Abgas-Skandal: Volkswagen mit am saubersten, Ford größter Umweltverschmutzer - UPDATE III

Diskutiere Abgas-Skandal: Volkswagen mit am saubersten, Ford größter Umweltverschmutzer - UPDATE III im Aktuelles Forum im Bereich AutoExtrem; 08.09.2016, 15:31 Uhr: Vor ziemlich genau einem Jahr kam ans Licht, dass Volkswagen bei mehreren Millionen Dieselfahrzeugen eine manipulierte...
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geronimo

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08.09.2016, 15:31 Uhr:
Vor ziemlich genau einem Jahr kam ans Licht, dass Volkswagen bei mehreren Millionen Dieselfahrzeugen eine manipulierte Software eingebaut hat, die die Abgasreinigung unter bestimmten Voraussetzungen reduziert oder komplett stilllegt. Ein Abgastest auf der Straße zeigt jetzt aber, dass man wohl besser mit dem Finger auf andere zeigen sollte


Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat jetzt NOx- und CO2-Messungen an Euro 6 Pkw im realen Fahrbetrieb vorgenommen. Getestet wurden 33 Diesel und 36 Benziner verschiedener Hersteller. Die Testfahrten im Süden Berlins fangen zwischen Mai und September 2016 statt, wobei in der Regel Temperaturen zwischen 20 und 30° Celsius herrschten. Daher sind einige der Testwerte unter Vorbehalt zu betrachten, denn von mehreren Herstellern ist bekannt, dass sie unterhalb von +19 Grad (Fiat), +17 Grad (Opel, Porsche, Renault) bzw. +10 Grad (Mercedes) die Abgasreinigung massiv reduzieren. Inwieweit sich das auf die aktuellen Testergebnisse auswirkt, werden Nachtests im Lauf von Herbst und Winter zeigen.

Im Fokus des neu eingerichteten "Emissions-Kontroll-Instituts“ (EKI) der DUH standen die Stickoxid-Werte (NOx), die bei Diesel-Fahrzeugen sehr hoch ausfallen und einer besonders gründlichen Abgasreinigung bedürfen. Dabei versagt Ford fast auf ganzer Linie, denn gleich 3 unter den 6 schlechtesten Fahrzeugen stammen vom Kölner Hersteller.Trauriger Spitzenreiter ist der im Januar 2016 gebaute Ford Mondeo 2.0 Duratorq TDCi, der den Grenzwert um den Faktor 9,2 überschritten hat. Mit Werten von 7,7 und 6,9 waren Ford Kuga 2.0 TDCi (Platz 4) und Ford Focus 1.5 TDCi kaum besser. Mit aufs Treppchen dürfen die eng verwandten Motoren aus Nissan Qashqai 1.6 dCi und Renault Scenic 1.6 dCi, die 8,5 und 8,2 mal mehr Stickoxide ausstoßen als zulässig. Zu den Top 5 zählt auch noch der Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTi, der ebenfalls auf den 6,9-fachen Wert kommt.

Dass es deutlich besser geht, zeigen gleich mehrere Beispiele. Allen voran die Mercedes E 220 d Limousine mit einem Antrieb aus der neuen Motorengeneration, die auf den Faktor 0,6 kommt. Allerdings wurde dieses Fahrzeug von Hersteller gestellt, weswegen die Werte noch nicht als final angesehen werden sollten. Das gilt auch für den Opel Zafira 1.6 CDTi mit neuer Motorsteuerung, der den Grenzwert nur um den Faktor 1,2 überschritten hat. Bei der alten Motorsteuerung wurden noch 5,1 mal mehr Schadstoffe als zulässig gemessen. Aber auch etliche nicht vom Hersteller gestellte Fahrzeuge haben sich ordentlich aus der Affäre gezogen. Sieger ist ein Audi Q3 2.0 TDI quattro, der auf den Wert 0,6 kommt. Ebenfalls noch halbwegs gut sind VW T6 Transporter 2.0 TDI, BMW 318 d Touring, VW Passat 2.0 TDI Variant, Audi A4 2.0 TDI Avant, Skoda Oktavia 2.0 TDI, VW Tiguan 2.0 TDI, VW Touran 1.6 TDI, Mercedes E220 Bluetec T-Modell, BMW 318 d Touring, bei denen Faktoren zwischen 0,9 und 2,5 gemessen wurden.

