Alfa Romeo Stelvio: sportliches SUV aus Italien im Fahrbericht

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geronimo

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Seit knapp zwei Wochen steht der erste Geländewagen von Alfa Romeo bei den Händlern. Wir hatten inzwischen die Gelegenheit, uns von den Straßenqualitäten des dynamischen Offroaders zu überzeugen. Dabei gab es sowohl erfreuliches, als auch nicht ganz so schönes zu entdecken


Die Kundschaft verlangt immer öfter nach Fahrzeugen, die aufgrund des höheren Fahrwerks einen besseren Einstieg und mehr Übersichtlichkeit bieten. Die soften Geländewagen sind dabei längst bei Herstellern angekommen, bei denen man das noch vor wenigen Jahren für völlig ausgeschlossen gehalten hat. Prominenteste Vertreter sind Bentley, Jaguar, Maserati und Porsche, die bereits jeweils mindestens ein SUV anbieten, sowie Lamborghini und Rolls-Royce, deren Geländewagen in absehbarer Zeit auf den Markt kommen. Ein Stück vom Kuchen will auch die Fiat-Tochter Alfa Romeo abhaben, die dafür den Stelvio anbietet.

Karosserie:

Aus diversen Blickwinkeln sieht der Stelvio aus, wie eine aufgeplatzte Giulia, mit der sich der Geländewagen die Bodengruppe teilt. Das ist aber nicht zwingend negativ gemeint, denn es gibt sicher schlechtere Designvorlagen als die kompakte Mittelklasse-Limousine, die seit letztem Jahr erhältlich ist. Die gewachsenen Abmessungen sorgen allerdings für ein luftigeres Gefühl, denn vorne wie hinten gibt es mehr Platz. Auf der Rückbank wird es allerdings schnell eng, wenn auf den vorderen Plätzen ein Sitzriese einsteigt. Hier muss man sich ganz klar dem ähnlich großen und von uns bereits getesteten Jaguar F-Pace beugen, der in allen Punkten das großzügigere Platzangebot bietet. Das gilt auch für den Kofferraum, der beim Alfa so groß ist, dass die Italiener sogar auf die geplante Kombi-Version der Giulia verzichten.


Innenraum, Ausstattung und Bedienung:

Auch bei der Gestaltung des Innenraums hat man sich teilweise an Giulia orientiert. So ist beispielsweise das Display über der Mittelkonsole wieder sehr elegant unter einer durchgängigen Rauchglasscheibe verpackt. Zudem hat man einen sehr guten Kompromiss gefunden, was noch vorhandene echte Bedienknöpfe und die zwangsweise Einstellung über den Dreh-Drück-Regler angeht. Wichtige Dinge wie Klimaanlage oder einige Funktionen des Infotainments lassen sich direkt regeln, während für weniger gefragtes eine Steuerung über die digitalen Menüs vorgenommen wird. Hier allerdings zeigt sich, dass die Bedienkonzepte anderer Hersteller inzwischen oftmals einen Schritt weiter sind.


Das gilt auch bei den Assistenzsystemen, wo man bei Alfa Romeo zumindest in der Theorie ein wenig Nachholbedarf hat. Natürlich kann man trefflich darüber streiten, ob ein abstandsgeregelter Tempomat und andere vermisste Helferlein tatsächlich in eine "Fahrmaschine" gehören, doch da es sie bei den Mitbewerbern zumeist gibt, fällt das Fehlen natürlich auf. Dafür können die Italiener an anderer Stelle punkten, etwa bei den riesigen Schaltpaddles hinter dem Lenkrad, die aus nahezu jeder Position gut erreicht werden können. Dass sie feststehen und sich nicht mit dem Lenkrad mitbewegen, ist weder positiv noch negativ zu sehen, sondern eine Frage des jeweiligen Fahrertyps und dessen Präferenzen.


Auch an anderer Stelle frönt Alfa Romeo seinen sportlichen Genen. Etwa bei den hängenden Zeigern des echten analogen Rundinstrumente Tacho und Drezahlmesser, oder dem stehenden Gas-Pedal, das eine gefühlvolle Betätigung mit der ganzen Sohle erlaubt. An einer anderen Stelle hingegen hätte es durchaus etwas mehr sein dürfen, nämlich beim Seitenhalt der Sitze. Vor allem in Verbindung mit der Lederausstattung bieten diese eindeutig zu wenig Halt, wenn der Stelvio etwas zügiger bewegt wird. In Zukunft werden optionale Sportsitze das Problem lösen.

