Vorsicht bei Softclose: Verletzungsgefahr bei Autotüren mit Zuziehhilfe

10.11.2017 14:22 Uhr | geronimo

Die sogenannte Softclose-Funktion wird in immer mehr Fahrzeugen angeboten. Das kann ein Segen sein, über den sich lärmgeplagte Nachbarn in Wohngegenden gerne freuen. Doch die Risiken dieser Technik sollten keinesfalls unterschätzt werden, denn das Wort „soft“ in der Produktbezeichnung verschleiert die Kräfte, die bei der Türschließung wirken. Um noch einmal auf die möglichen Gefahren hinzuweisen, veröffentlichen wir unseren Ratgeber zu diesem Thema erneut.

03.07.2016, 17:14 Uhr:
Bis vor wenigen Jahren waren Autotüren, die sich auf den letzten Millimetern von selbst zuziehen, der absoluten Luxusklasse vorbehalten. Inzwischen jedoch ist die Technik langsam aber sicher unterwegs in niedrigere Fahrzeugklassen. Die Besitzer und Fahrer sollten bei solchen Autos auf sich und ihre Passagiere jedoch gut aufpassen, vor allem wenn es sich um Kinder handelt

Hersteller wie Audi, BMW oder Mercedes bieten die Soft-Close oder Servoschließung genannten Zuziehhilfen inzwischen bis hinunter zur Mittelklasse an. Bei diesem System wird eine angelehnte und nicht ganz geschlossene Autotür mithilfe von Elektromotoren ins Schloss gezogen. Dies soll Sicherheit und Komfort erhöhen, und zudem eine Möglichkeit bieten, Türen zur Lärmvermeidung lautlos zu schließen. Doch bei der Nutzung sollte gut aufgepasst werden, wie der WDR berichtet hat:

Die BMW-Fahrerin Cordula S. aus dem Sauerland hatte ihr Fahrzeug in einer schmalen Straße geparkt. Um einem vorbeikommenden Fahrzeug Platz zu machen, stellte sich sich mit dem Rücken zur Tür, wobei sie diese mit der Hand aufhielt. Dabei drückte sie die Tür jedoch soweit zu, dass die Servoschließung ausgelöst und auch nicht vom noch in der Tür befindlichen Daumen gestoppt wurde. In der Folge wurde Frau S. die Kuppe des Daumens abgetrennt und konnte auch nicht mehr angenäht werden. Die mit dem Namen Soft-Close bezeichnete Zuziehhilfe schließt also offenbar nicht wirklich sanft, wie auch diverse zitierte Beiträge in einschlägigen Foren belegen. Die Mitarbeiter des Senders haben dies auch anhand eines Schweineschwanzes getestet und gezeigt, dass der Motor die Tür so unerbittlich zuzieht, dass das Testobjekt eindeutige Schäden in Form eines gebrochenen Knochens davonträgt.

Das liegt daran, dass laut BMW kein Einklemmschutz verbaut ist. Der Autohersteller hat dies wie folgt begründet:

Eine automatische Abschaltfunktion ist in diesem Fall nicht umsetzbar, da der Anpressdruck benötigt wird, um den Widerstand der Türdichtungen unter Berücksichtigung aller Umwelteinflüsse zu überwinden. Die Türen könnten sonst nicht zuverlässig geschlossen werden.

Damit unterscheidet sich die Servoschließung von vielen Fensterhebern und elektrischen Schiebedächern, bei denen ein Sensor das einklemmen von Fingern verhindert.

Autofahrer und -besitzer mit entsprechenden Fahrzeugen sollten daher ihre Mitfahrer auf diese mögliche Gefahrenquelle hinweisen und gegebenenfalls gut im Auge behalten. Und zwar ganz unabhängig vom Fahrzeughersteller, denn bei den Mitbewerbern von BMW wird die Türautomatik systembedingt ähnlich rabiat zu Werke gehen. Dabei sollten vor allem kleinere Kinder im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, denn der Spalt, der vor der automatischen Schließung benötigt wird, ist mit 6 mm (Angabe aus dem BMW Lexikon) groß genug für einen Kinderfinger. Aber offenbar auch für die Daumenkuppe eines Erwachsenen.

(Bildquelle: BMW)

Meinung des Autors

Softclose oder Servoschließung bei Autotüren ist komfortabel und ein netter Service für die Nachbarn. Doch die Zuziehhilfe ist offenbar ohne echte Sicherheitsfunktion gegen Einklemmen auf dem Markt, was angesichts der waltenden Kräfte durchaus unverständlich ist. Daher bitte Vorsicht beim Umgang mit dem automatischen Türschließer!

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