Smarte Autos: diese Daten speichern moderne Pkw - Verarbeitung eher unklar

24.08.2018 12:06 Uhr | geronimo

Neue Fahrzeuge gleichen immer mehr Computern, mit denen man auch mobil sein kann. Für viele Autofahrer beschränkt sich das auf den ersten Blick auf die vielseitigen Infotainment-Systeme, doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass nahezu unvorstellbar viele Daten gesammelt werden. Und dass diese auch in großem Umfang an die Hersteller und sogar Dritte weitergegeben werden

In einer Untersuchung hat der ADAC ermittelt, dass in neuen Fahrzeugen bis zu 200(!) Sensoren verbaut sind, die Daten erfassen und auch speichern können. Über eingebaute Mobilfunkkarten mit unbegrenztem Datenvolumen wird ein großer Teil der ermittelten Informationen weitergeleitet. Der Umfang der so verschickten Datenmenge kann laut dem Automobilclub mehrere Gigabyte pro Stunde betragen. Dabei werden durchaus vertrauliche Informationen übermittelt, was natürlich die Frage nach dem Datenschutz aufkommen lässt. Nachfolgend ein ungefährer Überblick, welche Daten ermittelt, gesichert und verschickt werden können:

  • Navigation: Positionsdaten im Minuten- oder gar Sekundentakt; gewählte Adressen oder „Points Of Interest“ (POI); Verkehrsinformationen
  • Multimedia: CD-Wechsel, gewählte Radiosender; Daten von Streaming-Portalen wie Spotify, Apple Music oder Google Music; Kontakte des Mobiltelefons; getätigte Anrufe mit Datum, Uhrzeit und Länge
  • Sitze: gespeicherte Sitzposition; Änderungen der Sitzeinstellungen, um Fahrerwechsel zu erfassen; Belegung der Sitzplätze
  • Assistenzsysteme: jede Warnung und jeder indirekte oder direkte Eingriff; Deaktivierung einzelner Funktionen; Reaktionen des Fahrers
  • Motor und Getriebe: Stellung von Gas- und Bremspedal; Fahrzeiten getrennt nach Stadt, Landstraße und Autobahn; Beschleunigung; Bremsen; Belastung; Verbrauch; abgeforderte Leistung; Stand der Betriebsflüssigkeiten; Zustand des Motoröls; Nutzung von Start-Stopp
  • Unfall: Geschwindigkeit; Bremsmanöver; Ausweichmanöver; Auslösen des Airbags
  • Fehlerspeicher: Störungen und Ausfälle; ungewöhnliche Fahr- und Bremsmanöver;

Das alles und teilweise noch (viel) mehr wird dann per Mobilfunknetz oder durch Diagnoseschnittstellen an den Hersteller weitergegeben. Doch nicht nur dorthin, sondern bei Nutzung von Diensten wie Apple CarPlay oder Android Auto auch an deren Entwickler. Was dann mit den Daten geschieht, bleibt allerdings im Dunkeln. Im Idealfall werden damit Komfortfunktionen unterstützt und verbessert, künftige Entwicklungen beschleunigt oder Diebstähle aufgeklärt. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass die Angaben auch gegen den Kunden verwendet werden können. Indem etwa Kulanz abgelehnt wird, weil das Fahrzeug übermäßig stark beansprucht wurde. Oder wenn bei einem Unfall die vermeintlich klare Schuldfrage auf einmal doch nicht mehr so klar ist.

Datenschützer fordern daher seit langem, dass bei der Datenverarbeitung restriktiver vorgegangen werden muss. Indem etwa ein Großteil der Angaben anonymisiert werden und ein neutraler Administrator festlegt, wann welche Daten überhaupt weitergegeben werden dürfen. Zudem werden eine deutlich bessere Information sowie eine stärkere Kontrolle durch Fahrer und Halter gefordert, die zudem das Recht haben müssen, die Übertragung vertraulicher Daten zu verhindern, um die Privatsphäre zu schützen.

(Bildquelle: ADAC)

Meinung des Autors

Daten sind die neue Währung. Das gilt nicht nur für das Smartphone und Dienste wie Amazon, Facebook, Google und Co., sondern immer öfter und immer stärker auch für moderne Autos. Was diese alles sammeln und quasi in Echtzeit übermitteln, dürfte manch kritischem Autofahrer den Magen umdrehen. Es ist dringend an der Zeit, hier für klare Regeln zu sorgen.

Ähnliche Artikel

Top