Tesla: D wie Dual könnte Allradantrieb für das Model S bringen - UPDATE

10.10.2014 08:18 Uhr | geronimo

09.10.2014, 15:57 Uhr:
Vor einigen Tagen kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, am heutigen Tag etwas gänzlich neues zu enthüllen. Der damit in Zusammenhang stehende Buchstabe D hat diverse Spekulationen ausgelöst, um was es sich bei der angekündigten Neuerung handelt. Als wahrscheinlichste Möglichkeit gilt ein neues Antriebskonzept für das derzeit einzige Fahrzeug im Portfolio

Mit dem oben gezeigten Foto hat Tesla für heute Neuigkeiten angekündigt. Vor allem das auf dem Garagentor zu sehende D sorgte für Gesprächsstoff, doch so manche vermeintliche Lösung löste dann doch eher Heiterkeit aus. Darunter auch die Vermutung, dass das D für Diesel steht und Tesla dem Model S einen zusätzlichen Motor als Reichweitenverlängerer verpassen wird. Das ist in dem rein auf Elektromobilität aber in etwa so wahrscheinlich wie das Zufrieren der Hölle.

Dabei ist eine andere Lösung doch viel naheliegender. Demnach steht das D für Dual Motor, was nichts anderes bedeutet, dass zusätzlich zum bereits vorhandenen Motor an der Hinterachse noch ein weiterer an der Vorderachse zum Einsatz kommt. Mit dieser Lösung würde das Model S ein ganzes Stück wintertauglicher als bisher werden, und auch die Traktion auf nasser Straße dürfte sich deutlich verbessern. Die schlagartige Leistungsentfaltung des Elektromotors sorgt besonders beim Top-Modell mit Performance-Paket gelegentlich für durchdrehende Räder und reichlich Schlupf an der Hinterachse.

Der Zeitpunkt für die Einführung erscheint dabei durchaus logisch zu sein, denn Tesla hat mittlerweile umfangreiche Produktionsumstellungen für die Einführung des neuen SUV Model X in Angriff genommen. Dieses Fahrzeug sollte bereits in diesem Jahr auf den Markt kommen, wird jetzt aber für Anfang nächsten Jahres erwartet. Bereits bei der ersten Vorstellung des Model X vor über einem Jahr wurde angekündigt, dass dieses den Allradantrieb über die optionale Zwei-Motoren-Lösung ermöglichen wird.

Von „optional“ ist auf der Homepage mittlerweile übrigens nichts mehr zu lesen. Vielmehr heißt es dort: „Das Model X wird mit einer 60 oder 85 kWh Batterie und Doppelmotor-Allradantrieb angeboten“. Die bisherige Schemazeichnung mit drei verschiedenen Antriebskonzepten (Hinterradantrieb, Allradantrieb und Allradantrieb mit Performance-Paket) wurde auf die beiden letztgenannten Möglichkeiten reduziert. Möglicherweise wird also das Model S nicht nur gegen Aufpreis mit allen vier Rädern angetrieben, sondern künftig generell über Allradantrieb verfügen.

Unabhängig davon hatte Elon Musk auch noch die Enthüllung von „etwas anderem“ als dem D angekündigt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte es dabei um Fahrassistenzsysteme gehen, die autonomes Einparken und/oder das Spurhalten ermöglichen. Auch weitere Assistenzsysteme wie eine automatische Distanzregelung beim Tempomaten erscheinen in dem Zusammenhang möglich. Für Tesla sicherlich ein wichtiger Schritt, denn auf diesem Gebiet ist die versammelte Konkurrenz der benzin- und dieselgetriebenen Fahrzeuge einen deutlichen Schritt voraus.

Update, 10.10.2014, 10:18 Uhr: Gemäß der Ankündigung von Elon Musk hat Tesla in der vergangenen Nacht tatsächlich Neuigkeiten präsentiert, und diese haben es in der Tat in sich. Wie bereits vermutet, bedeutet das D in Musks Tweet Dual Motor, was dem Model S gegen Aufpreis einen Allradantrieb beschert. Bei den beiden schwächeren Modellen Model S 60D und 85D liegt der Aufpreis bei 4.000 Dollar. Deutlich teurer wird es beim Top-Fahrzeug Model S P85D, für das 14.000 Dollar mehr verlangt werden. Darin enthalten sind aber bereits die Kosten für die notwendigen Zusätze wie das Tech-Paket, die Luftfederung sowie die 21 Zoll großen Leichtmetallräder. Mit dem Allradantrieb wird jedoch nicht nur die Traktion verbessert, sondern auch die Beschleunigung, was Musk so kommentierte: „Dieses Auto ist verrückt“.

Das bezog der Tesla-Chef darauf, dass das allradgetriebene Model S den üblichen Wert von 100 km/h deutlich schneller erreicht als sein heckgetriebener Bruder. Dessen rund 4,5 Sekunden sind durchaus beachtlich, doch die etwa 3,3 Sekunden des Model S P85D erreichen ein Niveau, bei dem sogar manche Supersportwagen passen müssen. Trotz der gesteigerten Dynamik soll sich aber auch die Reichweite um etwa 10 Meilen erhöhen, was aber allenfalls theoretischer Natur ist. Das Top-Model kann ab sofort bestellt werden, die kleineren Fahrzeuge werden ab Februar erhältlich sein. Die deutschen Preise stehen noch nicht fest, diese reichen wir später nach.

Wie vermutet, hat Tesla auch gleich noch neue Assistenzsysteme vorgestellt. Die wichtigste Neuerung ist der sogenannte Autopilot, der dank Frontkamera, Radar und 360°-Ultraschall-Sensoren die Umgebung des Fahrzeuges ständig abtastet. Wenn der Fahrer beispielsweise auf einer Autobahn den Blinker betätigt, wechselt das so ausgestattete Model S selbsttätig die Fahrspur, sofern es keine Behinderungen gibt. Mit dem System verbunden ist auch eine Verkehrszeichenerkennung, die Geschwindigkeitsbeschränkungen selbsttätig erkennt und darauf reagiert. Zudem verfügt das neue System über einen Parkassistenten, der das Fahrzeug nicht nur ein- oder ausparkt, sondern auch selbsttätig bis zum Besitzer fährt – was allerdings nur auf Privatgrundstücken erlaubt ist. Das System ist – wie im Prinzip alles bei Tesla – update-fähig, die einzelnen Funktionen können also über die Software schrittweise nachgereicht werden. Eine Nachrüstung bereits ausgelieferter Model S mit diesem System ist allerdings nicht möglich.

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