Volvo V90 bei der Polizei: notwendig oder übertriebener Luxus? - Kommentar

08.12.2017 12:34 Uhr | geronimo

Es wird kaum jemand bestreiten, dass Sicherheitskräfte wie die Polizei mit modernen und auch ausreichend motorisierten Fahrzeugen unterwegs sein sollten. Die neuen Streifenwagen in Mecklenburg-Vorpommern werfen allerdings einige Fragen auf, denn sie sind zwar groß und ziemlich schnell, aber auch relativ nobel und entsprechend teuer

Als die Polizei in Nordrhein-Westfalen Anfang letzten Jahres den BMW 318d als neue Streifenwagen bekommen hat, gab es reichlich Kritik. Bemängelt wurde hauptsächlich das viel zu knappe Platzangebot. Doch auch die relativ geringe Motorleistung von 150 PS wurde negativ aufgenommen, denn immerhin schleppen die silber-blauen Fahrzeuge reichlich Ballast in Form von benötigter Ausrüstung und dem zur Unterbringung notwendigen Gepäcksystem mit sich herum.

Im Nordosten Deutschlands kann man über solche Kritikpunkte in Zukunft müde lächeln. Das liegt daran, dass den dortigen Beamten jetzt ein Dienstfahrzeug vor die Tür gestellt wird, das bei so manchem Außenstehenden wohl ein befremdetes Kopfschütteln verursachen wird. Die Wahl fiel nämlich zum einen nicht auf ein Auto aus deutscher Produktion, und zum anderen wurde auch noch ein Vertreter der oberen Mittelklasse bestellt. Und zwar nicht irgendeiner, sondern der relativ luxuriöse Volvo V90. Dieser hat in der gewählten Motorisierung D5 AWD mit 170 kW / 235 PS, 8-Gang-Automatikgetriebe und Allradantrieb sowie der bestellten Ausstattungslinie Momentum einen Listenpreis von 58.000 Euro. Damit es den Beamten unterwegs nicht langweilig wird, wurde zudem das Infotainment-System Sensus Connect mitbestellt, das über ein Soundsystem von Bowers & Wilkins mit 1.400 Watt und 19 Lautsprecher verfügt und satte 3.570 Euro Aufpreis kostet. Zusammen mit einigen anderen Kleinigkeiten nähert sich der Listenpreis einem Betrag von 65.000 Euro an.

Da stellt man sich natürlich die Frage, ob das wirklich notwendig ist. Immerhin hat die ausländische Konkurrenz ähnlich große (oder sogar größere) Fahrzeuge im Sortiment, die bei ähnlicher Leistung um einiges günstiger sind. Das könnte beispielsweise ein Skoda Superb Combi mit DSG, Allradantrieb und 140 kW sein, den es in der gehobenen Ausstattungslinie Style ab 42.350 Euro gibt. Aus inländischer Fertigung käme unter anderem der Opel Insignia Sports Tourer infrage, der mit vergleichbaren Daten etwas über 40.000 Euro kostet. Selbst mit einigen Extras dürften diese Fahrzeuge zwischen 15.000 und 20.000 Euro günstiger sein. Bei den bislang ausgelieferten 27 Fahrzeugen hätte sich so eine Ersparnis von rund einer halben Million Euro ergeben, die durch weitere für 2018 geplante Fahrzeuge noch höher ausfallen wird. Selbst unter Berücksichtigung aller Rabatte bleibt daher ein fader Beigeschmack.

Meinung des Autors

Im Rheinland heißt es: Mer muss och jünne künne (man muss auch gönnen können). Doch angesichts knapper Haushaltskassen und Sparzwang bei öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, kulturellen Einrichtung und Freizeitangeboten ist es nur schwer verständlich, wenn sich jetzt ein Bundesland mit dem Volvo V90 Polizeifahrzeuge leistet, die fast schon der automobilen Oberklasse angehören. Das hätte man sicher auch preiswerter lösen können, ohne Abstriche bei der Funktionalität machen zu müssen.
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