An dieser Stelle möchte ich Euch Antworten auf die häufig gestellten Fragen zum Thema FAHRWERKE und TIEFERLEGUNG geben. Es werden fast täglich die gleichen Fragen im Forum gestellt und ich möchte hiermit diese Doppel+Dreifachpostings etwas eindämmen und euch möglichst viele Infos zu diesem doch sehr komplexen Thema geben:

Allgemeine Infos zu Fahrwerken, Tieferlegungen und Dämpfern
Jeder der sein Auto tieferlegen will steht vor dem gleichen Problem: Nehm ich Federn? Fest-Fahrwerk? Wenn ja wie tief? Oder doch ein verstellbares Gewindefahrwerk? Aber welcher Hersteller ist empfehlenswert? Ich möchte mal versuchen an dieser Stelle etwas Licht ins Dunkel zu bringen, da diese Fragen hier im Forum nahezu jeden Tag gestellt werden!

Auswahl eines Qualitätsfahrwerks
Grundsätzlich kann man nicht allgemein sagen, welche Hersteller die "harten" und welche die "komfortablen" Fahrwerke anbieten. Unsere Erfahrung als Händler und Tuner hat gezeigt, daß die Billigfahrwerke (z.B. die bei Ebay angebotenen "FK Qualitätsfahrwerke AKX") extrem harten Fahrkomfort liefern. Extreme Härte - und das damit verbundene Springen über Bodenwellen und Schlaglöcher - ist neben dem unkomfortablen Fahren auch ein Sicherheitsrisiko, z.B. wenn man schnell durch eine Kurve fährt und das Auto durch die harte Dämpfung bei einem Schlagloch versetzt! Deshalb sollte hier jeder auf Qualität setzen und sich überlegen, ob ein bei Ebay angebotenes Komplettfahrwerk mit 4x Dämpfern + 4x Federn für 200 € überhaupt Qualität sein kann, wenn schon 2 Dämpfer von Bilstein oder Monroe soviel kosten wie das alles zusammen!

Auswahl eines guten Herstellers
Also halten wir fest: Wer billig kauft, kauft zweimal.
Qualitätsfahrwerke in der unteren Preisklasse werden von FK und Weitec unter den Produktbezeichnungen FK HIGHTEC und WEITEC ULTRA GT angeboten - lasst euch nicht von irreführenden Bezeichnungen bei Ebay (z.B. "FK QUALITÄTSFAHRWERK") blenden - die Bezeichnung MUSS in diesem Fall "FK HIGH TEC FAHRWERK" lauten, sonst ist es die Billigserie! Gute Qualität im mittleren Preissegment findet man z.B. von H&R, Eibach oder Vogtland, wobei letztere eher "geringe" Tieferlegungen im Programm haben. Teuer und sehr gut wird es dann mit KW und KAW. Eine Entscheidung für das jeweilige Preissegment fällt in der Regel der Geldbeutel und eine bestimmte Markenvorliebe. Die genannten Hersteller sind mit die bekanntesten, es gibt aber eine unüberschaubare Zahl an Anbietern, oft wird aber auch nur von Marken gekauft und dann unter eigenem Label vertrieben. Die o.g. Firmen stellen allesamt selbst her!

Auswahl bekannter Hersteller, ohne Wertung: FK, KW, Vogtland, Weitec, KAW, Spax, Bilstein, H&R, Koni

Auswahl der passenden Tieferlegung
Nun ist es wichtig die passende Tieferlegung zu finden. Dies wirft in der Regel viele Fragen auf. Bei bereits serienmäßig tiefgelegten Autos (meißt ca. 2-3cm) muss man diese Tieferlegung von der geplanten Tieferlegung abziehen um zu sehen wieviel tiefer man kommt. Beispiel: Astra OPC mit 20mm Tieferlegung, geplant 50mm Tieferlegung = 50 - 20 = 30, also kommt das Fahrzeug nochmal um weitere 30mm tiefer als es serienmäßig ist. Bei Fahrzeugen ohne Serientieferlegung erreicht man dann den vom Hersteller angegebenen Wert, in diesem Fall 50mm. ACHTUNG: Die Tieferlegungen können bei den unterschiedlichen Motorvarianten varieren, so machen viele Federhersteller nur 1 Satz für alle Modelle - bei einer schweren Achslast kann es etwas tiefer kommen, bei einer leichteren eben etwas weniger tief.

