeistand zu treffen, empfehle ich dir wirklich, einen Anwalt aufzusuchen.

Ich möchte jetzt bestimmt nicht den Teufel an die Wand malen, aber stell dir mal vor, an der Nackengeschichte der Unfallgegnerin ist mehr dran, mehr als man im Augenblick vermuten mag? Ich bin deiner Meinung, dass die Fahrerin des anderen Fahrzeugs eine Teilschuld bekommen sollte, denn man fährt trotzdem nicht (gerade bei vier gleichrangigen Straßen) ungebremst in eine Kreuzung hinein. Ich persönlich schaue in solchen Fällen vorsichtshalber auch nach links, obwohl ich es nicht unbedingt müsste (glaube ich).

Wie gesagt, auch ein Anwalt kann dir sagen, ob sich ein Rechtsbeistand lohnt, oder nicht (wenn es der richtige Anwalt und kein Verbrecher ist).

PS.: wenn du in diesem Szenario ein Kleinkind gewesen wärst, was ihr vor ihr Auto springt, wäre sie auch blos schuldig, da sie meiner Meinung nach beim Fahren auch nach vorne zu schauen haut, und dich dann hätte sehen müssen.
 
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albert57

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Hallo.
Mich interessiert die Entwicklung dieser Sache. Ich habe einen parallel Fall dazu .
 
Janner

Janner

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Also das ist ein Fall für einen Anwalt.

Denke daran, dass eine Erstberatung bei einem Rechtsanwalt grundsätzlich kostenlos ist.

So wie ich es verstanden habe, warst du bereits in der Kreuzung und die Dame fuhr dir ungebremst in die Seite. Da hat sie zumindest schon eine Teilschuld, wenn du dich wirklich in die Kreuzung hineingetastet hast und sie da unvermittelt auftauchte, während du schon in der Mitte der Kreuzung warst.

Das mit der Polizei und der Anzeige is normal, kann aber im Laufe des Verfahrens auch wieder eingestellt werden.

Im Übrigen solltest du bedenken, dass wenn du das Verfahren gewinnst, die gegnerische Seite auch deine Kosten zu tragen hat. Von Schadensregulierung bis zu Anwalt- und Gerichtskosten.
 
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Cinzano

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Also inzwischen ist einige Zeit vergangen. Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen mich wurde ohne Auflagen eingestellt. Ebenfalls kam keinerlei Post wegen Schmerzensgeld oder Ähnlichem.

Allerdings erhielt ich am Freitag einen Bußgeldbescheid über € 120,- und 3 Punkten wegen Missachtung der Vorfahrt.

Ich frage mich jetzt, ob es sinnvoll ist, gegen diesen Bußgeldbescheid Einspruch einzulegen. Ich habe der Polizei (und - was dafür nicht wirklich wichtig ist - der Versicherung die Fotos vom Unfallort zur Verfügung gestellt.

Deshalb meine Frage: Sollte ich den Bescheid akzeptieren oder Einspruch einlegen. Aus meiner Sicht war ja die Dame, welche Vorfahrt hatte, deutlich zu schnell unterwegs. Dazu kommt, dass ich -krankheitsbedingt - derzeit erwerbslos bin. Eventuell könnte ein Einspruch ja zumindest die Höhe des Bußgeldes beeinflussen. Nach meiner Kenntnis gibt es für ein derartiges Vergehen noch "Luft" nach unten. Oder verschlechtere ich dadurch meine Situation?

Viele Grüße und allen alles Gute für 2014
 
ruderbernd

ruderbernd

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Ich glaube nicht das du da jetzt noch was an der polizeilichen Strafe biegen kannst, bzw. das es sich lohnen würde. Vor allem deine Argument
Aus meiner Sicht .... deutlich zu schnell
....
Dazu kommt, dass ich -krankheitsbedingt ...
erzähl das bloß keinem, sonst drehen die dir daraus noch nen Strick. Psyschisch überbelastet ...

Du hast in meinen Augen ganz am Anfang den fehler gemacht das du nicht auf die Kare gehört hast. Das war eindeutig eine Sache für einen Anwalt.
Außerdem mußt du, bzw. deine Haftpflicht den Schaden an dem generischen Auto zahlen, stimmts? Was ist mit deinem Schaden? Das gehört auch alles dazu. Da hätte sich ein Anwalt auf alle Fälle gelohnt. Es ging ja sicher nicht nur um 500 Euro Schaden ;)

Das zeigt mir immer wieder, heute braucht man die Rechtsschutzversicherung fast mehr als alle anderen Versicherungen. Wobei ich sagen muß, das ich zwar auch seit über 20 Jahren eine habe, also auch immer schön bezahlt, die aber bisher noch nie gebraucht habe. Wenn man das Geld zusammrechnet kann man auch mal einen Rechtsstreit ankurbekn. Das Problem ist aber nur, das man das Geld das man spart ja auch nicht zurücklegt für einen solchen Fall, also hat man das gesparte Geld auch nicht verfügbar.
 