Doch selbst die saubersten Diesel können nicht mit Benzinern mithalten. Die drei Fahrzeuge Toyota Prius (2x) und Opel Mokka 1,4 EcoFlex kamen bei Stickoxiden auf maximal den 0,3-fachen Grenzwert. Und beim CO2-Ausstoß konnte sich der sparsame Hybrid aus Japan ebenfalls und mit Abstand an die Spitze setzen.

Hier die komplette Liste der DUH in der Übersicht:


Update, 20.09.2016, 15:04 Uhr: Eine weitere Studie zeigt, dass Volkswagen tatsächlich zu den saubersten Herstellern gehört - aber nur bei Euro 6. Wer zu den dreckigsten Unternehmen gehört und wie viele Diesel mit mangelhafter Abgasreinigung auf Europas Straßen unterwegs sind, kann hier nachgelesen werden.

Update, 25.10.2016, 15:40 Uhr: Schon bei bisherigen Ergebnissen der DUH hat sich Renault nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Doch in einem weiteren Test hat man dem die Krone aufgesetzt. Dabei wurde das Abgasverhalten des SUV Renault Captur 1.5 dCi 110 Euro 6 untersucht. Dieser zeigt ein erschreckendes Verhalten, denn bei Temperaturen oberhalb von 17 Grad Celsius lagen die Stickoxid-Emissionen bei durchschnittlich 674 mg/km - also rund dem 8,5 fachen des zulässigen Grenzwerts. Unterhalb von 17 Grad ist das auf insgesamt 10 Testfahrten ermittelte Ergebnis noch erschütternder, denn dann wurden Werte von mehr als 1.300 mg/km gemessen, was mehr als dem 16-fachen des maximal zulässigen entspricht. Mit einem Durchschnitt von 866 mg/km erobert der kompakte Geländewagen "souverän" den Spitzenplatz in der oben abgebildeten Liste.

In einem weiteren Test wurden die Ergebnisse der DUH übrigens weitgehend bestätigt. Laut einer Untersuchung von Transport & Environment (T&E) aus Brüssel sind VW, Seat, Skoda und Audi aktuell die saubersten Diesel auf dem Markt, sofern sie nach der Schadstoffnorm Euro 6 klassifiziert sind. Die bei der DUH aufgefallenen Hersteller zählen auch in diesem Test mit zu den schlechtesten, wobei die "Spitzenplätze" an Fiat und Suzuki vergeben wurden.

Update, 24.11.2016, 14:02 Uhr: Die DUH hat weitere Tests durchgeführt, und dieses Mal hat es einen deutschen Hersteller erwischt. Bei einem Mercedes B 180d wurde der zulässige Stickoxid-Wert (NOx) um das 13-fache überschritten. Dabei zeigt sich wieder einmal, dass man in Stuttgart nicht unbedingt gut beraten ist, die Technik seines französisch-japanischen Kooperationspartners komplett zu übernehmen. Pikant an der Angelegenhgeit ist nämlich, dass in der geprüften B-Klasse der gleiche Motor zum Einsatz kommt, der bereits im Renault Captur für extrem schlechte Abgaswerte gesorgt hat.

Doch bei Nissan-Renault darf man sich auch ein wenig "freuen", denn man hat den Titel des größten Umweltsünders wieder abgeben können. Dieser geht jetzt, wie auch bei der oben verlinkten Studie, nach Italien: ein Fiat 500x mit 2-Liter-Diesel hat bei einer Untersuchung bei herbstlichen 5° Celsius satte 1.380 mg/km NOx ausgestoßen. Damit wird der Grenzwert um den Faktor 17,2 überstiegen, womit man den bereits erwähnten Renault Captur 1.5 dCi 110 Euro 6 hinter sich lässt.

