Abgas-Skandal bei VW: erst ein Drittel aller Autos umgerüstet - UPDATE

Diskutiere Abgas-Skandal bei VW: erst ein Drittel aller Autos umgerüstet - UPDATE im VW Allgemein Forum im Bereich Volkswagen; 06.03.2017, 12:27 Uhr: Bei der technischen Aufarbeitung des sogenannten Dieselgate kommt Volkswagen nur sehr schleppend voran. Eigentlich sollte...
06.03.2017, 12:27 Uhr:
Bei der technischen Aufarbeitung des sogenannten Dieselgate kommt Volkswagen nur sehr schleppend voran. Eigentlich sollte die Aktion bereits Ende letzten Jahres abgeschlossen sein, doch man braucht deutlich länger. Die aktuellen Zahlen im Überblick



Im September 2015 wurde bekannt, dass im Volkswagen-Konzern spezielle Software zum Einsatz gekommen ist, mit deren Hilfe der Schadstoffausstoß auf dem Prüfstand den gesetzlichen Vorgaben entspricht, auf der Straße jedoch weitgehend auf die Abgasreinigung verzichtet. Weltweit sind rund 11 Millionen Fahrzeuge von dem Problem betroffen, von denen In Deutschland 2,6 Millionen und in ganz Europa 8,5 Millionen Stück unterwegs sind. Um die Problematik zu beseitigen, wurden umfangreiche Maßnahmen beschlossen, die sowohl die Soft- als auch die Hardware betreffen können.

Doch wirklich vorwärts kommt man nicht. Im September letzten Jahres waren weltweit erst rund 10 Prozent aller Autos nachgebessert worden, ein knappes halbes Jahr später hat sich der Wert auf 33,6 Prozent beziehungsweise 3,7 Millionen Fahrzeuge erhöht. In Deutschland sieht es besser aus, hier sind bereits 1,5 Millionen Autos umgerüstet worden, von denen eine Million zur Kernmarke VW gehören. Das entspricht einer Quote von fast 60 Prozent.

Bei Volkswagen strebt man nun ein Ende der Aktion im Herbst 2017 an. Das erscheint angesichts weiterer veröffentlichter Zahlen durchaus realistisch, denn derzeit sollen pro Woche 250.000 Fahrzeuge weltweit und 100.000 Einheiten in Deutschland das notwendige Prozedere erhalten. Sofern sich dieses Tempo durchhalten lässt, benötigt man bis zum Abschluss der Nachbesserung noch rund 30 Wochen oder rund 7,5 Monate - damit wäre man bei einem Datum Ende November dieses Jahres.

Allerdings gilt es auch besondere Probleme zu berücksichtigen, wie die dpa jetzt berichtet. Demnach komme die Umrüstung Deutschland, Österreich und der Schweiz zügig voran, während es vor allem in Osteuropa teilweise schleppend läuft. Zudem ist der Rückruf längst nicht in allen Ländern verpflichtend, weswegen man mancherorts auf die (nicht immer gegebene) Bereitschaft der Fahrzeugbesitzer angewiesen ist. Hierzulande sieht es anders aus, denn das Kraftfahrt-Bundesamt hat den Rückruf angeordnet. Wer der Aufforderung zur Nachbesserung nicht nachkommt, riskiert im schlimmsten Fall den Entzug der Zulassung. Dabei ist es unerheblich, ob die Halter Bedenken wegen erhöhtem Verschleiß und einer nicht gewährten Garantie auf den Umbau haben.

Update, 04.05.2017, 13:43 Uhr: Ziemlich genau zwei Monate nach der letzten Wasserstandsmeldung bezüglich der Nachbesserung liegen neue Zahlen vor. Demnach sollen im Deutschland 72 Prozent aller betroffenen Fahrzeuge umgerüstet worden sein. In ganz Europa sollen immerhin deutlich mehr als die Hälfte aller Autos auf den aktuellen Stand gebracht worden sein, VW-Markenchef Herbert Diess der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Was allerdings verschwiegen wird: die Prioritäten liegen aktuell ganz klar bei Wagen der Stammmarke VW, und auch bei Audi geht es zügig voran. Deutlich schlechter sieht es allerdings bei den Konzerntöchtern Seat und Skoda aus, bei denen die Nachrüstung teilweise eher schleppend verläuft, wie diversen Berichten in einschlägigen Foren entnommen werden kann.

Bei Volkswagen ist man aber trotzdem sicher, auf dem richtigen Weg zu sein und dabei auch die verärgerten Kunden zu besänftigen. Laut eigenen Angaben sollen weniger als ein Prozent der Betroffenen mit den Maßnahmen unzufrieden sein. Als Gründe für weiteren Ärger gelten unter anderem geringere Leistung und erhöhter Verbrauch. Hauptsächlich aber sorgen sich die Halter um die Langlebigkeit sowie eventuelle Folgekosten, für die Volkswagen allenfalls freiwillig aufkommen wird. Hierbei scheint das letzte Wort aber noch nicht gesprochen zu sein, denn aktuell arbeitet die britische Regierung daran, dem Konzern weitgehende Garantieversprechen aufzuerlegen. Und dieses Modell könnte dann - allen Widerständen zum Trotz - auch in Deutschland angewendet werden. Für das Unternehmen könnten dadurch weitere Belastungen entstehen, die derzeit aber kaum absehbar sind.

Meinung des Autors: Mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Dieses Sprichwort kann bedenkenlos auf die "Dieselgate"-Nachbesserung bei Volkswagen angewandt werden, von der weltweit 11 Millionen Autos betroffen sind. Bislang wurde nämlich erst eine Minderheit umgerüstet, und der Rest kann noch dauern.
 
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