Restalkohol: ab wann die Fahrtüchtigkeit wieder erreicht ist

18.04.2018 13:18 Uhr | geronimo

Abends trinken und morgens fahren – für viele ist das ein Kavaliersdelikt, aber auch ein unterschätztes Risiko. Denn der Ausgangswert in Promille ist oftmals höher als gedacht, während der Alkoholabbau langsamer als erwartet abläuft. Nachfolgend versuchen wir zu klären, wann man nach einer feucht-fröhlichen Nacht wieder als fahrtüchtig gilt. Vorab schon einmal soviel: es ist später, als die meisten erwarten würden

Alkohol am Steuer zählt zwar nicht zu den häufigsten Unfallursachen, doch ein Platz in den Top Ten wird ganz locker erreicht. Und oftmals sind die Folgen gravierender als bei anderen Unfallarten. Während sich die meisten Autofahrer darüber im Klaren sind, dass man nicht unmittelbar nach dem Alkoholkonsum fahren sollte, sieht es am nächsten morgen oftmals anders aus. Denn nicht wenige glauben, dass ein paar Stunden Schlaf und ein ordentlicher Kaffee das Problem aus der Welt schaffen. Doch das ist ein gewaltiger Irrtum.

Und dieser lässt sich relativ einfach berechnen. Als Kennzahlen werden im Prinzip nur ganze drei Angaben benötigt. Das sind die aufgenommene Menge Alkohol in Gramm, das Körpergewicht und der Anteil an Körperflüssigkeit. Dabei ist der erstgenannte Wert am schwierigsten zu berechnen, denn er erfordert unter anderem eine ziemlich genaue „Buchführung“. Als Grundlage dient das spezifische Gewicht von Alkohol, das immer bei 0,8 g/cm³ liegt. Dieses muss mit der getrunkenen Menge und dem jeweiligen Alkoholwert des Getränkes multipliziert werden. Als Beispiel: bei einem halben Liter Bier mit einem Alkoholgehalt von 5 Prozent würde die Rechnung 500 ml x (5 : 100) x 0,8 lauten, was als Ergebnis 20 Gramm Alkohol bedeutet. Bei vier Flaschen wären es also bereits 80 Gramm aufgenommene Alkoholmenge.

Als nächstes wird der Anteil an Körperflüssigkeit benötigt. Dieser liegt bei Frauen bei rund 55 Prozent, während Männer bei etwa 68 Prozent liegen. Das eigene Gewicht muss man natürlich ebenfalls kennen. Ausgehend von der obigen Alkoholmenge könnte die Berechnung also folgendermaßen aussehen:

  • Frau mit 60 kg Gewicht: 80 : (60 x 0,55) = 2,43 Promille
  • Mann mit 80 kg Gewicht: 80 : [noparse](80 x 0,68)[/noparse] = 1,47 Promille

Dieser Wert kann jetzt mit dem Alkoholabbau kombiniert werden. Laut Faustregel beträgt dieser ungefähr 0,1 Promille pro Stunde. Bei den oben errechneten Werten würde dies bedeuten, dass ein Mann nach rund 15 Stunden wieder komplett nüchtern ist, eine Frau sogar erst nach circa 24 Stunden. Die Grenze von 0,5 Promille Alkohol im Blut, ab der auf jeden Fall mit Konsequenzen gerechnet werden muss, würde erst nach 11 beziehungsweise 20 Stunden unterschritten – also definitiv nicht am nächsten Morgen.

Natürlich lässt sich das Ergebnis auch deutlich einfacher bekommen. Dazu werden sowohl im Internet, als auch als App für das Smartphone diverse „Promillerechner“ angeboten – hier helfen Google und andere Suchmaschinen sowie die jeweiligen App-Stores weiter. Dieser arbeiten im Prinzip alle mit den oben angegebenen Werten und Formeln, wobei teilweise noch unterschiedliche Abbaugeschwindigkeiten für Frauen und Männer eingerechnet werden. Bei der Nutzung sollte aber klar sein, dass der errechnete Zeitpunkt nur ein sehr ungefährer Richtwert ist, denn neben den feststehenden Faktoren gibt es noch einige Unwägbarkeiten.

Diese sind unter anderem der Mageninhalt (bei vollem Magen gelangt der Alkohol erst verzögert ins Blut), eventuell eingenommene Medikamente (Stichwort: Wechselwirkung), und auch die eigene Konstitution und Tagesform. Von daher lieber sie eine oder andere Stunde länger warten, und sich keinesfalls auf das eigene Gefühl verlassen, bevor wieder ins Steuer gegriffen wird. Letztlich ist nur die Zeit der entscheidende Faktor, denn der Abbau kann durch Sport, heiß oder kalt duschen, Kaffee sowie irgendwelche anderen „Wundermittel“ nicht beschleunigt werden.

(Bildquelle: ADAC)

Meinung des Autors

Beim Thema Alkohol und Straßenverkehr verschätzt sich so ziemlich jeder. Das fängt bereits damit an, dass der Blutalkoholwert am feucht-fröhlichen Abend schnell ungeahnte Höhen erreicht. Im Anschluss wird dieser langsamer abgebaut, als wahrscheinlich gedacht. Daher dürfte so mancher überrascht sein, wie "blau" man am nächsten Morgen tatsächlich noch ist. Frauen sind dabei übrigens klar im Nachteil.

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