Technik Museum Speyer: Erlebnisbericht mit Highlights und Nachteilen

10.06.2016 11:04 Uhr | geronimo

Das Technik Museum in Speyer bietet zahlreiche spannende, seltene und lehrreiche Ausstellungsstücke, deren Größe oftmals mehr als beeindruckend ist. Im Gegensatz zu diversen anderen Museen sind etliche Exponate auch begehbar, was den Reiz erhöht. Ein aktueller Besuch zeigt allerdings wieder einmal, dass nicht alles Gold ist, was glänzt

Die Besucher erwartet im verkehrsgünstig gelegenen Museum 25.000 m² überdachte Hallenfläche und 150.000 m² Freigelände. Ausgestellt sind unter anderem Autos, Motorräder, Flugzeuge, Lokomotiven, Traktoren, Orgeln, diverse Maschinen und Geräte sowie einiges passendes Material wie Werbeschilder und ähnliches. Viele der gezeigten Exponate sind hochgradig exklusiv, da es sie nur noch sehr selten gibt oder sie gar Einzelstücke sind.

Die Highlights:

Viele Höhepunkte finden sich im Außengelände. Das älteste der Großexponate ist das 46 Meter Lange und 466 Tonnen schwere U-Boot U9, das von Innen besichtigt werden kann, was die Enge eindrucksvoll erlebbar macht. Direkt daneben steht der Seenotrettungskreuzer John T. Essberger, der vielen Menschen das Leben gerettet hat. Hoch hinaus geht es mit einer Boeing 747 der Lufthansa, die in lichter Höhe von rund 20 Metern besichtigt werden kann und zudem von einer der Tragflächen aus auch noch einen schönen Blick auf den Dom von Speyer ermöglicht. Das wohl spannendste Ausstellungsstück steht allerdings drinnen, und zwar in einer eigens dafür erbauten Halle: die russische Raumfähre Buran, die das Gegenstück zum amerikanischen Space Shuttle darstellt. Rund um dieses ebenfalls teilweise zugängliche Großexponat gibt es eine über mehrere Stockwerke verteilte Ausstellung zum Thema Raumfahrt, die durchaus mehr als nur einen flüchtigen Blick wert ist. Doch nicht nur die großen, sondern auch die zahlreichen kleineren Teile der Ausstellung haben ihren Reiz, denn – wie bereits erwähnt – finden sich darunter viele extrem seltene Stücke, die oftmals nur in Speyer zu sehen sind.

Kino und Drumherum:

Neben dem eigentlichen Museum findet man in Speyer auch ein IMAX-Kino der ganz besonderen Art, denn dabei handelt es sich um eine Kuppel mit 24 Metern Durchmesser. Diese ballartig gewölbte Leinwand ermöglicht quasi einen Rundum-Blick auf das gezeigte Filmmaterial. Für einen geringen Aufpreis auf den Museumseintritt kann eine der angebotenen Dokumentationen angesehen werden, was absolut empfehlenswert ist. Vorher oder nachher kann man sich unter anderem im Restaurant Hangar 10 stärken. Dieses machte zumindest bei unserem Besuch einen (sehr) guten Eindruck, denn „hier kocht der Chef noch selbst“. Die angebotenen Gerichte waren im Rahmen der Kantinen-artigen Möglichkeiten frisch und erstaunlich schmackhaft, und das zu halbwegs fairen Preisen von unter 10 Euro. Auch auf den Toiletten größtenteils erfreuliches, denn diese waren allesamt sauber, wobei lediglich teilweise fehlende Kleiderhaken in den Kabinen den Eindruck trübten.

Der Haken:

Beim Besuch der Ausstellung wird man von Anfang an den Eindruck nicht los, dass dem Museum eines fehlt: ein Kurator, der sein Handwerk versteht. Die Ausstellungsstücke bilden ein willkürlich zusammengestelltes Sammelsurium, bei dem es keinerlei thematischen, zeitlichen, geschichtlichen, technischen oder sonstwie gearteten Zusammenhang zu geben scheint, wie dies beispielsweise im Deutschen Museum in München der Fall ist.. Zudem fällt auf, dass es zwar zu allen Exponaten informative Erklärungen gibt. Doch oftmals wünscht man sich mehr Tiefe, die über das beschränkte Platzangebot einer Din-A4-Seite mit zwei Sprachversionen hinausgehen und weitere Details bieten. Diese gibt es jedoch nur im Museumsbuch (das auch das Technik Museum Sinsheim beinhaltet), das allerdings Dank 448 Seiten sowie über 850 Fotos keinerlei Fragen offen lässt und zudem zusammen mit einer DVD für einen überaus fairen Preis angeboten wird.

Fazit:

Das Technik Museum in Speyer ist in vielerlei Hinsicht schlicht großartig. Wo sonst hat man schon die Möglichkeit, ein U-Boot, ein Großflugzeug oder sogar eine Raumfähre von Innen zu sehen. Doch auch der Rest ist überaus sehenswert. Vor allem in Kombination mit dem Schwestermuseum ist die Ausstellung also überaus empfehlenswert, auch wenn es keinen roten Faden gibt. Wer allerdings nur eines der beiden Technikmuseen besuchen möchte, sollte vielleicht wohlwollend den Ableger in Sinsheim ins Auge fassen, der für die meisten Besucher die bessere Alternative sein dürfte.

Update, 11.06.2016, 15:08: Der Bericht zum Technik Museum Sinsheim ist jetzt ebenfalls veröffentlicht worden.

Meinung des Autors

Wer schon immer ein U-Boot, eine Boeing 747 oder sogar eine Raumfähre von Innen sehen wollte, der sollte sich einen Besuch im Technik Museum Speyer gönnen. Dabei gibt es dann natürlich auch noch viel mehr und kleineres zu sehen. Doch möglicherweise findet sich nur wenige km weiter eine bessere Alternative.
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