Wildunfall vermeiden: ab welcher Geschwindigkeit es gefährlich wird

08.12.2017 16:30 Uhr | geronimo

Im Zeitraum vom 1. April 2016 bis 31. März 2017 wurden fast 230.000 Wildunfälle registriert, bei denen in den meisten Fällen Rehe und Hirsche beteiligt waren. Der beste Schutz gegen Unfälle ist weniger Tempo, denn bereits wenige km/h mehr können beim Aufprall gewaltige Folgen haben

In einem gesonderten Ratgeber haben wir bereits recht ausführlich erklärt, wie sich Wildunfälle am besten vermeiden lassen. Einer der genannten Punkte ist angepasste Geschwindigkeit. Das ist vor allem an den neuralgischen Stellen für Wildwechsel zu beachten, also hauptsächlich in Wäldern, aber auch an waldnahen Wiesen und Feldern. Welche Auswirkungen es haben kann, wenn man auf einer Landstraße mit maximal erlaubten 100 km/h oder etwas mehr unterwegs ist, anstelle einer angepassten Geschwindigkeit von 60 bis 80 km/h zeigt die nachfolgende Grafik vom ADAC und dem Deutschen Jagdverband.

Entscheidend ist der Anhalteweg, der sich aus der während der Reaktionszeit zurückgelegten Wegstrecke und dem eigentlichen Bremsweg zusammensetzt. Bei Tempo 80 kommt ein modernen Fahrzeug nach rund 55 Metern zum Stillstand. Wer nur 20 km/h schneller unterwegs ist, prallt auf ein in 60 Metern Entfernung auftauchendes Wildtier mit einer Geschwindigkeit von über 60 km/h auf. Bei den als „Kavaliersdelikt“ und „angepasste Fahrweise“ geltenden 110 km/h sind es sogar fast 80 km/h. Die Folgen sollte sich jeder selber ausrechnen können. Vor allem unter Berücksichtigung des Gewichtes der Tiere, das bei einem Reh bis zu 50 kg, einem Wildschwein bis zu 100 kg und einem Hirsch sogar bis zu 250 kg betragen kann. Bei den Letztgenannten kommt zur reinen Masse noch das oftmals gewaltige Geweih hinzu, das bei einem Unfall ins Fahrzeuginnere eindringen und für böse Verletzungen sorgen kann.

Meinung des Autors

Eigentlich weiß jeder, dass höhere Geschwindigkeit auch einen längeren Bremsweg bedeutet. Durch diverse Autotests, die bei modernen Fahrzeugen 35 Meter oder sogar weniger aus Tempo 100 gemessen haben, sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Bei Wildunfällen ist nämlich der Anhalteweg entscheidend, und da können ein paar km/h mehr über Leben und Tod entscheiden. Also lieber Fuß vom Gas, auch wenn der Hintermann mit der Lichthupe drängelt.
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