Plagiate bei Autos: Design-Klau in China gibt es noch, aber... - Kommentar

30.04.2018 10:06 Uhr | geronimo

Es gibt unzählige Berichte darüber, wie dreist mancher chinesische Autobauer die Gestaltung von Fahrzeugen der ausländischen Konkurrenz kopiert. Das ist auch heutzutage noch ein Thema, doch die Aufregung darüber sollte nicht von andere Dingen ablenken

Auf der aktuell stattfindenden Auto China 2018 sind wieder diverse Autos zu finden, die unverhohlen nach einem bestimmten Vorbild gestaltet wurden. Manchmal werden nur bestimmte Designmerkmale abgeschaut, während es sich in anderen Fällen um eine 1:1-Kopie handelt. Die Bandbreite kopierter Fahrzeuge reicht dabei vom zweisitzigen Kleinstwagen wie den Smart über Limousinen wie den VW Passat (Bild oben) sowie SUVs wie diverse Range Rover bis hin zum Sportwagen wie dem McLaren 670S. Ein paar eindrucksvolle aktuelle und vergangene Beispiele für solchen Ideenklau finden sich hier.

Die Kopien mögen beim Design sehr unterschiedlich sein, am Ende haben sie eines gemeinsam: sie können bei der Qualität, der Sicherheit und den Fahrleistungen mit den Vorlagen nicht einmal annähernd mithalten. Und nicht nur das, denn oftmals sollen mit der kopierten Karosserie nämlich grundlegende Mängel älterer chinesischer „Ingenieurskunst“ kaschiert werden, wegen denen die Plagiate zumeist zu den schlechteren Fahrzeugen auf dem Markt zählen. Doch sie sind inzwischen noch mehr die Ausnahme als die Regel, denn in China hat man mächtig dazugelernt. Dazu zählen sowohl verschärfte Umweltvorschriften, als auch anspruchsvollere Sicherheitsvorgaben, was den abgekupferten Autos oftmals zum Verhängnis wird.

Doch abgesehen davon genießen solche Kopien inzwischen ohnehin immer weniger Ansehen. Zum einen hat sich der Geschmack teilweise gewandelt, zum anderen ist man inzwischen auch durchaus stolz, was das chinesische Design und den eigenständigen Geschmack angeht. Worauf inzwischen sogar westliche Hersteller mit speziell für diesen Markt entworfenen Autos wie diversen Langversionen oder einem SUV von Skoda reagieren.

Aber auch auf die Möglichkeiten und Fähigkeiten, die die staatlichen Hersteller dank umfangreicher (Zwangs-)Kooperationen mit westlichen Unternehmen, und die wenigen freien Firmen wie die Volvo-Mutter Geely dank klugem Management inzwischen haben, blickt man mit einiger Genugtuung. Nicht umsonst erwarten oder befürchten zahlreiche Experten, dass China über kurz oder lang führend bei Elektroautos sein wird, während die westliche Konkurrenz mit viel zu aufwendigen und teuren Elektrofahrzeugen scheitert. All das führt dazu, dass die Kopien in Zukunft noch mehr zur Ausnahme werden – und man sich durchaus Sorgen wegen der chinesischen Möglichkeiten machen darf.

Meinung des Autors

Es ist einfach, sich darüber lustig zu machen, wie manche chinesische Autobauer noch immer im Westen abkupfern und wie plump das Ergebnis oftmals aussieht. Dass diese Fahrzeugart längst von Aussterben bedroht ist, während man sich gleichzeitig an anderer Stelle mächtig und mit breiter Brust positioniert, wird dabei oftmals übersehen.

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