Selbstständig fahrende Autos: mehrere Bundesländer wollen Teststrecke

28.01.2015 11:12 Uhr | geronimo

Verkehrsminister Alexander Dobrindt neigt, ähnlich wie sein Vorgänger, zu Alleingängen und medienwirksamen Ankündigungen. Wie wenig hilfreich das oftmals ist, zeigt sich jetzt bei der beginnenden Diskussion um eine Teststrecke für autonom fahrende Fahrzeuge. Neben Bayern bemühen sich jetzt noch zwei weitere Bundesländer um den Zuschlag

Die Autoindustrie arbeitet mit Hochdruck an der (Weiter-)Entwicklung von Fahrassistenzsystemen, die es bereits in naher Zukunft ermöglichen sollen, dass Autos völlig selbstständig größere Entfernungen zurücklegen. Solche komplexen Systeme der sogenannten Smart Cars lassen sich aber nicht alleine auf abgesperrten Teststrecken und unter Laborbedingungen verbessern, weswegen die Hersteller entsprechende Testmöglichkeiten in Deutschland einfordern. Am Montag hat Verkehrsminister Dobrindt entsprechende Pläne verkündet und dabei sein eigenes Bundesland als Standort vorgeschlagen. Offenbar hat er sich dabei aber nicht mit den zuständigen Ministern in anderen Bundesländern abgesprochen.

Von dort werden jetzt nämlich ebenfalls Forderungen laut. Noch am Montag war Baden-Württemberg seinen Hut in den Ring, als der dortige Wirtschaftsminister Nils Schmid von der SPD erklärte, dass das, was in Bayern funktioniere, auch in seinem Heimatland möglich sein müsse. Vorgeschlagen wurde dabei die Autobahn A81 von Würzburg bis zum Bodensee. Heute dann hat sich auch Nordrhein-Westfalen durch seinen Verkehrsminister Michael Groschek, ebenfalls SPD, beworben: „Wer ein solches System effektiv einsetzen will, der muss da hingehen, wo der Verkehr am dichtesten ist. Nirgendwo kann man die Mobilität der Zukunft besser testen“. Als mögliche Standorte wurden dabei die drei parallel verlaufenden Autobahnen A2, A40 und A42 in Spiel gebracht.

Möglicherweise werden sich auch noch andere Bundesländer um die Teststrecke bemühen. Damit würde das Projekt möglicherweise auf Monate hinaus verzögert, weil man erst einmal mit jedem Bewerber langwierige Verhandlungen führen muss. Von daher wäre es womöglich klüger gewesen, wenn Minister Dobrindt seine eigene Ankündigung nicht mit einem angeblich konkreten Standort verbunden, sondern erst einmal hinter verschlossenen Türen Fronten geklärt und Fakten geschaffen hätte.

(Mit Material von: Automobilwoche
Bildquelle: Audi)

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Mehrere Bundesländer wollen die Teststrecke - war Dobrindts Ankündigung vom Montag der befürchtete Schnellschuss?

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