Wartung in freien Werkstätten hat keine Auswirkungen auf die Garantie - Kulanz kann trotzdem betroffen sein

21.02.2018 13:51 Uhr | geronimo

Viele Autobesitzer glauben nach wie vor, dass ihre Garantieansprüche nur dann gewahrt bleiben, wenn fällige Wartungen in den Vertragswerkstätten der Hersteller durchgeführt werden. Das aber hat sich schon vor längerer Zeit geändert. Dennoch kann es es gute Gründe geben, zumindest die ersten Inspektionen eines Neuwagens nicht in freien Betrieben machen zu lassen. Um noch einmal auf die jeweiligen Vor- und Nachteile hinzuweisen, veröffentlichen wir unseren Ratgeber zu diesem Thema noch einmal.

13.08.2013, 17:47 Uhr:
Ein großer Unsicherheitsfaktor bei Neuwagenkäufern sind die Garantiebedingungen, vor allem in Bezug auf Wartungs- und Servicearbeiten. Oftmals wird befürchtet, dass die Ausführung in freien Werkstätten Auswirkungen auf die gesetzliche Garantie hat. Dem ist aber nicht so

Oftmals vermitteln schwammig formulierte Regeln oder gar mehr oder weniger eindeutige Aufkleber auf der Bordmappe den Neuwagenkäufern, dass sie ihre Inspektionen ausschließlich in den werkseigenen Servicebetrieben oder Werkstätten durchführen lassen dürfen. Andernfalls würden die Kunden ihre Garantieansprüche verlieren. Dem ist aber definitiv nicht so, denn auch bei Durchführung der Arbeiten in freien und nicht markengebundenen Betrieben bleiben sämtliche Ansprüche auf Garantie und Gewährleistung erhalten. Das hat die zuständige EU-Kommission bereits im Jahr 2010 entsprechend geregelt. Anders lautende Vorschriften sind nicht nur ungültig, sondern verstoßen auch gegen geltendes Recht. Der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) geht mittlerweile mit einstweiligen Verfügungen gegen solche Vorgaben vor.

Ganz wichtig ist allerdings, dass die entsprechenden Arbeiten gemäß der Vorgaben und Richtlinien der einzelnen Hersteller durchgeführt werden. Dass dies auch tatsächlich eingehalten wurde, sollte zur Sicherheit auch auf der Kundenrechnung vermerkt sein. In diesem Fall darf übrigens auch das zum Fahrzeug gehörende Serviceheft abgestempelt werden, in dem die Nachweise der regelmäßigen Wartung eingetragen werden. Mit Rechnung und Serviceheft kann die ordnungsgemäße Ausführung gegenüber dem Hersteller belegt werden, der dann die Leistungen gemäß Garantie und Gewährleistung nicht verweigern darf. Dies gilt übrigens auch bei einer sogenannten Garantieverlängerung.

Anders sieht es allerdings aus, wenn Fehler nach der Garantiezeit auftreten. In diesem Fall ist der Kunde auf Kulanz angewiesen, wenn der Hersteller die fälligen Kosten ganz oder zumindest teilweise übernehmen soll. Eine Kulanz ist allerdings immer freiwillig, einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht. Daher kann der Hersteller hier auch nach seinen eigenen Regeln spielen. Eine davon wird sicherlich lauten: Du hast uns dein Geld für die Inspektion nicht gegeben, wir geben dir deshalb kein Geld für die Reparatur. Sollten also im Serviceheft einer oder mehrere Stempel fremder Werkstätten zu finden sein, dürfte es mehr als unwahrscheinlich sein, dass sich der Hersteller an den Kosten beteiligt. Letztlich muss sich der Kunde also genau überlegen, ob er das Risiko eingeht, die Arbeiten in einer freien Werkstatt erledigen zu lassen. Umgekehrt gibt es aber genug Fälle, in denen die Hersteller trotz lückenlosem Serviceheft aus den hauseigenen Betrieben kulante Regelungen verweigert haben.

Bildquelle: Stefan Bayer / pixelio.de

Meinung des Autors

Wartungsarbeiten in den Werkstätten der Hersteller sind erfahrungsgemäß (deutlich) teurer als in freien Werkstätten, wo sich einiges Geld sparen lässt. Dabei gibt es aber einiges zu beachten, denn es müssen bestimmte Bedingungen eingehalten werden, damit die Garantie nicht erlischt. Bei der Kulanz hat man dann aber schlechte Karten.
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