Tesla: Termin der Pleite berechnet - fast eine halbe Million Dollar Verlust pro Stunde - UPDATE II

09.02.2018 10:25 Uhr | geronimo

23.11.2017, 12:15 Uhr:
Für die einen ist Tesla nicht weniger als die Revolution des Automarktes. Andere hingegen sehen eine Kapitalvernichtung, bei der die Geldbeschaffung an ein Schneeballsystem erinnert. Fakt ist: das Unternehmen verliert viel Geld. Dadurch soll die gesamte Existenz bedroht sein, und angeblich lässt sich sogar das Datum der Insolvenz ausrechnen. Dass es tatsächlich so kommt, darf aber durchaus bezweifelt werden

Laut einer Berechnung des Wirtschaftsdienstes Bloomberg verliert Tesla Geld. Viel Geld. Und zwar 8.000 US-Dollar in jeder einzelnen Minute. Das bedeutet einen Verlust von 480.000 Dollar pro Stunde oder etwas mehr als 11,5 Millionen Dollar pro Tag. Dank diverser Aktiengänge und anderer Kapitalbeschaffungsmaßnahmen sitzt man zwar auf einer Menge Bargeld, doch angesichts der oben aufgeführten Negativerträge wird dieses irgendwann zur Neige gehen. Nach derzeitigem Stand soll es am 6. August 2018 um 2:17 Uhr New Yorker Zeit soweit sein, dass Tesla Pleite ist.

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es aber ein wenig anders aus. Das fängt damit an, dass Tesla durch die Vorbestellungen des neuen Roadster mit atemberaubenden Fahrleistungen (Bild oben) viel Geld einsammeln wird. Bei dem offenen Zweitürer wird es eine limitierte Erstauflage geben, deren 1.000 Käufer mit dem gesamten Verkaufspreis von 250.000 Dollar in Vorleistung treten müssen. Das macht insgesamt 250 Millionen Dollar, sofern tatsächlich alle Fahrzeuge verkauft werden. Wer auf die sogenannte „Founders Series“ verzichtet, muss für das reguläre Modell aber immerhin eine Anzahlung von 50.000 Dollar leisten.

Tesla selber geht zudem davon aus, dass bis Ende März nächsten Jahres die Produktion des kompakten Model 3 auf 5.000 Einheiten pro Woche gesteigert werden kann. Sofern das klappt, erwartet das Unternehmen „signifikante Cashflows aus laufender Geschäftstätigkeit“, wie in einem Brief an die Aktionäre mitgeteilt wurde. Zudem wird auch der Kapitalbedarf sinken, weil die Anlaufkosten der Massenproduktion größtenteils bezahlt sind. Insofern dürfte es also rosiger aussehen, als die Berechnungen oben vermuten lassen.

Doch wirklich rosig sind die Aussichten nicht. Das betont Kevin Tynan als leitender Analyst bei Bloomberg Intelligence mit Blick auf Firmengründer Eleon Musk: „Ob sie weitere 10 Monate durchhalten oder ein Jahr, er braucht Geld, und zwar schnell“. Bis Mitte nächsten Jahres wird Tesla nach seiner Meinung mindestens 2 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital aufnehmen müssen. Gleichzeitig ist es so, dass die Konkurrenz nicht schläft, und ab 2019 mit zahlreichen eigenen Elektrofahrzeugen kontern wird. Spätestens dann wird sich zeigen, ob sich Tesla dauerhaft als ernstzunehmender Fahrzeughersteller etablieren kann – oder ob es nicht doch zu einer Pleite kommt. Ein weiteres Szenario wäre eine Übernahme durch einen anderen Autobauer, was allerdings angesichts des Aktienwertes von Tesla in Höhe von aktuell 53 Milliarden Dollar (zum Vergleich: der profitable Hersteller Ford ist 48 Milliarden Dollar wert) aber eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Update, 24.11.2017, 11:42 Uhr: Der Kapitalbedarf von Tesla ist offenbar so hoch, dass man sogar erst kürzlich gemachte Aussagen einkassiert und kommentarlos durch neue ersetzt. Konkret geht es um den parallel zum Roadster vorgestellten Elektro-Lkw namens Tesla Semi. Bei der Präsentation und in den anschließenden Pressemitteilung wurde mitgeteilt, dass künftige Kunden pro Truck eine Anzahlung von 5.000 US-Dollar leisten müssen. Diese wurde jetzt kurzerhand vervierfacht und auf 20.000 Dollar angehoben. Zudem wird es wie auch beim angekündigten Sportwagen eine „Founders Series“ geben, deren voller Preis von 200.000 Dollar direkt bei der Bestellung vorgestreckt werden muss. Und das, obwohl die ersten Fahrzeuge erst im Jahr 2019 ausgeliefert werden sollen. Ob die Rechnung bei gewerblichen Kunden aufgeht, steht natürlich auf einem anderen Blatt, denn diesen dürfte die fällige Anzahlung schwerer fallen, als manchem gut situiertem Privatkunden. Zudem wirft der Vorgang kein gutes Licht auf die Verlässlichkeit von Aussagen, die von Tesla gemacht werden.

Update, 08.02.2018, 11:25 Uhr: Tesla hat die Geschäftszahlen für das 4. Quartal 2017 veröffentlicht. Diese enthalten sowohl gute als auch schlechte Nachrichten. Positiv ist, dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um satte 44 Prozent von 2,3 Milliarden auf 3,3 Milliarden US-Dollar zugelegt hat. Es scheint also durchaus frisches Kapital in das Unternehmen zu fließen. Doch das hilft nur relativ wenig, denn im Gegenzug wurden satte 675 Millionen Dollar Verlust eingefahren, was umgerechnet 550 Millionen Euro entspricht. Das ist der höchste Quartalsverlust der Firmengeschichte, nachdem bereits im Quartal davor mit 619 Millionen Dollar ein neuer Rekord erreicht worden ist.

An der Börse wurden die Zahlen trotz der Verluste zunächst positiv aufgenommen, denn zahlreiche Analysten hatten mit weniger Umsatz bei noch höherem Minus gerechnet. Der Aktienkurs kletterte nachbörslich um drei Prozent, fiel später jedoch wieder ab. Ob sich letztgenannter Trend fortsetzt, bleibt abzuwarten. Denn es gab noch weitere schlechte Nachrichten: die Produktion des Model 3 läuft weiterhin nicht rund. Im gesamten 3. Quartal wurden laut Tesla nur 1.542 Fahrzeuge ausgeliefert. Die eigentlich bereits erwarteten 5.000 Autos pro Woche soll es jetzt erst Ende des 1. Halbjahrs 2018 geben. Gleichzeitig konnte allerdings mit insgesamt 29.967 ausgelieferten Elektrofahrzeugen aller Baureihen ebenfalls ein neuer Rekord verkündet werden. Das alles zeigt: Tesla bleibt eine Wundertüte – und ein Risiko für Anleger.

Meinung des Autors

Ohne Tesla würden viele Hersteller wahrscheinlich immer noch nicht in Elektromobilität investieren. Doch der Vorreiter der Branche arbeitet mit hohen Verlusten, was die Existenz des gesamten Unternehmens bedroht. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die ein baldiges Aus vorhersagen. Bislang jedoch konnte Elon Musk seinen Kopf immer noch aus der Schlinge ziehen. Ob das weiterhin klappt, bleibt abzuwarten.

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