Eine Bezeichnung 60/40 bedeutet 60mm an der Vorderachse, 40mm an der Hinterachse. Solche Tieferlegungen werden immer auch als Federnsätze angeboten, jedoch MUSS man ab ca. 45-50mm Tieferlegung auch auf gekürzt Sportdämpfer zurückgreifen, also in dem Fall gleich ein Komplettfahrwerk kaufen. Wer das nicht tut erhöht das Unfallrisiko durch überspringende Federn und bekommt i.d.R. dafür auch keine TÜV Abnahme.

So, nun muss jeder selbst wissen was einem bei einem tiefen Auto wichtig ist. Wer den Komfort und die Alltagstauglichkeit erhalten will, der sollte nicht tiefer als 40-50mm gehen. Eine in der Tuningszene verbreitete Tieferlegung ist die 60/40, was eine sportliche Keilform mit gerade noch alltagstauglicher Tiefe ergibt. Der Fahrkomfort bleibt noch im akzeptablen Bereich - wer tiefer geht hat i.d.R. keinerlei Restfederweg mehr und bekommt dadurch ein sehr hartes Fahrwerk. Bei Extremtieferlegungen (z.B. ab 80mm) muss darauf geachtet werden, daß das Fahrwerk TÜV zugelassen ist. Wer gerne variabel bleiben will, z.B. für spätere Radumrüstungen, Spoilerteile etc. der sollte auf ein Gewindefahrwerk mit möglichst hohem Verstellbereich setzen! Immer mehr Gewinde sind an der Vorder UND Hinterachse verstellbar, so daß man die Tieferlegung auf seine Bedürfnisse anpassen kann. Hierbei ist zu beachten daß die Federbeine immer gut gefettet sind um nach einem salzhaltigen Winter das Gewinde noch verdrehen zu können - KW bietet hier EDELSTAHL Gewinde an, womit sich dieses Problem erledigt. Bei der Auswahl der Tieferlegung ist auch noch auf die Räder zu achten - so kann es bei 70mm Tieferlegung und breiten Reifen / Felgen schon sein, daß mal eine Kotflügelkante umgelegt, etwas Plastik weggeschnitten oder sogar gezogen werden muss. Eine allgemeine Antwort auf die Frage "Muss ich da irgendwas am Radhaus umbauen?" kann niemand geben - außer jemand der die identische Tieferlegung und gleiche Felgengröße am gleichen Auto fährt!

Bis der TÜV uns scheidet
Nach dem Einbau des Fahrwerks (wer sich damit auskennt kann sowas bei vielen Fahrzeugen selbst machen), der am Besten durch eine Fachwerkstatt (z.B. ATU, freie Werkstatt, Autohändler...) erfolgt, gehört noch eine TÜV Abnahme zu den Pflichten des Fahrzeughalters. Einige wenige Tieferlegungen haben sogar eine ABE, aber die bezieht sich wenn überhaupt nur auf die Serienbereifung und Serienfelgen. Der TÜV prüft bei Festfahrwerken die Federnummern auf den Federn und im Gutachten, schaut auf die Radfreigängigkeit (bei Volllast, bei vollem Lenkeinschlag, beim Bremsen usw) und bei extremer Tieferlegung wird der Abstand zu den Scheinwerfern und zum Kenzeichen geprüft. Genaue Auflagen findet man in der STVZO. Bei Gewindefahrwerken ist es vorgeschrieben, daß der Prüfer den Abstand von der Radmitte zur Radlaufkante einträgt - somit soll nachträglichem Runterschrauben vorgebeugt werden! Kulante TÜVer mißachten diese Vorgabe aber gerne, somit kann man auf eigenes Risiko danach munter weiter verstellen. Trotzdem ist es ratsam dies vorher soweit einzustellen daß man damit zufrieden ist, denn vor allem beim Fahrwerkstausch (also federn + Dämpfer) muss man eine Achsvermessung (ca. 60 €) durchführen lassen - jede Verstellung bei einem Gewindefahrwerk müsste ebenso neu vermessen werden. Auch dies sollte man zur eigenen Sicherheit machen, denn eine verstellte Spur führt zu einem miserablen Geradeauslauf usw! Bei einer ungleichmäßigen Tieferlegung (z.B. 60/40, 50/30 usw) müssen auch die Scheinwerfer neu eingestellt werden - auch das prüft der TÜV bei der Eintragung nach.

Wenn Ihr weitere Beratung wollt oder ein Angebot, so helfe ich da gerne weiter!