Tesla Model S: eigene Rennserie von der FIA genehmigt - Auto und Regeln im Überblick - UPDATE

06.02.2018 14:55 Uhr | geronimo

02.02.2018, 17:23 Uhr:
Der nachfolgende Bericht dürfte Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die Tesla als Geldvernichtungsmaschine und Schneeballsystem betrachten. Denn jetzt wird es auch noch eine eigene Rennsportserie geben, wo doch jeder weiß, dass Motorsport stets ein (sehr) teures Vergnügen ist. Doch ganz so einfach ist die Rechnung nicht

Für den Betrieb einer Tesla-Rennserie namens Electric GT hat der junge amerikanische Autohersteller seine Oberklasse-Limousine umfangreich überarbeitet und für die Rennstrecke tauglich gemacht. Herausgekommen ist das Tesla Model S P100Ds (mit zusätzlichem kleinem „s“), das soweit abgespeckt wurde, dass es stolze 500 kg weniger wiegt, als das Serienfahrzeug. Dank einer Leistungssteigerung auf 585 kW (entsprechend 795 PS) sowie einem Drehmoment von 995 Nm soll es in 2,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h gehen. Die Höchstgeschwindigkeit ist jedoch auf 250 km/h begrenzt. Die komplette Entwicklung hat es sicher nicht zum Nulltarif gegeben. Doch zum einen werden die späteren Rennfahrzeuge von Kundenteams eingesetzt, die diese natürlich beim Hersteller kaufen müssen. Zum anderen kann Tesla das als Werbekosten verbuchen, denn in Zeiten, in denen immer mehr Mitbewerber auf den Markt der Elektrofahrzeuge drängen und sich zudem in der wachsenden Formel E betätigen, kann ein wenig Werbung nicht schaden.

Die Genehmigung zur Durchführung einer entsprechenden Veranstaltungsreihe wurde jetzt von der FIA erteilt, nachdem das Model S P100Ds als letzten Schritt die anspruchsvollen Crashtests des Motorsportweltverbandes bestanden hat. Bei den einzelnen Rennen sollen 10 Teams mit jeweils zwei Fahrzeugen und Fahrern antreten. Am Freitag finden zwei 20-Minuten-Trainings sowie das Qualifying statt, bei dem die volle Leistung des Elektroantriebs freigegeben wird. In den beiden Rennen am Samstag und Sonntag – die mindestens 50 km lang sind, aber maximal 30 Minuten plus eine Runde dauern – wird mit einer Nennleistung von 300 kW gefahren, wobei die Maximalleistung am zweiten Tag auf 558 kW beschränkt wird. Bei der Startaufstellung gibt es am Samstag Bonus-Positionen, und am Sonntag eine umgekehrte Startreihenfolge auf den ersten sechs Plätzen.

Das Punktesystem wird aus der Formel 1 übernommen. Der Sieger bekommt demnach 25 Punkte, der Zweite 18, und der Dritte 15. Weitere Punkte gibt es bis Platz 10, jedoch mit einem wichtigen Unterschied. Es können auch noch Bonuspunkte erzielt werden: Für die Pole Position werden 3 davon gutgeschrieben, die schnellste Rennrunde wird mit zwei Punkten vergütet. Zudem wird auch noch der Sieger eines Drift-Wettbewerbs unter den Fahrern belohnt, denn dieser bekommt ebenfalls 3 Punkte. Es sind insgesamt neun oder zehn Veranstaltungswochenenden geplant, an denen jeweils auch ein Rahmenprogramm inklusive einer elektrischen Kart-Serie und mehr geboten wird. Neben einer Station in Deutschland werden noch Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Spanien und Portugal als Austragungsorte genannt, ohne konkrete Details mitzuteilen. Ein Fragezeichen steht auch noch hinter den Teams, denn bislang hat sich mit SPV Racing offenbar nur ein Teilnehmer verbindlich angemeldet.

Es ist aber auch noch reichlich Zeit, denn starten soll die Serie erst 2018. Weitere Informationen und auch zahlreiche Bilder von den Testfahrzeugen finden sich auf der Homepage der Electric GT.

Update, 06.02.2018, 15:55 Uhr: Während bei den Teams noch viele Teilnehmer offen sind, scheint die Besetzung der Fahrzeuge mittlerweile weitgehend geklärt zu sein. Insgesamt 19 Fahrerinnen und Fahrer finden sich inzwischen in der entsprechenden Übersicht, darunter im Tourenwagen- und Formel-Sport durchaus bekannte Namen wie Jeroen Bleekemolen, Alex Premat, Dani Clos, Tom Coronel oder Alex Premat. Vertreter aus Deutschland sind unter bislang fünf gemeldeten Frauen und 14 gemeldeten Männern allerdings derzeit nicht zu finden.

Und dann noch ein Nachtrag zu den beiden Rennen am Wochenende. Eines davon, wahrscheinlich das am Samstag, wird in der Dämmerung gefahren. Das dürfte für spektakuläre Bilder mit glühenden Bremsscheiben sorgen, wobei auf Flammen aus dem Auspuff natürlich systembedingt verzichtet werden muss. Das andere Rennen findet mittags bei Tageslicht statt. Inwieweit und gegebenenfalls wo die Veranstaltung im Fernsehen oder als Livestream in Internet zu sehen sein werden, steht bislang allerdings noch nicht fest. Möglicherweise wird es aber eine kostenfreie Übertragung auf der Homepage der Serie oder auf der von Tesla geben.

Meinung des Autors

Win on sunday, sell on monday - mit diesem Motto rechtfertigen Autohersteller die hohen Werbekosten durch Motorsport. Das gilt bald auch für Tesla, wobei das Gewinnen in einer eigenen Rennserie natürlich ziemlich einfach ist. Trotzdem ist es natürlich eine Gelegenheit, die Standfestigkeit von Elektroautos zu zeigen. Wobei die kurze Renndauer natürlich entgegenkommt.

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