Wasserstoff: Deutschland hat zweitgrößtes Tankstellen-Netz der Welt, aber... - UPDATE

02.03.2018 08:59 Uhr | geronimo

16.02.2018, 15:30 Uhr:
Für nicht wenige ist Wasserstoffantrieb eher die Zukunft, als die Speicherung von Energie in Akkus. Hierzulande wird bereits ‚kräftig‘ am Ausbau von Tankmöglichkeiten gearbeitet, wobei man im weltweiten Vergleich sehr gut dasteht. Die Sache hat aber Haken

Auch wir konnten uns bereits ein genaueres Bild von Wasserstofffahrzeugen verschaffen. Im Herbst 2015 haben wir einen Fahrbericht des Hyundai iX35 Fuel Cell veröffentlicht, in vergangenen Jahr folgte ein ausführlicher Test des Toyota Mirai. Die Erfahrungen waren sowohl positiv, als auch negativ. In einem großen Ratgeber haben wir im Anschluss die Technologien Brennstoffzelle für Wasserstoff, sowie Akkuspeicherung miteinander verglichen – mit erstaunlich offenem Ausgang des Rennens. Dabei ist es gar nicht so einfach, ein Wasserstofffahrzeug zu betanken, was nicht an der Technik, sondern am bislang schlecht ausgebauten Netz liegt.

Dabei ist dieses eines der dichtesten der Welt, wie jetzt eine Studie zeigt. Laut der 10. Jahresauswertung von H2stations.org, einer Website von Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST) und TÜV SÜD, gab es zum Jahresende 2017 in Deutschland insgesamt 56 Wasserstofftankstellen. Ganze 43 davon können wie herkömmliche Tankstellen genutzt werden, bei zwei weiteren ist eine öffentliche Nutzung nach Anmeldung möglich. 13 davon befinden sich in Baden-Württemberg, 8 in Bayern und 7 in Nordrhein-Westfalen. Damit gibt es hierzulande das zweitgrößte Netz hinter Japan mit 91 öffentlichen Tankmöglichkeiten und noch vor den USA mit 40 Tankstellen. Umgerechnet auf Wasserstofftankstellen pro Einwohner bedeutet das für Deutschland den vierten Platz weltweit hinter Dänemark, Norwegen und Japan und knapp vor Österreich.

Doch das ist nicht die ganze Wahrheit, wie ein Blick auf die interaktive Tankstellenkarte auf der Internetseite des Clean Energy Partnership zeigt. Denn wie bereits im oben verlinkten Ratgeber erklärt, leidet das System massiv unter Kinderkrankheiten. Dementsprechend fallen immer wieder einzelne Tankstellen stundenweise oder gar für mehrere Tage oder gar Wochen aus. Aktuell können beispielsweise Zapfanlagen in Düsseldorf, Frankfurt, Ingolstadt, Offenbach und München nicht genutzt werden, was eine Ausfallquote von über 10 Prozent bedeutet. Und bei unserer Testfahrt des Mirai mussten wir zwischenzeitlich die Rückreise antreten, weil eine Tankstelle das Fahrzeug partout nicht volltanken wollte. Es ist also noch ein weiter Weg, bis Die Technologie in Fahrzeugen wie auch dem für dieses Jahr erwarteten Mercedes GLC F-Cell annähernd alltagstauglich ist.

Update, 02.03.2018, 09:59 Uhr: Ein erneuter Blick auf die interaktive Karte bestätigt erneut den Trend zu diversen Defekten. Laut aktuellem Stand sind die Tankstellen in Düsseldorf, Frankfurt Höchst, Freiburg, Geiselwind, Ingolstadt, Koblenz und Offenbach nicht verfügbar. Dabei ist nicht nur die eigentliche Schließung das Problem, sondern auch der Zeitraum, in denen nicht getankt werden kann. So ist beispielsweise die Tankstelle in Frankfurt bereits seit dem 30. Januar außer Betrieb, die in Düsseldorf seit 5. Februar, und Freiburg sowie Ingolstadt liegen beide seit dem 22. Februar brach. Bei unserem Test im vergangenen Jahr sollte eigentlich Geiselwind als Tankstation genutzt werden, doch diese Anlage war kurz vorher von einem rangierenden Lkw angefahren worden und in der Folge mehrere Monate nicht nutzbar. In diesem Punkt scheinen Verbesserungen am dringendsten notwendig zu sein, denn ein unzuverlässiges System ohne Ausweichmöglichkeiten wird sich am Markt nicht durchsetzen können.

Meinung des Autors

Wasserstofffahrzeuge werden auf lange Sicht eine Alternative zur akkubetriebenen Elektroautos sein. In Deutschland wird bereits am Ausbau des Tankstellennetzes gearbeitet, und das mit durchaus beachtlichem Erfolg. Doch die nackten Zahlen verschleiern ein wenig, wie lang der Weg zur Alltagstauglichkeit tatsächlich noch ist.

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