Die Ergebnisse sollen an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden, weil die DUH sowohl Bundesverkehrsminister Dobrindt als dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) "rechtswidrige Konspiration mit den Herstellern und aktive Behinderung der Aufklärung des Dieselabgasskandals" vorwirft. In diesem Zusammenhang hat die DUH rechtliche Schritte zum Entzug der Typgenehmigung für den Opel Insignia gegen das KBA eingeleitet. Dieser war ebenfalls mit extrem hohen Schadstoffwerten aufgefallen, doch beim KBA hat man sich mit Opels Begründung einer technischen Notwendigkeit zufrieden gegeben und - im Gegensatz zu Volkswagen - keine weiteren Maßnahmen zur Abstellung veranlasst.

Meinung des Autors: Dass es beim Thema Abgasreinigung viel Luft nach oben gibt, haben die letzten 12 Monate eindrucksvoll belegt. Doch wie stark die Werte in der Realität von den theoretischen Vorgaben abweichen, ist doch überraschend. Ebenso wie die Tatsache, dass die dreckigsten Autos offenbar nicht dort gebaut werden, wo man es derzeit vermuten würde.
 
JKausDU

JKausDU

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"Volkswagen am saubersten" ist ja eine tolle Aussage angesichts eines Überschreitungsfaktors beim Golf von 2,9.
Das Wort "sauber" kann man da wohl nicht ernsthaft in den Mund nehmen. Von den noch schlechteren Mitbewerbern ganz zu schweigen. Es bleibt also problematisch bei den Dieseln.
 
Squitsch

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Vielleicht sollte man sich ja auch einfach mal Gedanken darüber machen, ob die heutigen Abgasvorschriften überhaupt realistisch erfüllbar sind.

Ich meine, nichts dagegen, dass man die Autos immer sauberer macht, aber wenn das auf dem heutigen Stand so ohne Weiteres erfüllbar wäre, gäbe es nicht so viele Ausreißer.

Aber zumindest in einem Punkt muss ich der Überschrift Recht geben:
In der Presse wird laufend nur auf Volkswagen rumgehackt, dabei sind andere zum Teil noch viel schlimmer...
 
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Meik-M

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Immer wird nur auf die Automobilindustrie geguckt, was ist aber mit den Riesigen Schiffen, Flugzeuge und vor allen der Industrie? Haben die auch alle Euro 6?
Nee da wird schön weggeguckt. Die haben eine Starke Lobby und damit kann man dem kleinen Mann ja nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Aber beim KFZ kann man mit den Euronormen schön die Leute zwingen sich alle 5 Jahre ein neues Auto zu kaufen und wir machen das alles mit und glauben sogar noch den Mist den man uns verzapft.

Meik X(
 
Squitsch

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Aber beim KFZ kann man mit den Euronormen schön die Leute zwingen sich alle 5 Jahre ein neues Auto zu kaufen
Das wäre mir neu.
Die schärferen Abgasnormen gelten ja nur für Neufahrzeuge, bei Gebrauchten ist es ja praktisch egal, welche Schadstoffklasse sie erfüllen.

Und Umweltzonen betreffen im Grunde auch nur noch Dieselfahrzeuge.
Benziner mit geregeltem Kat bekommen sowieso alle die grüne Plakette, und die Fahrzeuge ohne Kat sind mittlerweile fast alle alt genug für ein H-Kennzeichen, mit dem man auch ohne Plakette in die Umweltzone fahren darf.
 
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geronimo

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Du hast völlig recht. Es mutet schon absurd an, dass die Innenstadt von Köln eine riesige Umweltzone ist, während in optimaler Windrichtung die größten Braunkohlekraftwerke Europas ihre Abgase in die Luft blasen. Oder dass in zahlreichen Städten die Umweltzonen sogar ausgeweitet werden, man es aber nicht einmal schafft, den Verkehr mittels grüner Welle zum fließen zu bringen und so den Schadstoffausstoß reduziert. Oder dass in Hamburg (dort gibt es keine Umweltzone) jeden Tag dutzende Container- und Kreuzfahrtschiffe fast bis in die City fahren, und man gleichzeitig als Autofahrer ein schlechtes Gewissen haben soll.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie jemand von Mercedes bei der Einführung der Actros-LKW mit Euro 6 sinngemäß sagte: Die Abgasreinigung ist so gut, dass im manchen Städten hinten bessere Luft rauskommt, als vorne angesaugt wird. Davon kann man bei anderen Umweltverschmutzern in der Tat nur träumen.
 
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