Motor und Fahrwerk:

Unser Testfahrzeug war mit dem 2 Liter großen Vierzylinder-Benziner ausgestattet, der 280 PS leistet und mit einer Achtgang-Automatik sowie Allradantrieb kombiniert ist. Das Gesamtergebnis kann leider nicht immer ganz überzeugen. Der Motor hängt zwar sauber am Gas und begeistert mit einem satten und sportlichen Klang, der sich nie zu stark in den Vordergrund schiebt. Gleichzeitig kann aber eine gewisse Anfahrtsschwäche bei niedrigen Drehzahlen nicht verleugnet werden. Und angesichts eines Leergewichts von über 1,7 Tonnen und einer hoch aufragenden Karosserie wünscht man sich - vor allem bei Beladung - etwas mehr Power. Auf der anderen Seite wäre das aber wohl kontraproduktiv, denn bereits so wurde am Ende unserer Testrunde ein wenig zeitgemäßer Verbrauch von über 14 Liter auf 100 km erreicht.

Dabei haben wir es nicht einmal richtig krachen lassen, denn wir waren fast nur auf der Landstraße unterwegs. Dort zeigt der Stelvio, dass er gerne den Kurvenräuber gibt. In den Stellungen "a" und "n" der dynamischen Fahrregelung namens "dna" geht das auch durchaus souverän. Allerdings muss man dann teilweise mit einem etwas verzögerten Ansprechverhalten und einer eher neutralen Auslegung leben. In der "d" wie "dynamic" geht es deutlich knackiger zur Sache. Die direkte Lenkung, die nur 2 volle Umdrehungen von einer zur anderen Seite benötigt, wird dann noch direkter, während gleichzeitig der Antrieb nach hinten verlagert wird und Systeme wie ESP später eingreifen. Beim Beschleunigen aus Kurven heraus tänzelt dabei das Heck merklich, was einerseits für Spaß sorgt und einen netten Adrenalinkick verschafft, andererseits aber die Souveränität der sportlichen Mitbewerber wie dem erwähnten F-Pace (Vergleich Bild unten) oder des Porsche Macan vermissen lässt. Letzteres liegt auch daran, dass die Lenkung zu wenig Rückmeldung über das liefert, was das Auto gerade macht.


Das gilt auch für Langstrecken auf der Autobahn, wo der Stelvio jeder Spurrinne hinterherläuft. Vor allem beim Thema Geradeauslauf hat der Stelvio noch Luft nach oben. Spätestens jetzt wird auch die direkte Lenkübersetzung zum Fluch, denn es ist permanentes Nachlenken notwendig, wobei schon kleinste Bewegungen des Lenkrads deutliche Auswirkungen haben. Als entspanntes Reisefahrzeug kann man den Alfa Romeo Stelvio jedenfalls nicht bezeichnen. Daran ändert auch die größtenteils gelungene Federung nicht mehr allzu viel, die zwar einen guten Kompromiss zwischen Sport und Komfort bietet, aber gelegentlich zu verbindlich agiert.

Fazit:

Auf den ersten Blick ist der Alfa Romeo stelvio ein tolles Auto. Eine spannend gezeichnete Karosserie, eine stimmiges Konzept im Innenraum und reichlich Platz sorgen für erfreute Gesichter. Doch wenn das SUV (zügiger) bewegt wird, ist es mit der Freude zumindest teilweise vorbei. Auf der Autobahn nervt das unruhige Spurverhalten, und auf kurvigen Landstraßen will der Geländewagen mit loser Hinterhand Sportlichkeit vermitteln, was aber leider nicht ganz so gut funktioniert. All Allrounder für jeden ist der Italiener daher nur bedingt geeignet. Wer allerdings auf hecklastige Fahrzeuge steht, sollte dem Stevio eine Chance geben, denn in manchen Punkten fühlt er sich an wie "früher".

Meinung des Autors: Jetzt hat auch Alfa Romeo seinen ersten Geländewagen im Angebot. Der neue Stelvio unterscheidet sich vor allem beim Fahrverhalten merklich von den Mitbewerbern, und das ist ganz sicher nicht nach jedermanns Geschmack. Da es auch bei anderen Punkten Luft nach oben gibt, will der Kauf gut überlegt werden.
 
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