Squitsch

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Ich würde dir dazu raten, die Strafe zu bezahlen, und es darauf beruhen zu lassen.

Denn einerseits ist es ziemlich aussichtslos, dass die Strafe aufgrund deiner Erwerbslosigkeit gesenkt oder ganz gestrichen wird (der Bußgeldkatalog ist nicht verhandelbar).

Und andererseits, unabhängig davon, ob deine Unfallgegnerin möglicherweise zu schnell unterwegs war, ändert dies nichts an der Vorfahrtfrage und dem damit verbundenen Bußgeld.



Die erhöhte Geschwindigkeit deiner Unfallgegnerin wäre höchstens Interessant für die Begleichung des Schadens an euren Fahrzeugen, aber das muss, wie schon erwähnt wurde, von einem Anwalt geklärt werden.
An deinem Bußgeld wird dies jedoch auf keinen Fall etwas ändern.
 
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Cinzano

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Nein, krankheitsbedingt heisst hier, Rückenleiden und deshalb war ich erst 4 Wochen nach dem Unfall krankgeschrieben.

Anwalt hätte sich finanziell nicht gelohnt. Selbstbeteiligung waren 300 Euro + jetzt die Strafe von 120. Zusammen 420 Euro. Ein Anwalt wäre deutlich teurer gewesen.
 
ruderbernd

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Anwalt hätte sich finanziell nicht gelohnt. Selbstbeteiligung waren 300 Euro + jetzt die Strafe von 120. Zusammen 420 Euro. Ein Anwalt wäre deutlich teurer gewesen.
Du vergisst einfach mal die Schäden an den Autos!
Was ist denn da zusammengekommen?
Schaden am Gegner --> wie hoch? Hat sicher deine HP gezahlt, oder? Hochstufung wie viel ist das unterm Strich?
Dein Schaden --> wie hoch? Wer hat den gezahlt?

Das Bußgeld würde ich jetzt auch bezahlen, denn es ist mMn zu spät da was zu ruckeln.
 
Squitsch

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Das Bußgeld würde ich jetzt auch bezahlen, denn es ist mMn zu spät da was zu ruckeln.
Wobei es da meines Erachtens nach auch zu einem früheren Zeitpunkt nichts daran zu rütteln gegeben hätte.
Das Bußgeld ist ja immerhin für die Vorfahrtsmissachtung, und der Tatbestand war ja schon von Anfang an gegeben.

An dem Bußgeld hätte man bestenfalls was rütteln können, wenn die Unfallgegnerin so gefahren wäre, dass er auch unter der allergrößten Sorgfalt keine Möglichkeit zur Vermeidung des Unfalls gehabt hätte.
Also etwa Nachts auf dunkler Straße ohne Licht, oder mit einer derart überhöhten Geschwindigkeit, mit der man innerhalb geschlossener Ortschaften nicht rechnen kann (ich werf da jetzt einfach mal geschätzte 75-100 km/h in den Raum, müsste dann aber eben der Anwalt klären. 50 in der 30er-Zone dürfte dafür jedenfalls noch nicht ausreichen).
 
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Privato

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Nun ja, mit der Rechtssprechung ist so ne Sache. Recht haben und Recht bekommen sind 2 Schuhe.
Auch Anwälte und Verkehrsgutachter sind nicht so ganz geheuer?
Je nach Alter, was bist Du, was ist Der, bist Du Behindert...usw.
Auch wenn Du sicher bist und Zeugen hast, bekommt man kaum und wenig Rechte.
Da sind manche Gerichte gehässig, diskriminierend, befangen und machen da noch mit...usw.
Um bestimmte Personenkreise aus dem Verkehr zu ekeln oder in Unkosten & ungnade zu versetzen.
Ihr könnt ruhig Eure Meinung sagen wenn was nicht mit der ganzen Sache nicht stimmt.
ZB: Sie sind gehässig, diskriminierend, befangen! (Habe es fast selbst erlebt)
 
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